Israel schlägt Alarm: Muslimbruder-Netzwerk in Europa reicht bis Österreich
Ein neuer Bericht der israelischen Regierung sorgt europaweit für Aufmerksamkeit. Die Analyse beschreibt ein weit verzweigtes Netzwerk der Muslimbruderschaft in Europa – und nennt Österreich ausdrücklich als Land mit relevanter Präsenz.
Ein israelischer Regierungsbericht warnt vor Einflussstrukturen der Muslimbruderschaft in Europa – auch EU-Institutionen stehen im Fokus der Analyse.APA/AFP/FREDERICK FLORIN/GETTYIMAGES/Maher Attar/Sygma
Die Warnung des Berichts richtet sich dabei nicht gegen Terroranschläge, sondern gegen etwas anderes: langfristigen politischen und gesellschaftlichen Einfluss mitten in Europa.
Einfluss statt Terror
Die Autoren sprechen von sogenanntem „legalistischem Islamismus“. Organisationen bewegen sich innerhalb der Gesetze, bauen aber Schritt für Schritt Einfluss auf – über Vereine, Moscheeverbände, Jugendorganisationen und offizielle Dialogplattformen mit Politik und Behörden.
Entscheidend sei weniger Gewalt als die Frage: Wer gilt als legitimer Vertreter der Muslime in Europa?
Steuerung aus Brüssel
Im Zentrum sieht der Bericht den Rat der Europäischen Muslime (CEM) mit Sitz im Brüsseler EU-Viertel. Sicherheitsdienste mehrerer Staaten betrachten ihn laut Analyse als zentrale Koordinationsplattform der Muslimbruderschaft. Die Strategie: wenige, gut vernetzte Funktionäre – mit europaweiter Reichweite.
Ein konkretes Detail: Die Jugendorganisation FEMYSO nutzte laut Bericht jahrelang Büroräume an derselben Brüsseler Adresse wie eine saudische NGO. Der Mietvertrag soll von einem führenden Muslimbruder-Akteur finanziert worden sein.
Fatwas, Ausbildung, Nachwuchs
Eine zweite Ebene läuft über Religion und Ausbildung. Der Europäische Fatwa-Rat (ECFR) erstellt religiöse Rechtsgutachten für Muslime in Europa, während das Europäische Institut für Humanwissenschaften (IESH) Imame und Funktionäre ausbildet.
Französische Behörden warnten: Hinter moderater Außendarstellung würden teilweise stark konservative Inhalte vermittelt.
2019 sorgte eine Fatwa-App („Fatwa Euro“) für Schlagzeilen: Nach Kritik wurde sie laut Analyse aus dem Google-Play-Store entfernt, Behörden warnten vor möglicher Radikalisierung.
Nachwuchs mit Zugang zur EU
Besonders kritisch bewertet der Bericht die Brüsseler Jugendorganisation FEMYSO. Sie arbeitet regelmäßig mit EU-Institutionen zusammen. Ein französischer Geheimdienstbericht bezeichnete sie als „Jugendflügel“ der paneuropäischen Struktur – und als Trainingsplattform künftiger Führungskräfte.
Einfluss beginne damit nicht erst in Moscheen, sondern bereits in Jugend- und Politiknetzwerken.
Geld, Immobilien – und Gaza-Konvois
Auch die Finanzierung wird konkret. Der Europe Trust investiere laut Bericht gezielt in Moscheen, Zentren und Studentenunterkünfte – etwa 47 Studentenwohnungen im britischen Leeds. Immobilien würden so zu dauerhaften Einnahmequellen.
Genannt werden zudem Gaza-Hilfskonvois („Miles of Smiles“), bei denen Teilnehmer laut Analyse öffentlich mit Hamas-Funktionären aufgetreten sind.
Österreich ausdrücklich genannt
Für Österreich besonders brisant: Das Land zählt laut Bericht zu jenen Staaten mit besonders aktiven Strukturen.
Zudem wird ein palästinensischer Verein mit Österreich-Bezug in einer Netzwerktabelle genannt. Ein österreichischer Regierungsbericht von 2021 – ebenfalls zitiert – hält fest, entsprechende Aktivitäten seien zwar legal, könnten jedoch demokratischen Grundprinzipien widersprechen.
Die eigentliche Warnung
Die zentrale Botschaft des Berichts: Einfluss entsteht heute nicht durch offene Konfrontation, sondern durch dauerhafte Präsenz in Organisationen, Ausbildung und politischen Dialogforen.
Eine Schlüsselfrage: Wer spricht in Europa tatsächlich für muslimische Gemeinschaften – und wer überprüft das?
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