Ein anonymisierter ehemaliger Spitzenoffizier des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad erklärt offen: Ein US-Angriff auf den Iran sei „wahrscheinlich in den nächsten zwei Wochen“. Das Interview erschien beim sicherheitspolitischen Israel Defense and Security Forum (IDSF). Die Stimme wurde verfremdet, die Identität blieb geheim.

Der ehemalige Top-Mann des Mossad trug keine offizielle Position vor, doch seine Analyse stammt aus dem innersten sicherheitspolitischen Umfeld. Und sie ist brisant.

„Ich denke, Amerika wird angreifen“

Der Ex-Offizier stellt die Logik der aktuellen Verhandlungen infrage. Wenn – wie Donald Trump im Juni 2025 erklärte – Irans nukleare Kapazitäten bereits massiv zerstört wurden: Warum wird dann weiter verhandelt?

Für ihn deutet Trumps bisheriges Verhalten auf eine militärische Option hin: „Wenn ich Trump nach seinem bisherigen Verhalten beurteile, denke ich, dass Amerika Iran angreifen wird. Man wartet nur auf den richtigen Zeitpunkt.“

Dann wird er konkret: „Ich halte einen Angriff in den nächsten zwei Wochen für wahrscheinlich.“ Und noch deutlicher: „Ich hoffe auch, dass es so kommt, weil ich keine andere reale Lösung für diese Krise sehe.“

„Mehr vom Gleichen“ – Teherans Verhandlungsmuster

Seit Jahren folge Teheran in Gesprächen demselben Muster: Über Urananreicherung werde verhandelt, über einen vollständigen Verzicht aber nicht. Eine Diskussion über Raketen, Stellvertreter-Milizen und Repression sei von vornherein ausgeschlossen. „Das ist mehr vom Gleichen. Das hören wir seit zehn Jahren.“

Parallel betreibe das Regime intensive Diplomatie bei den Golfstaaten – mit impliziter Drohung: Raketen auf Saudi-Arabien, Angriffe auf Ölraffinerien, Destabilisierung Katars oder Bahrains. Das Ziel: Druck aufbauen – damit diese Staaten Washington von einem Militärschlag abhalten.

„Ich bin mir nicht sicher, wie rational das Regime ist“

Zur iranischen Führung erklärte der Ex-Offizier: Zwischen Oberstem Führer, Revolutionsgarden und konservativen Machtzentren sehe er keine ideologischen Unterschiede. „Ich halte sie alle für fanatisch. Für extrem.“ Die sogenannten „Moderaten“ seien nur taktisch flexibler. Noch alarmierender: „Ich bin mir nicht sicher, wie rational das Regime wirklich ist.“

Er beschreibt eine Führung, die sich in einer religiösen Mission sieht: „Sie glauben, dass alles Teil eines göttlichen Plans ist.“ Und daraus folge eine gefährliche Logik: „Wenn es untergeht, wird es versuchen, so viele von uns wie möglich mitzunehmen.“ Ein nuklear bewaffneter Iran wäre unter dieser Prämisse kein klassischer Abschreckungsgegner – sondern ein unkalkulierbares Risiko.

Raketen als wichtigste Karte

Die eigentliche militärische Trumpfkarte Irans sieht er derzeit weniger bei Proxies wie Hisbollah oder Houthi-Milizen, sondern bei ballistischen Raketen. Der Zwölf-Tage-Krieg zwischen Israel und Iran im vergangenen Jahr habe „eines gezeigt“: Ballistische Raketen seien als strategisches Instrument „extrem effektiv“. Sie könnten eingesetzt werden, „Chaos“ anrichten und „Panik“ auslösen – und damit großen Druck erzeugen, ohne dass Teheran gleich zur ultimativen Eskalation greifen müsse.

Teheran werde zuerst das Raketenarsenal modernisieren – schneller, günstiger und operativ leichter als der Wiederaufbau eines Atomprogramms.

Hisbollah? „Wie ein eigenes Todesurteil“

Ein massiver Kriegseintritt der Hisbollah im Libanon? Eher unwahrscheinlich, sagt er. „Das Letzte, was die Hisbollah will, ist eine Eskalation.“ Ein umfassender Einstieg wäre „wie die Unterzeichnung ihres eigenen Todesurteils.“

Golfstaaten: geschwächter Iran ja – Zusammenbruch nein

Die Nachbarstaaten befänden sich in einer paradoxen Lage. Sie würden ein geschwächtes Regime in Teheran befürworten, aber nicht einen völligen Zerfall. Ein Zusammenbruch könnte ethnische Sezessionsbewegungen auslösen, regionale Machtkämpfe entfachen und den Ölmarkt destabilisieren.

Das Regime sei derzeit „ein verletztes Tier mit dem Rücken zur Wand“. Die Türkei profitiere überdies davon, wenn Israel gezwungen ist, strategisch auf denIran fokussiert zu bleiben.

Attentatspläne auf Donald Trump?

Der Konflikt werde auch international geführt. In Israel habe der Iran laut dem Mossad-Insider über das Internet „primitive“ Zellen angeworben. In den USA arbeite Teheran mit Schläferzellen.

Iran habe „bei mindestens zwei Gelegenheiten“ versucht, Donald Trump zu ermorden. Auch ein Anschlagsplan gegen den ehemaligen US-Außenminister Mike Pompeo sei in US-Medien thematisiert worden.

Die Aussagen des ehemaligen Geheimdienstlers klingen zugespitzt. Doch sie stehen nicht isoliert.

Yossi Cohen: Ohne USA kein Ende des Regimes

Mitte Jänner erklärte der frühere Mossad-Direktor Yossi Cohen auf die Frage, ob die Iraner das Regime allein stürzen könnten: „Nein.“ Die innere Schwäche des Regimes sei real, erklärte er in der US-Sendung The Rosenberg Report auf TBN+. Doch ohne US-Unterstützung gebe es keinen Systembruch.

Cohen sprach ebenfalls von einem „Zeitfenster“, und betonte zudem, man spüre die amerikanische Präsenz in der Region wieder deutlich. Nur die USA könnten eine grundlegende Veränderung durchsetzen. Eine Zeitprognose nannte er nicht. Aber die strategische Richtung war klar.

„Man muss den Kopf treffen“

Bereits im Juli 2025 erklärte ein anonymisierter Mossad-Senior im IDSF-Briefing: „Man kann die Schlange nicht am Schwanz töten. Man muss den Kopf treffen.“ Raketen lassen sich zerstören. Proxies schwächen. Nuklearprogramme zurückwerfen. Doch solange das Machtzentrum in Teheran intakt ist, bleibt das strukturelle Problem bestehen.

Auch für ihn steht fest: Das Problem ist das Regime selbst.