Drei junge Männer kassieren bedingte Haftstrafen, weil sie im Juli 2024 als Teil des „Schwarzen Blocks“ versucht haben, eine polizeiliche Sperrkette zu durchbrechen und eine Kundgebung der Identitären zu stören. In den Prozessberichten wird ausführlich über „Widerstand gegen die Staatsgewalt“, Vermummung, Würfe von Gegenständen und Chaos-Szenen gesprochen – doch ein Wort fällt nie: „linksextrem“.

Keine gleiche Kategorisierung bei Linken

Stattdessen setzen ORF, Standard, APA und Puls24 auf ein klares Framing: Die Identitären werden konsequent als „rechtsextrem“ eingeordnet – teils mit direktem Verweis auf die Einstufung durch den Verfassungsschutz („gesichert rechtsextrem“).

Die Täter bleiben sprachlich „neutral“. „Linksextremismus“ kommt nicht vor, in manchen Berichten nicht mal der Begriff „links“. Vom „Schwarzen Block“, „Autonomen“ und „Gegendemonstranten“ ist die Rede, doch selbst bei gezielten Gewalttaten und Störungen bleibt der ideologische Begriff ungenutzt. In einzelnen Berichten wird höchstens der Staatsanwalt zitiert, der von „Nazis jagen“ auf der „linken Seite des politischen Spektrums“ spricht – aber auch hier bleibt die ideologische Zuschreibung aus.

Ideologie nur bei Rechten, nicht bei Linken bleibt sie unsichtbar

Das zeigt sich auch in den ORF-Berichten rund um den Demo-Tag: Die rechtsextremen Identitären werden klar eingeordnet, während den Gegendemonstranten ein „Marsch antifaschistischer Gruppen“ gegenübergestellt wird. Gewalt wird als Verhalten beschrieben („Vermummte warfen Steine“), aber nicht als Extremismus.

Die Asymmetrie ist offensichtlich: Rechte Gruppen erhalten die ideologische Etikette „Rechtsextremismus“, während linke Gewalt oft einfach als „Protest“ oder „Gegendemonstration“ abgetan wird. Außerirdische müssten glauben: Linksextremismus existiert nicht.

Das sagt der Verfassungsschutz über Linksextremismus

Der Verfassungsschutz widerspricht. „Auch im Linksextremismus stiegen die Zahlen an – mit 214 Tathandlungen im Vergleich zum Vorjahr um 120 Prozent“, heißt es im Bericht für das Jahr 2024. „Dabei wurden insbesondere Körperverletzungen und Sachbeschädigungen dokumentiert. Ziel waren vielfach politische Gegnerinnen und Gegner sowie öffentliche Einrichtungen.“