Frankreich-Wahl: Le Pens Partei triumphiert – und bringt Großstädte ins Wanken
Polit-Edbeben in Frankreich: Beim ersten Wahlgang der Kommunalwahlen hat das rechtsnationale Lager um Marine Le Pen massive Zugewinne erzielt. In mehreren Städten liegt der Rassemblement National vorne – sogar in Marseille und Toulon. Doch die Entscheidung fällt erst am kommenden Sonntag.
RN-Chefin Marine Le Pen (links) bei einem Wahlkampfauftritt in La Flèche gemeinsam mit ihrer Schwester Marie-Caroline Le Pen.APA/AFP/Damien MEYER
Der deutlichste Erfolg gelang dem Rassemblement National (RN) in Perpignan: Bürgermeister Louis Aliot wurde bereits im ersten Wahlgang mit 50,6 Prozent wiedergewählt und sicherte seiner Liste 43 von 55 Sitzen.
Auch in klassischen RN-Hochburgen fielen die Ergebnisse spektakulär aus:
Hénin-Beaumont: Steeve Briois – 77,7 Prozent
Bruay-la-Buissière: Ludovic Pajot – 81,4 Prozent
Beaucaire: Nelson Chaudon – 60,4 Prozent
Diese Zahlen zeigen: Das RN ist in vielen Kommunen längst fest verankert. Auch Fréjus bleibt rechtsnational: Bürgermeister David Rachline gewann bereits im ersten Wahlgang mit 51,3 %.
Sensation in Großstädten möglich
Besonders brisant: In mehreren Großstädten liegt das RN sehr stark. Mehrere RN-Kandidaten erzielten Überraschungssiege.
Toulon: Laure Lavalette führt mit 42 Prozent deutlich vor der Konkurrenz.
Marseille: Franck Allisio kommt auf 35 Prozent – nur knapp hinter dem sozialistischen Bürgermeister Benoît Payan (36,7 Prozent).
Nîmes: RN-Kandidat Julien Sanchez liegt mit 30,4 Prozent praktisch gleichauf mit der linken Liste.
Auch in Nizza führt ein RN-Verbündeter: Ex-Konservativer Éric Ciotti erreicht 43,4 Prozent und lässt Amtsinhaber Christian Estrosi deutlich hinter sich.
Analysen gehen davon aus, dass RN-Listen oder Verbündete bereits in mindestens 75 Gemeinden vorne liegen.
Doch der urbane Durchbruch bleibt begrenzt
In mehreren großen Städten blieb das RN dagegen schwach:
Lyon: rund 7 Prozent
Toulouse: etwa 5 Prozent
Nantes: 4,6 Prozent
Straßburg: 7 Prozent
Ein Sonderfall ist Paris: Dort spielt das RN kaum eine Rolle. Überraschend stark schnitt jedoch Sarah Knafo von Éric Zemmours Partei Reconquête mit 10,4 Prozent ab.
Linke hält wichtige Bastionen
Die Linke konnte mehrere große Städte verteidigen.
Paris: Sozialist Emmanuel Grégoire führt mit 38 Prozent klar vor Rachida Dati (25 Prozent).
Nantes: Bürgermeisterin Johanna Rolland liegt vorne.
Bordeaux: Grüner Amtsinhaber Pierre Hurmic bleibt knapp auf Platz eins.
Gleichzeitig erzielte die radikale Linke La France Insoumise (LFI) überraschend starke Ergebnisse. In Saint-Denis gewann LFI bereits im ersten Wahlgang mit 50,8 Prozent, in Roubaix liegt ihr Kandidat klar vorne.
Grüne verlieren Schwung – Macron-Lager schwach
Die Grünen, die 2020 mehrere Großstädte gewonnen hatten, verlieren sichtbar an Dynamik. In Straßburg etwa wurde die grüne Bürgermeisterin auf Platz drei verdrängt. Auch Macrons Lager bleibt lokal schwach – mit einer Ausnahme: In Le Havre liegt Ex-Premier Édouard Philippe mit 43,8 Prozent klar vorne.
Politisches Chaos vor Stichwahl
Die Ergebnisse lösten sofort hektische Bündnisgespräche aus. RN-Chef Jordan Bardella sprach von einer „immensen Erwartung“ und rief konservative Parteien zur Zusammenarbeit gegen die Linke auf.
Die Linke wiederum versucht vielerorts, PS und LFI zu gemeinsamen Listen zu vereinen. Doch das gelingt nicht überall: In Marseille etwa lehnt der sozialistische Bürgermeister eine Allianz mit Mélenchons Partei ab.
Auch auf der rechten Seite wird taktisch manövriert. In Nizza forderte Bürgermeister Estrosi die Linke auf, ihn zu unterstützen, um Ciotti zu stoppen.
Frankreich vor entscheidender Stichwahl
Der erste Wahlgang zeigt vor allem eines: Das RN baut seine kommunale Macht weiter aus und steht in mehreren Großstädten vor historischen Durchbrüchen. Doch gleichzeitig bleibt Frankreich politisch tief gespalten.
Ob das rechtsnationale Lager tatsächlich neue Großstädte erobert – oder ob sich eine breite Allianz gegen Le Pens Partei formiert – entscheidet sich am 22. März. Die Stichwahl könnte bereits ein Vorgeschmack auf die Präsidentschaftswahl 2027 werden.
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