In „exxpress live“ wurde am Montag intensiv über die Landtagswahl in Baden-Württemberg und den SPÖ-Parteitag diskutiert. Mit dabei waren Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier und Autor Werner Reichel. Sie analysierten das Wahlergebnis in Deutschland und zogen gleichzeitig Parallelen zur Lage der österreichischen Sozialdemokratie.

Heinzlmaier: „Wählt man die CDU, bekommt man am Ende auch die Grünen“

Die Wahl in Baden-Württemberg endete mit einem überraschenden Ergebnis: Die Grünen wurden mit rund 30 Prozent stärkste Kraft, knapp vor der CDU. Die AfD konnte deutlich zulegen.

Für Bernhard Heinzlmaier zeigt das vor allem eines: eine politische Blockbildung. Seine pointierte Analyse lautet: „Egal, was man in Baden-Württemberg wählt – am Ende bekommt man immer die Grünen.“ Der Jugendforscher argumentiert, dass die CDU politisch längst ähnliche Positionen vertrete und deshalb kaum eine echte Alternative biete.

Auch Werner Reichel sieht das Wahlergebnis als Teil einer größeren politischen Entwicklung: Während CDU und AfD Stimmen gewinnen, verlieren klassische linke Parteien an Bedeutung. Besonders drastisch sei das bei der SPD zu beobachten, die nur knapp über der Fünf-Prozent-Hürde blieb. Reichel sieht darin einen strukturellen Wandel: „Die Sozialdemokratie hat ihre klassische Wählerschicht verloren.“ Vor allem Arbeiter und industrielle Beschäftigte würden zunehmend andere Parteien unterstützen.

SPÖ-Parteitag: Babler schafft die Hürde – doch die Zweifel bleiben

Auch der SPÖ-Parteitag war Thema der Sendung. Zwar wurde Parteichef Andreas Babler mit über 80 Prozent bestätigt, doch für Heinzlmaier ist das kein Grund zur Entwarnung. „Der Achter vorne war das Minimalziel – von Triumph kann keine Rede sein.“

Reichel sieht Babler vielmehr als Symbol einer strukturellen Krise der Partei. Die Sozialdemokratie verliere seit Jahren an Unterstützung und finde keine überzeugende Antwort auf zentrale Themen wie Migration oder wirtschaftliche Entwicklung. Er formulierte es noch schärfer: „Die SPÖ ist keine Arbeiterpartei mehr.“ Gerade Facharbeiter und industrielle Beschäftigte hätten sich längst anderen Parteien zugewandt.

Migration und Wirtschaft als ungelöste Kernfragen

Ein zentraler Kritikpunkt in der Diskussion ist, dass Babler zwar angekündigt hat, der FPÖ das Migrationsthema „wegnehmen“ zu wollen, aber kaum konkrete Lösungen präsentiert.

Für Heinzlmaier ist das ein strategisches Problem: „Er sagt, man will das Migrationsthema zurückholen, präsentiert aber keine einzige konkrete Lösung.“ Auch wirtschaftspolitisch zweifeln die Gäste an der Strategie der SPÖ. Forderungen nach neuen Steuern oder stärkeren staatlichen Eingriffen könnten laut Reichel sogar zusätzliche Wähler vertreiben.

Die Zukunft der Sozialdemokratie bleibt offen

Für beide Diskutanten steht fest: Der Parteitag verschafft Babler zwar Zeit, löst die grundlegenden Probleme aber nicht.

Heinzlmaier zieht ein ernüchterndes Fazit: „Die Partei schafft es aus sich selbst heraus kaum noch, neue Führungspersönlichkeiten zu entwickeln.“ Ob die SPÖ damit langfristig wieder stärker werden kann, bleibt offen. Laut den Gästen werden die kommenden Wahlen in den Bundesländern entscheidend sein.

Sie haben die Sendung verpasst? Kein Problem – hier geht’s zur ganzen Sendung:

https://www.bernhardheinzlmaier.atzVg/Bernhard Heinzlmaier