Eine Auswertung von Agenda Austria auf Basis von Eurostat-Daten zeigt: Österreich liegt bei Arztbesuchen pro Kopf im Jahr 2023 an der Spitze. Im Schnitt gehen Österreicher mehr als zwölfmal pro Jahr zum Arzt – deutlich häufiger als in vielen anderen europäischen Ländern.
Agenda Austria sieht Solidarprinzip untergraben
Auffällig ist dabei laut der Analyse auch ein struktureller Unterschied: Länder mit verpflichtendem Selbstbehalt – etwa Schweden, Norwegen oder die Schweiz – weisen deutlich niedrigere Arztkontaktzahlen auf. Dort liegen die Werte teils nur bei vier bis sechs Besuchen jährlich. Staaten ohne oder mit sehr geringen direkten Kosten für Patienten – darunter Österreich oder auch einige osteuropäische Länder – schneiden hingegen deutlich höher ab.
Die Agenda Austria leitet daraus einen klaren Zusammenhang ab: Wenn der Arztbesuch für Patienten kostenlos ist, fehlt ein Anreiz, medizinische Leistungen sparsam in Anspruch zu nehmen. Genau das setzt das Solidarprinzip voraus, wo ein verantwortungsvoller Umgang mit dem gemeinsamen Gut gefordert ist.
Als Lösung schlägt der Thinktank einen Selbstbehalt vor. Patienten sollen zehn Prozent der Behandlungskosten selbst tragen – allerdings gedeckelt bei maximal 700 Euro pro Jahr, um soziale Härten zu vermeiden. Ein solcher Mechanismus soll laut Agenda Austria gleich zwei Effekte haben: Zum einen eine bewusstere Inanspruchnahme medizinischer Leistungen fördern, zum anderen zusätzliche Mittel ins System bringen.

Ministerin lehnt ab
Mit diesem Vorschlag konfrontierten wir Gesundheitsministerin Korinna Schumann im Rahmen der Pressekonferenz konfrontiert – ihre Antwort fiel jedoch klar ablehnend aus.
Sie betonte zunächst, dass die Zahlen differenziert betrachtet werden müssten. Österreich habe bereits jetzt einen vergleichsweise hohen Anteil an privat finanzierten Gesundheitsausgaben. „Hier müssen wir hinschauen, wie wir diesen Bereich eingrenzen und nicht weiter ausweiten“, so Schumann. Grundsätzlich sieht sie im Selbstbehalt kein geeignetes Instrument zur Steuerung des Systems. Aus ihrer Sicht würde eine solche Maßnahme vor allem einkommensschwächere Menschen treffen: „Selbstbehalte führen dazu, dass Menschen mit weniger Einkommen notwendige Gesundheitsleistungen nicht in Anspruch nehmen.“
Für Besserverdienende hingegen stelle ein Selbstbehalt oft keine relevante Hürde dar – der gewünschte Lenkungseffekt wäre damit sozial unausgewogen. Stattdessen setzt die Ministerin auf strukturelle Reformen und Effizienzsteigerungen innerhalb des Systems. Ziel bleibe eine Gesundheitsversorgung, die allen Menschen unabhängig von Einkommen, Alter oder Wohnort offensteht: „Unser Ziel muss immer sein: gute Versorgung für alle Patienten.“

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