Noch vor seinen offiziellen Terminen wurde der frühere Dschihad-Kämpfer im Berliner Ritz-Carlton von Teilen der syrischen Gemeinde mit „Allahu Akbar“-Rufen bejubelt. Videos der Szenen kursieren in sozialen Netzwerken und sorgen für heftige Diskussionen.

Wie die syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, erklärte Al-Sharaa bei dem Auftritt, er sei stolz auf die Syrer im Ausland, die an ihrer nationalen Identität festhielten. Sie seien wichtig, um ein „authentisches Bild“ Syriens zu vermitteln.

Treffen im Schloss Bellevue

Wenig später wurde der 43-Jährige von Steinmeier im Schloss Bellevue empfangen. Im Laufe des Tages ist auch ein Gespräch mit Kanzler Friedrich Merz geplant. Zudem soll al-Sharaa an einem runden Tisch mit Unternehmern teilnehmen.

Im Zentrum der politischen Gespräche stehen die Zukunft Syriens, der Wiederaufbau des vom Bürgerkrieg zerstörten Landes und die Frage, unter welchen Bedingungen syrische Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren könnten.

Der ursprünglich schon für Jänner geplante Besuch wird von mehreren Demonstrationen begleitet. Insgesamt sind laut Berichten rund 5.000 Teilnehmer angemeldet.

Zweifel an al-Sharaas Kurs

Al-Sharaa bleibt eine hochumstrittene Figur. Unter seinem früheren Kampfnamen al-Dscholani war er als Anführer der al-Nusra-Front bekannt, des syrischen Ablegers von al-Kaida.

Die USA hatten in der Vergangenheit ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt. Heute gibt er sich staatsmännisch und bemüht sich um Annäherung an den Westen.

An seiner Vergangenheit und an der Entwicklung in Syrien bestehen jedoch massive Zweifel. Zwar verspricht der Übergangspräsident nach dem Sturz von Bashar al-Assad Ende 2024 Einheit und Stabilität. Gleichzeitig gibt es Berichte über schwere Übergriffe auf Minderheiten, darunter Drusen, Kurden und Christen.