Iran bebt: Der Ober-Mullah zittert und sucht die Flucht nach Moskau
Auf den Straßen wird geschrien, im Machtzentrum wird gerechnet. In Iran brodelt es seit Tagen. Menschen gehen auf die Straße und rufen „Tod dem Diktator!“ – ein Satz, der in der Islamischen Republik besonders gefährlich ist. Gemeint ist der „Oberste Führer“ Ayatollah Ali Chamenei (86).
Nach außen inszeniert sich Chamenei als unerschütterlich. Am Samstag trat er in Teheran öffentlich auf. Die Botschaft: Der Staat steht, die Sicherheitskräfte sind da, die Kontrolle bleibt. Doch parallel dazu häufen sich Berichte über Nervosität in den Eliten – und über einen Plan B, der nur für den Fall gedacht ist, dass die Lage kippt.
Harte Hand gegen die Straße
Der Sicherheitsapparat geht gegen die Proteste vor. Die Lage ist angespannt, die Bilder aus dem Land zeigen ein Iran, in dem jede Demonstration zum Risiko wird. Nach Angaben aus Oppositionsmedien sind bislang mindestens 17 Menschen getötet worden – 16 davon sollen Angehörige der kurdischen Minderheit sein.
Für das Regime ist das die klassische Antwort auf Widerstand: Härte zeigen, einschüchtern, brechen. Für die Protestierenden ist es der Preis, den sie zahlen, wenn sie überhaupt sichtbar werden – und wenn sie den Namen dessen aussprechen, der in Iran kaum kritisiert werden darf.
Krisenplan: Flucht nach Moskau?
Genau in diesem Klima kommt eine brisante Information: Die britische Zeitung The Times berichtete, Chamenei habe einen Krisenplan ausarbeiten lassen – mit dem Szenario, bei einer Eskalation der Unruhen aus dem Land zu fliehen.
Das Ziel, das im Bericht genannt wird: Moskau.
Die Wahl wäre aus Sicht Teherans naheliegend. Russlands Präsident Wladimir Putin (73) gilt als einer der letzten großen Verbündeten der Islamischen Republik. In der Region wird Iran dagegen als isoliert beschrieben – und seit dem Krieg gegen Israel im vergangenen Jahr auch militärisch geschwächt.
Juni-Schock: Der Mythos der Unverwundbarkeit bröckelt
Ein Schlüsselereignis sitzt dem Regime noch in den Knochen: Im Juni traf es Iran in einer Wucht, die das Selbstbild der Führung erschütterte. Innerhalb von zwölf Tagen wurden die wichtigsten Köpfe der Revolutionsgarden eliminiert, die Luftabwehr bis nach Teheran komplett ausgeschaltet und das ballistische Raketenprogramm stark beschädigt. Gleichzeitig wurde demonstriert, wie leicht der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad im Iran operieren kann.
Und dann folgte der nächste Schlag: Die USA setzten mit dem Bombardement der unterirdischen Atomanlagen nach.
Das Ergebnis: ein Regime, das sich jahrzehntelang als unangreifbar präsentierte, aber plötzlich verwundbar wirkt – innen wie außen.
Chamenei: „Schwächer – sowohl geistig als auch körperlich“
Auch die Person an der Spitze steht im Fokus. Chamenei wird als „schwächer – sowohl geistig als auch körperlich“ beschrieben. Diese Schwäche soll er zunehmend mit Paranoia kompensieren.
Gerade in einem System, das auf Loyalität, Angst und Kontrolle baut, ist das explosiv: Wenn die Spitze wankt, wankt das ganze Gebilde – und dann wird jeder Schritt gefährlicher, jede Entscheidung härter, jedes Misstrauen größer.
Wer flieht mit – wer bleibt zurück?
Der Notfallplan ist nicht als Solo-Flucht gedacht. Mitgehen sollen Familienangehörige, darunter sein Sohn und designierter Thronfolger Mojtaba. Dazu ein innerer Zirkel von bis zu 20 Beratern.
Auffällig ist, wer in dieser Gleichung kaum vorkommt: die zivile Regierung. Präsident Massud Peseschkian (71) spielt in der Machtarchitektur des Gottesstaates ohnehin nur eine Nebenrolle – entscheidend sind der „Oberste Führer“, seine Netzwerke, seine Sicherheitsapparate.
Parallel wird vorgesorgt: Es geht um das „Zusammentragen von Vermögenswerten, Auslandsimmobilien und Bargeld, um eine sichere Ausreise zu ermöglichen“. Wer Macht verliert, braucht Geld – und einen Ort, an dem niemand Fragen stellt.
Assad als Vorbild des Exils
In Moskau sitzt bereits ein Mann, der weiß, wie sich Sturz anfühlt: Baschar al-Assad (60). Nach seinem Sturz Ende 2024 flüchtete er nach Russland – und soll dort angeblich wieder als Augenarzt arbeiten wollen.
Assad und Chamenei waren jahrelang eng verbunden, Teil der „Achse des Widerstands“. Sie unterstützten Terrorgruppen wie die Hamas im Gazastreifen. Das mögliche Wiedersehen in Moskau hätte deshalb eine bittere Symbolik: Exil als Rettungsboot für gestürzte Herrscher.
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