Frankreich altert: Macron startet Brief-Aktion
Frankreichs Geburtenrate sinkt – nun greift Präsident Emmanuel Macron zu einem ungewöhnlichen Mittel. Alle 29-Jährigen sollen einen Brief erhalten, der zur Auseinandersetzung mit der Familienplanung auffordert.
Frankreich galt lange als demografische Ausnahme in Europa. Während in vielen EU-Staaten die Geburtenraten seit Jahrzehnten sinken, hielt sich Frankreich vergleichsweise stabil. Doch diese Phase scheint vorbei.
Noch 2010 lag die zusammengefasste Geburtenziffer bei 2,02 Kindern je Frau. Für 2025 wird eine Geburtenziffer von 1,56 Kindern je Frau ausgewiesen – klar unter dem Bestandserhaltungsniveau.
Besonders alarmierend: Erstmals seit Langem wurden im vergangenen Jahr mehr Todesfälle (651.000) als Geburten (645.000) registriert. Das geht aus Daten der französischen Statistikbehörde Insee hervor. Gleichzeitig altert die Gesellschaft spürbar – die Zahl der über 65-Jährigen übersteigt mittlerweile jene der unter 20-Jährigen. Innerhalb von gut zehn Jahren ist die Zahl der Neugeborenen um fast ein Viertel zurückgegangen.
Macron reagiert mit Brief-Aktion
Präsident Emmanuel Macron hatte bereits 2024 eine „biologische Wiederaufrüstung“ angekündigt. Nun folgt der nächste Schritt.
Bis zum Sommer sollen alle 29-Jährigen in Frankreich ein persönliches Schreiben erhalten. Laut dem Sender France Info beginnt der Brief mit der Aufforderung, sich zu fragen, ob man ein Kind haben wolle oder nicht.
Gesundheitsministerin Stéphanie Rist betont, das Schreiben enthalte sachliche und wissenschaftlich fundierte Informationen zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit.
16-Punkte-Plan gegen Unfruchtbarkeit
Im Mittelpunkt steht ein kürzlich vorgestellter 16-Punkte-Plan des Gesundheitsministeriums. Ziel ist es, gegen die zunehmende Unfruchtbarkeit vorzugehen. Rund 3,3 Millionen Menschen – jedes achte Paar – seien davon betroffen.
Ein zentrales Element: Die Zahl der Zentren für das Einfrieren von Eizellen soll landesweit von 40 auf 70 steigen. Zudem sollen Frauen zwischen 29 und 37 Jahren die Kosten für das sogenannte Social Freezing künftig vom Staat erstattet bekommen.
Die Regierung setzt damit vor allem auf medizinische Maßnahmen – und auf frühzeitige Information.
Kritik an reiner Medizin-Strategie
Doch es gibt auch Skepsis. Fachleute bezweifeln, dass rein medizinische Maßnahmen ausreichen, um den Geburtenrückgang nachhaltig zu stoppen. Frauenverbände fordern stattdessen eine Verlängerung des bezahlten Mutterschaftsurlaubs um zehn Wochen. Allerdings fehlen dafür derzeit die finanziellen Spielräume.
Auch direkte Geburtenanreize gelten laut Experten als wenig wirksam. Programme in Ländern wie Südkorea oder China zeigen nur begrenzte Effekte. Frankreich verliert damit seine frühere Sonderrolle innerhalb Europas. Der demografische Wandel ist messbar – weniger Geburten, mehr Todesfälle, eine alternde Bevölkerung.
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