Die Probleme an Wiens Schulen sind längst kein Randthema mehr. 41,2 Prozent der Schüler in öffentlichen Lehranstalten haben ein islamisches Religionsbekenntnis, gleichzeitig können 50,9 Prozent der Schulanfänger so schlecht Deutsch, dass sie dem Unterricht nicht folgen können. Die Frage nach Ursachen und Verantwortung drängt sich auf – doch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig setzt andere Schwerpunkte.

Auf die Frage, wie Wien in 20 Jahren aussehen werde, verweist Ludwig zwar, im Krone-Interview, auf politische Maßnahmen wie „die Beschränkung des Familienzuzugs“, relativiert die Entwicklung jedoch umgehend. Der steigende Anteil muslimischer Schüler liege auch daran, „dass es weniger katholische gibt“. Und weiter: „Daher lautet die Frage, inwieweit es Kirchen gelingt, Mitglieder anzusprechen.“

Blick auf die Kirchen

Statt Migration als Hauptursache zu benennen, lenkt Ludwig den Blick damit auf die Kirchen. Auf die Nachfrage, ob diese sich also mehr bemühen müssten, sagt er: „Das ist generell der Anspruch von Einrichtungen wie Kirchen.“ Die demografische Entwicklung bewertet der Bürgermeister grundsätzlich positiv. Zur höheren Geburtenrate erklärt er: „Ich freue mich über jedes Kind, das in unserer Stadt geboren wird.“ Wien sei heute das jüngste Bundesland Österreichs.

Kritiker dürften darin jedoch eine Ausweichbewegung sehen. Denn die Sprachprobleme an den Schulen bestehen unabhängig von kirchlicher Mitgliederwerbung. Dennoch betont Ludwig sein gutes Verhältnis zur katholischen Kirche: „Ich bin im besten Einvernehmen mit Kardinal Schönborn.“

Eine klare politische Verantwortung für die Integrationsprobleme will Ludwig daraus nicht ableiten. Stattdessen bleibt es bei Appellen, Hoffnung – und einem Seitenhieb auf Institutionen außerhalb der Stadtpolitik.