Für Ludwig spielt Scharia in Wien „keine Rolle“
Während in mehreren europäischen Ländern über Paralleljustiz und religiöse Normen diskutiert wird, zeigt sich Wiens Bürgermeister Michael Ludwig bemerkenswert entspannt: Für ihn spielt die Scharia in Wien „keine Rolle“.
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) weist die Forderung nach einem Scharia-Verbot entschieden zurück. Im Interview mit dem Standard erklärt er, für Wien bestehe keinerlei Problem. Wörtlich sagt Ludwig:
„Bei uns in Wien spielt die Scharia keine Rolle.“
Damit stellt sich der Bürgermeister klar gegen die Pläne der ÖVP, die ein ausdrückliches Verbot der Scharia im österreichischen Recht verankern will. Für Ludwig ist das Thema offenbar erledigt – ebenso wie ein Burka-Verbot im Landesdienst. Auch dazu erklärt er:
„Genauso wenig wie ein Burka-Verbot im Landesdienst. Wir haben keine Mitarbeiterinnen, die Burka tragen.“
Integrationsprobleme und Parallelgesellschaften
Die Aussagen fallen in einer Zeit, in der Wien immer wieder mit Integrationsproblemen, Parallelgesellschaften und religiösem Extremismus konfrontiert wird. Doch Ludwig bleibt bei seiner Linie: Kein Bedarf für zusätzliche gesetzliche Maßnahmen, kein Handlungsdruck auf Landesebene.
Statt über religiöse Parallelstrukturen spricht der Bürgermeister lieber über internationale Politik. Er warnt vor geopolitischen Machtverschiebungen und erklärt:
„Man kann sich nicht mehr ausschließlich auf die USA verlassen.“
Europa müsse eigenständiger werden – auch militärisch und industriell. „Putin und Trump wollen sich Europa aufteilen“, sagt Ludwig und plädiert für mehr europäische Eigenständigkeit, auch in der Rüstungsindustrie.
Problem existiert nicht
Innenpolitisch zeigt sich Ludwig ebenfalls defensiv. Steigende Gebühren, teurere Öffis und Budgetprobleme relativiert er, verweist auf internationale Vergleiche und betont, Wien trage finanzielle Lasten für ganz Österreich. Klare Selbstkritik bleibt aus.
Beim Thema Scharia allerdings ist seine Position eindeutig – und dürfte für Kritik sorgen: Während andere Parteien Handlungsbedarf sehen, erklärt Wiens Bürgermeister schlicht, das Problem existiere nicht.
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