Gastpatienten-Streit: NÖ zerlegt Hackers Zahlenwerk
Im Streit um Gastpatienten greift Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) zu brisanten Zahlen, doch Niederösterreich widerspricht vehement. Die Vorwürfe reichen von „nicht bestätigbar“ bis „geschummelt“. Damit eskaliert der Konflikt zwischen Wien und St. Pölten weiter.
Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker steht wegen seiner Zahlen im Gastpatienten-Streit massiv in der Kritik.APA/EVA MANHART
Der Ton im Streit um Gastpatienten zwischen Wien und Niederösterreich wird rauer. Während Peter Hacker die Situation so darstellt, als verlasse sich Niederösterreich „in einem extrem hohen Ausmaß“ auf Wiener Spitäler, halten Experten in St. Pölten dagegen und widerlegen die präsentierten Zahlen Punkt für Punkt, so berichtete die Krone. Die zentrale Frage lautet: Stimmt das Datenmaterial aus dem Wiener Rathaus – oder wird hier politischer Druck aufgebaut?
Intensiv, Babys, Strahlentherapie: Zahlen klaffen auseinander
„Diese Zahlen können nicht bestätigt werden“, heißt es aus dem Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS), der für die Finanzierung des Spitalswesens zuständig ist.
Hacker hatte behauptet, dass nur 59 Prozent der Intensivbehandlungen von Niederösterreichern im eigenen Bundesland erfolgen würden. Der NÖGUS nennt hingegen 72 Prozent. Noch deutlicher wird die Differenz bei Säuglingen in intensivmedizinischer Betreuung: Während Hacker 54 Prozent der Fälle in Wiener Spitälern sieht, sind es laut dem NÖGUS lediglich 34 Prozent. Am größten ist die Kluft bei Strahlentherapien. Laut Hacker würden sich 35 Prozent der Niederösterreicher dafür nach Wien begeben. In St. Pölten beziffert man den Anteil hingegen mit 18,8 Prozent.
AKH-Finanzierung: „Geschummelt“
Für zusätzlichen Zündstoff sorgt die Einstufung des AKH. Wenn Hacker Behandlungen dort pauschal als „Wiener Leistungen“ bezeichnen, sei das ebenfalls „geschummelt“, heißt es aus Niederösterreich. „Denn das AKH wird in erheblichem Ausmaß durch den Bund finanziert.“
Damit würden, so der Vorwurf, Finanzierungs- und Verantwortungsstrukturen verzerrt dargestellt. Zudem lässt Hacker gerne unerwähnt, dass die Behandlung von Gastpatienten im Finanzausgleich geregelt ist – eine Vereinbarung, die noch bis Ende 2028 gilt und vom Wiener Bürgermeister unterzeichnet wurde.
Aus Niederösterreich heißt es dazu pointiert: „Wir fragen in Spitälern die Patienten jedenfalls nicht nach dem Meldezettel. Daran sollte sich Wien ein Beispiel nehmen!”
500 Millionen Euro und ein unterschriebener Pakt
Laut Niederösterreich zahlt das Bundesland 500 Millionen Euro für Gastpatienten an Wien, wie es im Finanzausgleich festgehalten ist. Ebenso fest steht: Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hat diese Vereinbarung unterschrieben.
Während Hacker poltert, wie man in Niederösterreich auf die Idee kommen könne, ihm „Befehle zu erteilen“, kontert Christoph Weisgram im Krone Kommentar scharf: „Tja, lieber Herr Stadtrat, wenn Sie selbst nicht wissen, was Sie zu tun haben, ist es höchste Zeit, dass es Ihnen jemand sagt!“
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