Hammer: USA erklären Muslimbruderschaft zur Terrororganisation – Auftakt zum Verbot?
Die USA stufen mehrere Ableger der Muslimbruderschaft offiziell als Terrororganisationen ein. Washington spricht offen von Hamas-Unterstützung, Terrorlogistik sowie Raketen- und Drohnenbau. Beobachter werten den Schritt als Auftakt zu einem härteren Vorgehen gegen islamistische Aktivitäten in den USA. Argentinien geht in dieselbe Richtung.
Donald Trump verschärft den Kurs gegen Islamisten: Die Muslimbruderschaft rückt ins Visier.APA/AFP/ANDREW CABALLERO-REYNOLDS
Die Fassade ist friedlich, doch dahinter verbergen sich Terror, Waffen und Hamas-Finanzierung. Diesen Vorwurf erhebt die US-Regierung unter Donald Trump nun gegen die Muslimbruderschaft. Sie setzt einen politisch wie sicherheitspolitisch explosiven Schritt, der weit über Außenpolitik hinausgeht: Das US-Finanzministerium und das Außenministerium stufen mehrere Ableger der Muslimbruderschaft offiziell als Terrororganisationen ein. Betroffen sind die ägyptische, jordanische und libanesische Muslimbruderschaft – letztere inklusive ihres Generalsekretärs.
In Washington gilt die Entscheidung als Auftakt einer breiteren Strategie. Ziel ist es, nicht nur ausländische Strukturen zu treffen, sondern islamistische Netzwerke der Muslimbruderschaft insgesamt – auch mit Blick auf Aktivitäten in den USA – finanziell und rechtlich zu zerschlagen.
Auch Argentinien hat unter Präsident Javier Milei die Muslimbruderschaft-Ableger in Ägypten, Jordanien und im Libanon als terroristische Organisationen gelistet und den Schritt mit Berichten über illegale Aktivitäten begründet.
Begründung: Hamas-Unterstützung hinter NGO-Fassade
Die Begründung der US-Regierung: Die Muslimbruderschaft unterstütze materiell, finanziell und operativ die Hamas, tarne sich jedoch als politisch-religiöse Bewegung oder zivilgesellschaftliches Netzwerk. Tatsächlich fungiere sie als tragende Infrastruktur des internationalen islamistischen Terrorismus.
„Langjährige Terrororganisation – wir schneiden sie vom Geld ab“
US-Finanzminister Scott Bessent lässt keinen Zweifel: „Die Muslimbruderschaft hat eine langjährige Geschichte terroristischer Aktivitäten. Wir gehen aggressiv vor, um sie vom Finanzsystem abzuschneiden.“ Und weiter: „Diese Regierung wird den vollen Umfang ihrer Befugnisse nutzen, um terroristische Netzwerke zu zerschlagen, zu zerstören und zu besiegen – wo immer sie operieren.“
Die Maßnahmen sind Teil einer bereits im November 2025 gestarteten Trump-Strategie. US- und britische Medien berichten, dass der Schritt monatelang vorbereitet wurde – inklusive juristischer Prüfungen und enger Koordination der Sicherheitsbehörden.
Hamas als faktischer Ableger der Muslimbruderschaft
Die US-Regierung stellt ausdrücklich fest, dass die palästinensische Hamas faktisch ein Ableger der Muslimbruderschaft ist. Staatssekretär John K. Hurley erklärt: „Die Muslimbruderschaft hat Terrorgruppen wie Hamas inspiriert, genährt und finanziert.“ Und dann noch deutlicher: „Trotz ihrer friedlichen öffentlichen Fassade haben die ägyptischen und jordanischen Ableger aktiv Hamas-Terror unterstützt.“
Die Hamas, die in Teilen des Gazastreifens herrscht, wird in der EU und in den USA als Terrororganisation eingestuft. Am 7. Oktober 2023 verübten Hamas-Terroristen in Israel ein Massaker mit rund 1.200 Toten und entführten 251 Geiseln, das als schwerstes antisemitisches Massaker seit dem Holocaust gilt.
Terrorlogistik, Schleusung, Waffenbau
Die US-Behörden nennen konkrete Vorwürfe: In Ägypten soll die Muslimbruderschaft dabei geholfen haben, Kämpfer in den Gazastreifen zu schleusen, Reisen und Kontakte zu koordinieren und außerdem Pläne unterstützt haben, die ägyptische Regierung zu destabilisieren. Den jordanischen Muslimbrüdern wird vorgeworfen, trotz ihres Verbots weiterhin an der Herstellung von Raketen, Sprengstoff und Drohnen beteiligt zu sein – inklusive Rekrutierung und illegaler Geldbeschaffung.
Im Libanon trifft es den Ableger „al-Jamaa al-Islamiyah“ besonders hart: Er wird von den USA sowohl als ausländische Terrororganisation als auch als global agierende Terrororganisation eingestuft. Zusätzlich steht auch der Generalsekretär Muhammad Fawzi Taqqosh nun persönlich auf der US-Terrorliste.
Jetzt offiziell auf der Sanktionsliste – und Banken geraten ins Visier
Parallel dazu veröffentlichte das US-Finanzministerium ein offizielles Update seiner Sanktionsliste. Darin werden Taqqosh sowie die Muslimbruderschaft in Ägypten, Jordanien und im Libanon ausdrücklich als sanktionierte Organisationen bzw. Personen geführt – teils mit dem Hinweis, dass diese Strukturen mit der Hamas verbunden seien. Besonders brisant ist eine Warnung, die in den Einträgen auftaucht: Wer als ausländische Bank oder Geschäftspartner weiterhin mit den Gelisteten zusammenarbeitet, kann selbst ins Visier von US-Sanktionen geraten.
US-Regierung: Gewaltverzicht ist nur Tarnung
Die US-Regierung stellt außerdem klar, dass sie der Selbstdarstellung der Muslimbruderschaft als „friedliche Bewegung“ nicht glaubt. Im Gegenteil: Trotz des öffentlichen Anspruchs, Gewalt abzulehnen, würden ihre Ableger weiterhin Terror verherrlichen und fördern. Washington macht deutlich: Das sei erst der Anfang – weitere Schritte könnten folgen.
Nicht nur Geld: Auch Einreise und Aufenthalt können enden
Die Sanktionen haben weitreichende Folgen: Vermögenswerte werden in den USA eingefroren, Geschäfte mit den Gelisteten sind für Amerikaner verboten, und es drohen empfindliche Strafen – auch für indirekte Unterstützung. Zusätzlich können diese Einstufungen zu harten Konsequenzen im Migrationsbereich führen, etwa zu Einreiseverboten, dem Verlust von Aufenthaltsrechten oder Ausschlüssen aus Asylverfahren.
Europa wird wohl nachziehen – Österreich eher nicht
Einordnung: Die USA – ebenso wie Argentinien – senden damit ein klares Signal. Die Muslimbruderschaft wird nicht mehr als harmlose „Nichtregierungsorganisation“ behandelt, sondern als sicherheitsrelevante islamistische Struktur. In Europa könnten vergleichbare Schritte in den kommenden Jahren wahrscheinlicher werden – nicht jedoch in Österreich, wo Justiz und Strafverfolgung traditionell kein ernsthaftes Interesse an der konsequenten Verfolgung muslimbruderschaftlicher Aktivitäten gezeigt haben, trotz internationaler Warnungen und Vorbilder.
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