Holocaust-Museum kritisiert Anne-Frank-Vergleich von US-Gouverneur Tim Walz
Das Holocaust-Museum in Washington hat den demokratischen Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, scharf für einen historischen Vergleich kritisiert. Anlass waren Äußerungen des Politikers im Zusammenhang mit Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE.
Walz hatte Präsident Donald Trump aufgefordert, die Beamten aus Minnesota abzuziehen, nachdem es bei einem Einsatz zu einem tödlichen Schuss gekommen war. Dabei sprach er davon, dass Kinder aus Angst nicht mehr aus dem Haus gingen und sich versteckten – eine Situation, die er indirekt mit der Geschichte Anne Franks in Verbindung brachte.
Walz: ICE „moderne Gestapo“
Diese Wortwahl rief deutlichen Widerspruch hervor. In einer öffentlichen Stellungnahme betonte das Holocaust-Museum, Anne Frank sei allein aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt und schließlich ermordet worden. Ihre Geschichte für aktuelle politische Debatten heranzuziehen, überschreite eine klare Grenze. Solche Vergleiche seien unzulässig und stellten eine problematische Instrumentalisierung des Holocaust dar, hieß es. Auch wenn Walz nicht namentlich genannt wurde, war der Bezug eindeutig.
Besonders scharf fiel die Kritik vor dem Hintergrund steigender antisemitischer Tendenzen aus. Gerade in einer Zeit wachsender Spannungen sei es „zutiefst beleidigend“, den Holocaust als rhetorisches Mittel zu nutzen. Anne Frank lebte mit ihrer Familie im besetzten Amsterdam im Versteck, wurde 1944 entdeckt und deportiert. Sie starb mit nur 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihr Tagebuch gilt bis heute als zentrales Dokument der NS-Verfolgung.
Es ist nicht das erste Mal, dass Walz mit drastischen historischen Analogien auffällt. Bereits zuvor hatte er ICE als „moderne Gestapo“ bezeichnet. Auch andere demokratische Politiker griffen zu ähnlichen Vergleichen. Das Holocaust-Museum stellte jedoch klar: Solche Analogien tragen nicht zur politischen Debatte bei, sondern verharmlosen die Verbrechen des Nationalsozialismus.
Anne Frank was targeted and murdered solely because she was Jewish. Leaders making false equivalencies to her experience for political purposes is never acceptable. Despite tensions in Minneapolis, exploiting the Holocaust is deeply offensive, especially as antisemitism surges. pic.twitter.com/VVg0Uy7kjR
— US Holocaust Museum (@HolocaustMuseum) January 26, 2026
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