Nach außen hin versucht man Zusammenhalt zu demonstrieren, doch immer mehr Stimmen sprechen hinter vorgehaltener Hand von einem dringend notwenigen personellen Wechsel. Dass am Freitag ein Gegenkandidat für den SPÖ-Parteitag am 7. März aufgestellt werden soll, wird immer wahrscheinlicher. Angesichts der seit Monaten sinkenden Umfragen ist die Krise der Partei offensichtlicher denn je. Zuletzt stand man nur noch bei desaströsen 18 Prozent. Um parteiintern die Wogen zu glätten, versuchte man zuletzt durch inhaltliche Ansagen in Sachen Mehrwertsteuersenkung und Erbschaftssteuer zu punkten. Doch auch das misslang völlig. Gerade die lange versprochene Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel wurde für die SPÖ zum Bumerang.

Machtkampf in Rot: Babler unter Druck, Kern in Stellung

So darf es wohl kaum verwundern, dass vor allem auch parteiintern immer mehr kritische Stimmen eine Ablöse von Parteichef Andreas Babler fordern. In den letzten Wochen haben sich immer mehr Bundesländer für Christian Kern als möglichen Herausforderer ausgesprochen. Der exxpress berichtete. Dass ausgerechnet der große Wahlverlierer Kern plötzlich wieder als Option gehandelt wird, zeigt wie groß die Nervosität innerhalb der SPÖ angesichts der schlechten Werte ist.

Lercher hätte nichts gegen Kern

In der ORF-Sendung „Das Gespräch“ war am Sonntag Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim zu Gast und versuchte zu beschwichtigen. So groß sei der Spalt in der SPÖ gar nicht. Angesichts der zunehmenden Debatte um eine mögliche Gegenkandidatur wirkte diese Beschwichtigung allerdings wenig überzeugend. Parallel dazu erklärte Max Lercher, Chef der SPÖ Steiermark, erneut, er hätte nichts gegen eine Kandidatur von Kern.

Ludwigs Rolle im Machtpoker

Der bislang wichtigste interne Gegenspieler einer Kern-Kandidatur war bis dato Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. Ob das weiterhin gilt, dürfte sich am Freitag im Rahmen des Parteipräsidiums zeigen.

Sollte es tatsächlich zu einem Gegenkandidaten kommen, würde dies nicht nur ein Beben innerhalb der Partei auslösen, sondern auch die Regierung und die Koalition mit ÖVP und NEOS in eine neue schwierige Phase stürzen. Ein neuer Vorsitzender müsste beweisen, dass er – anders als Babler – mehr Inhalte der Sozialdemokratie innerhalb der Koalition vorantreiben kann. Dass das die ohnehin schon nach Einigkeit suchende Regierung weiter belasten würde, liegt auf der Hand.