„Gefahr für Britannien“: Starmer warnt vor „extremen“ Grünen
Ein politischer Paukenschlag in Großbritannien: Die Grünen haben bei einer Nachwahl in einer sozialdemokratischen Labour-Hochburg nahe Manchester mit über 40 Prozent der Stimmen gewonnen. Für Premierminister Keir Starmer ist das mehr als nur eine lokale Niederlage – es ist ein Warnruf aus dem eigenen Stammland.
Besonders brisant ist, wie dieser Sieg zustande kam. Die Grünen setzten maßgeblich auf muslimische Unterstützung. Wie Apollo News berichtete, wurde auf Flugblättern auf Urdu – einer mit Hindi verwandten Sprache, die vor allem in Pakistan gesprochen wird – dazu aufgerufen, „die Labour Party für Gaza zu bestrafen“. Das Thema Nahost wird damit mitten in die britische Innenpolitik gezogen – mit unmittelbaren Folgen an der Wahlurne.
Starmer teilt aus: „Gefahr für Britannien“
Starmer reagiert ungewöhnlich scharf. In einem Brief an Labour-Abgeordnete warnt er vor der „extremen“ Grünen Partei. Sie sei eine „Gefahr für Britannien“.
Auch mit dem Image der Grünen räumt er ab. Sie seien keine „harmlosen Umweltschützer“ mehr, sondern stünden für das „Risiko eines extremen Programms“. Starmer zählt dazu die Legalisierung aller Drogen, den Rückzug aus der NATO und die Gefahr, dass progressive Stimmen zwischen mehreren Parteien zerrieben werden.
Damit setzt er auf eine klare Botschaft: Wer links wählt, soll nicht aus Protest „grün“ abbiegen – sonst profitieren am Ende andere.
Unruhe im progressiven Lager
Der Wahlsieg wirkt wie ein Katalysator für eine größere Verschiebung. Die Grünen sind in einigen nationalen Umfragen mit Labour und den Konservativen gleichgezogen. Starmer bekräftigt, „weiter kämpfen“ zu wollen – ein Rücktritt scheint trotz miserabler Umfragewerte keine Option.
Gleichzeitig steht im Raum, dass Labour-Abgeordnete den Blick Richtung Grüne werfen könnten. Genau davor scheint Starmer mit seinem Brief warnen zu wollen: Die Partei soll geschlossen bleiben, bevor aus einer Nachwahl-Niederlage ein Flächenbrand wird.
Worker’s Party als Steigbügel?
Zusätzlich verweist Starmer darauf, dass die Grünen auf Unterstützung der Worker’s Party gesetzt hätten. Diese wird programmatisch mit Sahra Wagenknechts BSW verglichen. Für Starmer ist das Teil des Problems: Nicht nur ein grünes Umweltprofil, sondern eine Gemengelage aus Protest, Identitätspolitik und radikaleren Forderungen könnte den Grünen neue Türen öffnen.
Das Wahlsystem kennt kein Mitleid
Besonders gefährlich wird das alles im britischen First-Past-the-Post-System. Dort gewinnt der Erstplatzierte den Sitz – alle anderen gehen leer aus. Wer als „verloren“ gilt, kann in wenigen Wahlgängen abstürzen, weil Wähler taktisch umschwenken.
Genau so implodierte die Liberale Partei Anfang des 20. Jahrhunderts: Innerhalb weniger Wahlen wurde sie von Labour verdrängt, das sich anschließend als große Volkspartei neben den Konservativen etablierte.
Heute droht ein ähnliches Szenario – diesmal für die etablierten Kräfte selbst.
Konservative unter Druck – von rechts
Während Labour links Konkurrenz bekommt, wackeln die Konservativen von rechts. In dieser Legislatur sind bereits mehrere prominente Tory-Abgeordnete zu Nigel Farages Partei Reform UK gewechselt. Reform UK schickt sich an, die Führung im rechten Lager zu übernehmen – und führt seit Monaten die Umfragen in Großbritannien an.
Das Ergebnis: Die traditionellen Machtachsen geraten gleichzeitig von zwei Seiten unter Druck. Links streiten Labour und Grüne um progressive Wähler, rechts zerlegt Reform UK das konservative Lager.
Und dann ist da noch Epstein
Als wäre die Lage nicht angespannt genug, kommt zusätzlicher Druck aus der Epstein-Affäre. Wegen Verbindungen in das Epstein-Milieu ist Starmers Stabschef zurückgetreten. Außerdem wurde der erst kürzlich abberufene US-Botschafter Peter Mandelson verhaftet. Er gilt als Vertrauter von Starmer.
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