St. Pölten erlebt einen Wahlabend, der lange nachhallen wird. Die SPÖ bleibt zwar stärkste Kraft, verliert aber ihre seit Jahrzehnten zementierte Alleinherrschaft – und das deutlich. Fast 15 Prozentpunkte gehen verloren, die absolute Mehrheit ist Geschichte. Von diesem Absturz profitiert vor allem die FPÖ, die ihren Stimmenanteil mehr als verdoppelt und sich als treibende Kraft des politischen Umbruchs präsentiert. Das Machtgefüge der Landeshauptstadt ist neu geordnet – und offener denn je.

Rote Verluste beenden jahrzehntelange Dominanz

Das Ergebnis ist historisch: Mit nur noch 42,5 Prozent rutscht die SPÖ bei der Gemeinderatswahl 2026 erstmals seit 1965 unter die 50-Prozent-Marke. Damit endet eine Ära, die St. Pölten seit 1965 geprägt hat. Fast 61 Jahre lang regierten die Sozialdemokraten mit absoluter Mehrheit – damit ist nun Schluss.

Bürgermeister Matthias Stadler sprach trotz der Verluste von einem Wahlerfolg. „Die St. Pöltnerinnen und St. Pöltner haben uns erneut zur stärksten Kraft in der niederösterreichischen Hauptstadt gemacht. Wenn die Verluste auch schmerzen“, erklärte er. Zugleich betonte Stadler, die SPÖ habe als stärkste Kraft mehr Zustimmung erhalten als die zweit- und drittplatzierten Parteien gemeinsam. Unbestritten bleibt jedoch: Der Machtanspruch der SPÖ ist erstmals seit Jahrzehnten ernsthaft erschüttert.

FPÖ als klarer Gewinner – Signal gegen das „rote System“

Der eigentliche Star des Wahlabends ist die FPÖ. Mit Spitzenkandidat Martin Antauer steigern die Freiheitlichen ihr Ergebnis auf 19,8 Prozent und verdoppeln damit ihren bisherigen Stimmenanteil. Es ist das beste Ergebnis der Partei in St. Pölten und ein deutliches Signal des Protests gegen die bisherige Stadtpolitik.

„Die St. Pöltner Wähler haben heute gezeigt, dass sie dieses rote System satt haben“, erklärte Antauer selbstbewusst. Nun sei es Zeit für einen politischen Neuanfang in der niederösterreichischen Landeshauptstadt. Zeitweise lag die FPÖ sogar vor der ÖVP, was das Ausmaß der Verschiebung im Wählerverhalten unterstreicht.

ÖVP hält Platz zwei, Grüne und KPÖ legen zu

Mit 21,4 Prozent rettete sich die ÖVP am Ende knapp auf Platz zwei. Spitzenkandidat Florian Krumböck sprach von einem „roten Erdbeben“, das „eine blaue Welle“ ausgelöst habe, und davon, dass sich die ÖVP diesem Trend entgegengestellt habe. Der Vorsprung auf die FPÖ beträgt allerdings nur ein Mandat.

Auch die Grünen können zulegen. Mit 9,7 Prozent holten sie ein zusätzliches Mandat und kommen nun auf vier Sitze. Spitzenkandidat Walter Heimerl-Lesnik zeigte sich zufrieden mit der Anerkennung für die konstruktive Oppositionsarbeit seiner Partei.

Für eine Überraschung sorgte zudem die KPÖ: Erstmals seit 40 Jahren zieht sie wieder in den Gemeinderat ein. Mit 3,8 Prozent überholte sie sogar die NEOS. „Die Sensation ist gelungen: Die KPÖ zieht in den Gemeinderat von St. Pölten ein”, jubelte Spitzenkandidat Max Zirngast. Die NEOS selbst schafften mit 2,7 Prozent knapp den Einzug und bleiben mit einem Mandat vertreten.

Machtpoker beginnt – Anspruch der SPÖ unter Druck

Mit 59,1 Prozent lag die Wahlbeteiligung nur leicht über dem historischen Tief der letzten Wahl. Politisch beginnt nun jedoch eine entscheidende Phase. Bürgermeister Stadler kündigte Gespräche mit allen Parteien an und bekräftigte den Anspruch der SPÖ, die Stadt auch weiterhin zu regieren.

Doch das Wahlergebnis hat die Karten neu gemischt. Die FPÖ signalisiert Bereitschaft zur Verantwortung, die ÖVP sieht sich als Wächterin des Wählervotums und die kleineren Parteien positionieren sich klar. Fest steht: Die Zeiten der roten Alleinregierung sind vorbei – und der Wahlerfolg der Freiheitlichen hat diesen Umbruch maßgeblich beschleunigt.