Iran-Proteste: Aktivisten berichten von geheimen Hinrichtungen
Gefangene Demonstranten sollen heimlich exekutiert werden. Danach, so die Behauptung, würden Gefängniswärter die Todesfälle so eintragen, als wären die Menschen bereits „an früheren Tagen“ bei der brutalen Niederschlagung der Unruhen gestorben.
Demonstranten, mit Kunstblut bedeckt, halten Plakate während eines Protests. In Madrid lebende Iraner versammelten sich vor dem spanischen Parlament, um zu fordern, dass die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) auf die Liste terroristischer Organisationen gesetzt werden, und um gegen die islamistische Theokratie zu protestieren sowie ein Ende der Repression zu verlangen.GETTYIMAGES/Marcos del Mazo
Öffentlich gemacht hat die Anschuldigung Kimia Alizadeh, eine iranischstämmige Olympionikin. In sozialen Medien teilte sie, was sie als Aussage eines Teheraner Anwalts beschreibt. Demnach würden Zivilisten, die wegen der landesweiten Proteste festgenommen wurden, in Haft getötet – ohne Verfahren, ohne Aufklärung, ohne Transparenz.
Der Anwalt wird mit drastischen Worten zitiert:
„Es gibt keinen Prozess. Es gibt keine Untersuchung. Der Gerichtsmediziner bestätigt den Tod für die vergangenen Tage. Unsere Herzen und Augen brennen vor Blut, Trauer und Wut.“
Eine weitere zentrale Behauptung: Die Todesfälle würden als „getötet an früheren Tagen“ registriert.
‼️‼️‼️MASS EXECUTIONS‼️‼️‼️
— Kimia Alizadeh (@kimializadeh) January 24, 2026
Translation:
I was contacted from Tehran. I am a lawyer.
Several thousand people are being held in large warehouse-like halls in Kahrizak — many of them young — on death row.
— So they’re putting everyone into these halls under the label of… pic.twitter.com/nDjPrN6IK8
Der Funke: Der Rial stürzt ab
Die Proteste begannen Ende Dezember, nachdem die Landeswährung weiter an Wert verlor. Der Absturz des Rial traf viele Menschen in einem Land, das ohnehin seit Jahren in wirtschaftlichen Turbulenzen steckt.
Als Gründe werden genannt: Missmanagement der Staatsfinanzen, weitreichende Sanktionen von UN, USA und EU – sowie eine gemeinsame Militäraktion der USA und Israels, die Irans nukleare Kapazitäten treffen sollte. Der Währungsverfall wurde zum Auslöser für Wut auf offener Straße.
Von Teheran aus breiteten sich die Proteste rasch auf weitere Landesteile aus.
Blutige Antwort des Regimes – und ein Streit um die Opferzahl
Die Niederschlagung war nach den Schilderungen im Umfeld der Proteste extrem hart. Das Regime selbst beziffert die Zahl der Toten mit 2.000 bis 3.000. Oppositionelle Quellen wie der Sender Iran International nennen eine deutlich höhere Zahl: rund 12.000.
Parallel dazu kam ein massiver Internet-Blackout. Informationen nach außen wurden stark eingeschränkt – in einer Lage, in der jede Nachricht über Festnahmen, Tote und Verschwundene politisch explosiv ist.
Zusätzlich stehen schwere Vorwürfe im Raum: sexualisierte Gewalt, Folter und das „Verschwindenlassen“ von Menschen.
Amnesty: Angriff auf Leben, Würde und Grundrechte
Wie The Daily Mail berichtete, meldete sich Amnesty International mit scharfer Kritik. Diana Eltahawy sagte: „Während die Menschen in Iran noch unter Trauer und Schock über die beispiellosen Massaker bei der Niederschlagung der Proteste leiden, führen die iranischen Behörden einen koordinierten Angriff auf die Rechte der Menschen in Iran auf Leben, Würde und grundlegende Freiheiten – in einem kriminellen Versuch, die Bevölkerung in Terror zu versetzen und zum Schweigen zu bringen.“
Besonders der Internet-Shutdown steht im Zentrum der Amnesty-Warnung:
„Durch die anhaltende Abschaltung isolieren die Behörden absichtlich über 90 Millionen Menschen vom Rest der Welt, um ihre Verbrechen zu verbergen und sich der Rechenschaft zu entziehen.“
Eltahawy fordert internationale Konsequenzen:
„Die internationale Gemeinschaft darf nicht zulassen, dass ein weiteres Kapitel von Massenverbrechen in Iran ohne Folgen begraben wird… Dringendes internationales Handeln… ist längst überfällig, um den Kreislauf aus Blutvergießen und Straflosigkeit zu durchbrechen.“
Teheran im Ausnahmezustand: Bilder der Verzweiflung
Zu sehen sind ausgebrannte Orte und Spuren von Gewalt: ein zerstörter Bus-Depotbereich in Teheran nach Protesten, brennende Autos auf Straßen, Menschenmengen vor der Gerichtsmedizin. Familien und Anwohner stehen vor Reihen von Leichensäcken, suchen Angehörige, konfrontieren die Realität eines Landes, in dem Angst und Zorn gleichzeitig wachsen.
Trump: „Wir beobachten Iran“
Die Krise bleibt nicht auf Iran beschränkt. Die Spannungen im Golf steigen. US-Präsident Donald Trump sprach auf dem Rückflug vom Weltwirtschaftsforum in Davos über Iran und sagte:
„Wir beobachten Iran.“
Er kündigte zudem eine massive militärische Verlegung an:
„Wir haben eine große Flotte, die in diese Richtung unterwegs ist. Wir werden sehen, was passiert. Wir haben eine große Streitmacht, die sich auf Iran zubewegt.“
Trump sagte auch:
„Ich würde lieber sehen, dass nichts passiert, aber wir beobachten sie sehr genau.“
Aufmarsch in Richtung Persischer Golf
Genannt werden konkrete Bewegungen: US-F-15 Strike Eagles seien in Jordanien eingetroffen. Dazu komme der Transit der USS Abraham Lincoln Carrier Strike Group, die vom Südchinesischen Meer in Richtung Persischer Golf unterwegs sei – ausgestattet mit Zerstörern, F-35-Stealthjets und Flugzeugen für elektronische Störmaßnahmen.
Trump deutete mögliche Angriffe an, ohne sich festzulegen:
„Vielleicht müssen wir sie nicht einsetzen, wir werden sehen.“
Auf Nachfrage von CNBC, ob diese Verlegungen ein Vorzeichen weiterer Schritte seien, blieb er ausweichend – verwies aber auf Gewalt auf Irans Straßen:
„Sie schießen wahllos Menschen auf den Straßen.“
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