Im Zentrum der Analyse steht die Beobachtung, „wie islamistische Akteure ihre Ideologie als Gegenmodell zur demokratischen und liberalen Mehrheitsgesellschaft mit populistischen Methoden forcieren“. Diese Radikalisierungstendenzen seien kein isolierter Sonderfall. Vielmehr ließen sich strukturell ähnliche Entwicklungen auch in anderen Teilen der Gesellschaft feststellen. Populismus könne unterschiedliche Extremismen in verschiedene Richtungen begünstigen.

Typisch seien moralische Empörung und stark vereinfachte Schuldzuschreibungen an „Eliten“, Medien oder politisch Andersdenkende. Die Publikation wolle dazu beitragen, „die mit dem Phänomen des Politischen Islam in Europa verbundenen Herausforderungen besser zu verstehen“.

Kein Platz für innerislamische Vielfalt

Der Bericht verdeutlicht, dass eine strikte Auslegung des Islams als politische Ideologie keinen Raum für innerreligiöse Vielfalt zulasse und Druck auf die muslimische Community ausübe. Gleichzeitig werde eine „islamische Renaissance“ propagiert, die sich gegen eine individuelle Religionsausübung oder säkulare Lebensentwürfe richte.

Komplexe gesellschaftliche Herausforderungen würden simplifiziert, öffentliche Debatten durch moralische Zuspitzungen ersetzt. Tatsächliche Diskriminierungserfahrungen würden verzerrt wiedergegeben, um sie für eine idealisierte Darstellung der eigenen Weltanschauung zu instrumentalisieren.

Islamistische Akteure griffen reale Missstände und bestehende Stimmungslagen auf, um möglichst öffentlichkeitswirksam Zielgruppen für ihre eigenen Interessen zu mobilisieren. In dem von ihnen vermittelten Bild werde unterstellt, dass der Staat, die Medien und andere „Eliten“ dem muslimischen Teil der Bevölkerung strukturell feindselig gegenüberstünden.

Delegitimierung von Rechtsstaat und Säkularismus

Der liberal-demokratische Rechtsstaat und der Säkularismus würden mit subtilen Mitteln delegitimiert und als „verwestlicht“ oder „islamophob“ verunglimpft. Das kolportierte Narrativ religiös-extremistischer Kräfte basiere auf der Gegenüberstellung eines als „dekadent“ diskreditierten Westens und einer angeblich moralisch überlegenen „islamischen Ordnung“.

In Österreich setzten islamistische Aktivisten Symbole, Kleidung, Rituale und Verhaltensregeln als Mittel für eine bewusste Inszenierung ihres radikalen Weltbildes ein. Ein Ziel bestehe darin, die Diskurshoheit über eine exklusiv definierte „muslimische Identität“ zu erlangen.

Die Religion diene dabei als Vorwand, um einer an der eigenen politischen Ideologie geübten Kritik ihre Berechtigung abzusprechen.