Vergangene Woche spielten sich im Wiener Rathaus Szenen ab, die für Lacher sorgen. Doch der Reihe nach: Bei der Gemeinderatssitzung am 23. Juni tagte unter anderem die „Geschäftsgruppe Kultur und Wissenschaft“. Ein Thema waren die Kunst- und Kulturförderungen der Stadt Wien, die vor allem von der FPÖ stark kritisiert wurden. Konkret ging es auch um das „Porn Film Festival Vienna”, dass das Kulturresort von Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) mit 25.000 Euro Steuergeldern unterstütze. Das Festival brachte an fünf Tagen im April viel nackte Haut auf verschiedene Kinoleinwände in ganz Wien. (der exxpress

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Pornografie sei „wichtiges gesellschaftspolitisches Thema"

Der erste Vorsitzende des Wiener Gemeinderats, Thomas Reindl (SPÖ), verteidigte in seiner Rede im Rathaus das Porno-Festival – und leitete den Teil über die Schmuddel-Filmchen mit einer Binsenweisheit an: „Porno und Pornografie ist ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema“. Pornografie sei noch nicht lange Teil der Forschung. Diese habe Vorurteile abgebaut, die durch Kirche und Herrschende in der Gesellschaft verbreitet wurden.

Venus von Willendorf wird zur Sprache gebracht

Dann wird Reindl geschichtlich: Er zeigt auf, wie alt pornografische Darstellungen in der Menschheitsgeschichte tatsächlich sind – und bezeichnet die berühmte und ungefähr 30.000 Jahre alte Venus von Willendorf als „Porno-Darstellung“.

Sogar „Therapeut“ findet Einzug

Nach seiner Aufzählung fährt er fort: „Sich lustig zu machen über Pornografie ist das eine, aber das andere ist, welche Bedeutung Pornografie für die Gesellschaft hat. Jeder, der das abstreitet, sollte vielleicht einen Therapeuten aufsuchen“. Diese Aussage sorgte für Gelächter im Kulturausschuss.

Doch es kommt noch besser: Reindl stellt daraufhin fest: „Ich bin nicht betrunken!“ – und forderte einen Ordnungsruf für den „Herrn Kollegen Mahdalik“. Der Wiener FPÖ-Abgeordnete Anton Mahdalik hat dem SPÖ-Genossen wohl unterstellt, angetrunken zu sein – was in der Video-Aufzeichnung der Sitzung allerdings nicht hörbar ist.

Reindls Argument: Pornos seien wichtig für die Reproduktionsmedizin

Nach dem kurzen Zwischenfall meint Reindl noch, dass die Pornografie für die Reproduktionsmedizin eine wichtige Rolle spiele – und verweist auf den Dänemark-Pavillion bei der Biennale in Venedig. Die dänischen Künstler hatten dort eine Austellung unter dem Titel „Things to come“ (deutsch: „Dinge, die eintreffen werden“).

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Das Projekt fragt, ob Pornografie die menschliche Spezies womöglich retten könnte. Als Antwort auf die sinkende Spermienqualität bringt die dänische Ausstellung Samenbanken ins Spiel, die Nachwuchs über Spendersamen sichern. Und genau hier kommt die Pornografie ins Spiel: Eine Samenspende funktioniert praktisch nur mit sexueller Erregung, meist durch pornografisches Bildmaterial, das die Samenbanken bereitstellen. Zugespitzt heißt das: Ohne das erregende Bild keine Spende, ohne Spende keine Samenbank – und damit kein Gegenmittel gegen die Fruchtbarkeitskrise.

SPÖler will weiter fördern

Reindl schließt seine Rede mit den Worten: Das Porno-Festival sei „eine wichtige Förderung, eine gute Förderung und wir werden sie auch weiter fördern“.

„Das war wirklich sehr schwach, Herr Kollege!"

Wiener FPÖler Leo Lugner kritisiert in seiner anschließenden Rede Andreas Babler, den „Parteiobmann, der irgendwelche Brunzbecken eröffnet und auf einem ganz niedrigen Niveau unterwegs ist“.  Hier spielt er auf das Urin-Becken an, das zur Biennale-Ausstellung der österreichischen Skandal-Künstlerin Florentina Holzinger gehörte. Die gesamte Show wurde mit 600.000 Euro Steuergeldern gefördert.

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Das „niedrige Niveau“ Bablers sei „jetzt auch hier offensichtlich bei den Vorsitzenden im Gemeinderat angekommen, die die pornografische Darstellung von Frauen als förderungswürdig erachtet“, kontert Lugner. Und fährt fort: „Das war wirklich sehr schwach, Herr Kollege!“.

Dann kritisiert der Wiener Gemeinderatsabgeordnete, dass Kunst- und Kulturförderungen in Wien fast ausschließlich an SPÖ-nahe Vereine und Personen verteilt werden.