"Journalisten sind Gfraster" - Ex-ORF-Chefredakteur rechnet ab
Fritz Dittlbacher, langjähriger Chefredakteur des ORF spricht erstmals offen über Parteipolitik im ORF, die Gagen am Küniglberg und kritisiert FP-Chef Kickl.
So offen hat ein einst führender ORF-Mann selten gesprochen. Im Videopodcast „Message Macht Medien“ der “Kronen Zeitung” mit Kommunkationsexperte Gerald Fleischmann redet der heutige Chefreporter des ORF, Fritz Dittlbacher, Chefredakteur von 2010 bis 2018 frei von der Leber weg.
Dittlbacher wirft dem FPÖ-Chef vor, eine mediale Parallelstruktur zu traditionellen Medien aufgebaut zu haben: „Kickl umgeht Journalisten”. Damit entziehe sich der Politiker kritischen Fragen. Fleischmann bringt den politischen Einfluss auf den ORF auf den Tisch: „Du wurdest als quasi roter Chefredakteur abgelöst und durch zwei Chefredakteure ersetzt, die, so sagt man, türkis und blau zugeordnet wurden” Zuletzt, als die Grünen in die Regierung kamen, sei der Vorisitz im ORF-Stiftungsrat von den Grünen besetzt worden. Fleischmann meint daher, im ORF manifestiere sich die Macht der Republik. Ob eine Privatisierung dagegen ein Mittel sei? Dittlbacher: “Dann haben wir Zustände wie in Amerika”.
Disput zwischen Dittlbacher und Fleischmann
“Wir Journalisten sind ja Graster”, sagt Dittlbacher frei und offen. Und meint damit, dass es ihre Aufgabe sei, den Politiker kritsich auf die Finger zu schauen, was sie nicht beliebt mache. “Der ORF-Generaldirektor dagegen muss zur Politik freundliche Nasenlöcher machen.“ Die Offenlegung der Gehälter sieht der einstige Chef des Newsrooms kritisch und unfair. Nicht zuletzt kam es zu einem Disput zwischen Dittlbacher und Fleischmann, langjähriger Pressesprecher im Polit-Betrieb. Der ORF-Chefreporte warf Fleischmann vor, “mit daran Schuld” zu sein, dass die Distanz zwischen Medien und Politik größer geworden sei. Fleischmann entgegnete, “da muss ich den Spieß umdrehen”, und sagte, die Medien hätten die Nähe der Politik zu den Medien in den letzten Jahren “selbst skandalisiert”.
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