„Islamische Partei"? Zukunftsforscher warnt vor verdrängtem Problem
Integration, Migration und Religion rücken wieder ins Zentrum der Debatte. Zukunftsforscher Tristan Horx sieht eine Gesellschaft am Limit – und Themen, die man zu lange verdrängt habe.
Tristan Horx Zukunftsforscher spricht im Podcast mit Gerald Fleischmann über aktuelle Gesellschaftstrends.IMAGO/ecomedia/robert fishman
In der neuen Folge des krone.tv-Podcasts „Message, Macht, Medien“ spricht Trend- und Zukunftsforscher Tristan Horx mit Podcaster Gerald Fleischmann über eine Gesellschaft im Dauerstress. Künstliche Intelligenz, soziale Medien, Migration und Politik überfordern viele Menschen. Besonders brisant sind Fragen rund um Integration und Religion, die lange ignoriert wurden und nun mit voller Wucht in die öffentliche Diskussion drängen – bis hin zu Überlegungen über neue politische Bewegungen.
Wahrnehmungskrise statt Dauerkrise
Horx versteht Zukunftsforschung vor allem als Analyse der Gegenwart. Viele Entwicklungen wirken heute dramatischer, weil sie durch soziale Medien permanent präsent sind. „Es ist eine Wahrnehmungskrise. Früher haben Sie nicht jede Katastrophe auf dem ganzen Planeten im Liveticker mitverfolgen“, sagt der Forscher.
Genau darin sieht er eine zentrale Überforderung der Gesellschaft. Politik, Klima, Migration und digitale Dauererregung verdichteten sich zu einem Gefühl permanenter Krise. Deshalb plädiert Horx unter anderem für stärkere Regulierungen sozialer Medien, etwa in Form von Altersbeschränkungen für unter 16-Jährige.
Auch beim oft beschworenen Umbruch durch künstliche Intelligenz bleibt er gelassen. KI werde weniger revolutionär wirken als behauptet und „ein Werkzeug bleiben, das die menschliche Kreativität nicht ersetzen kann“.
Migration, Religion – und verdrängte Debatten
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs sind die Themen Migration und Integration. Horx warnt vor Parallelgesellschaften und setzt klare Grenzen: „Man kann nicht endlos tolerant gegenüber Intoleranz sein – sonst schafft man sich irgendwann ab.
In diesem Zusammenhang werden auch Entwicklungen angesprochen, die zuletzt stärker wahrgenommen wurden, etwa dass der Islam mittlerweile die größte Religionsgruppe an Wiener Volksschulen ist und kulturelle sowie integrative Missstände zunehmend sichtbar werden. Diese Themen seien lange ausgeblendet worden und müssten nun politisch und gesellschaftlich bearbeitet werden.
Im Podcast wird auch die Frage aufgeworfen, ob sich daraus neue politische Kräfte entwickeln könnten, etwa Bewegungen, die Religion offen zum politischen Programm machen. Solche Überlegungen zeigen vor allem eines: Das Thema ist angekommen und lässt sich nicht länger ignorieren.
Kommentare