Der vorzeitige Abgang von Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) habe zu einem Polit-Stillstand in Kärnten geführt, kritisiert Angerer im TV-Studio. Kaiser sei mit dem Versprechen angetreten, bis zum Ende der Legislaturperiode zu bleiben. Nun laufe im Land eine Endlosschleife. Angerer: „Wir diskutieren seit einem Jahr: Wann geht Peter Kaiser?“

Für ihn ist das nicht nur unerquicklich, sondern ein politisches Problem: „Demokratiepolitisch halte ich es für falsch und unfair gegenüber der Bevölkerung.“ Während die Lebenshaltungskosten steigen, Energiekosten drücken und Wohnraum knapper wird, drehe sich die Debatte nur um die Nachfolge. Angerer fordert: „Wenn er geht, dann soll er Neuwahlen ausrufen.“ Die FPÖ will dazu einen Antrag im Landtag einbringen.

„Kein sichtbares Projekt“: 13 Jahre verwaltet – Verwaltung aufgebläht

Inhaltlich legt der FPÖ-Landeschef nach: Kärnten habe in den vergangenen 13 Jahren Chancen verspielt – trotz Hochkonjunktur, Nullzinsphase und billiger Finanzierung. Sein Kernvorwurf: „In der Ära Peter Kaiser wurde kein wirklich sichtbares Projekt umgesetzt – sondern nur verwaltet.“

Im Gespräch mit exxpress-Redakteur Stefan Beig (l.) kritisiert FPÖ-Chef Erwin Angerer Stillstand, Schuldenkurs und ein „politisches Desaster“ namens Flughafen Klagenfurt.exxpress/exxpress

Hinzu komme aus seiner Sicht ein teurer Kurs nach innen: „Man hat die Verwaltung aufgebläht: von 10 Abteilungen auf 15.“ Noch schärfer wird er bei Postenbesetzungen. Er spricht von einer Rückkehr alter Muster: „Parteibuchwirtschaft – wir sind wieder in den 1970er Jahren gelandet.“

Schulden & Abgaben: „Hochsteuerland“ – trotzdem immer neue Belastungen

Beim Thema Geld zeichnet Angerer ein düsteres Bild. Kärnten habe bereits sehr hohe Schulden – und die Entwicklung gehe weiter nach oben. Sein Warnsatz: „Die Pro-Kopf-Schulden verdoppeln sich in fünf Jahren.“

Statt bei Strukturen anzusetzen, werde laut Angerer vor allem an den Einnahmen geschraubt. Er argumentiert grundsätzlich und bundesweit: „Wir sind ein Hochsteuerland – und die Politik dreht immer nur die Steuerschraube nach oben.“

Erwin Angerer über Windkraft in Kärnten: „Warum soll ich meine Berge opfern?“exxpress/exxpress

Koralmbahn & Abwanderung: „Der Zug kommt – aber niemand steigt aus“

Ein zentraler wirtschaftspolitischer Punkt ist für Angerer die Koralmbahn und die Baltisch-Adriatische Achse. Entlang solcher „Lebensadern“ entstehe Wachstum – wenn man es vorbereitet, sprich: Flächen sichert, Gewerbe- und Industrieparks plant, Ansiedlungen aktiv ermöglicht.

Seine zugespitzte Diagnose: „Jetzt kommt der Zug – aber es steigt niemand aus.“ Er warnt: „Die Kärntner Jugend verlässt fluchtartig das Land Richtung Graz, Richtung Wien.“

Digital-Farce im Amt: „Digital schicken – und dann wird ausgedruckt“

Zum Thema Verwaltung und Digitalisierung meint Angerer: Die Praxis sei oft die Karikatur dessen, was politisch angekündigt werde. Zwar werde permanent darüber gesprochen, doch von zentralen digitalen Akten, echter Serviceorientierung oder KI-gestützten Auskünften sei Kärnten, so sein Vorwurf, weit entfernt.

Erwin Angerer rechnet mit der Kärntner Landesregierung ab – von Schulden über Verwaltung bis zum Flughafen.exxpress/exxpress

Energie-Aufreger: Windräder? „Warum soll ich meine Berge opfern?“

In der Energiepolitik positioniert sich Angerer klar gegen Windparks auf Kärntner Bergen. Er verweist auf Eingriffe in Natur und Landschaft – und auf die Ausgangslage Kärntens bei der Stromproduktion. „Kärnten ist bereits stromautark: zu 100% – und 83% kommen aus Wasserkraft.“ Somit stelle sich die Frage: „Warum soll ich jetzt meine Berge opfern?“

Flughafen Klagenfurt: „Riesiges politisches Desaster“ – Verantwortung SPÖ/ÖVP

Am Ende übt Angerer besonders scharfe Kritik beim Flughafen Klagenfurt. Er fordert seit Jahren politische Aufarbeitung – die Schuldfrage sei für ihn aber bereits klar. Sein Urteil: „Der Klagenfurter Flughafen ist ein riesiges politisches Desaster. Die Verantwortung liegt bei SPÖ und ÖVP.“

Er verweist auf Teilprivatisierung, Investorenauswahl, Rechtsstreitigkeiten und den massiven Rückgang der Passagierzahlen – und nennt das Gesamtkonstrukt einen politischen Totalschaden.

Für Angerer steht fest: Kärnten leidet unter Stillstand, aufgeblähten Strukturen, steigenden Belastungen. Nun brauche es Neuwahlen.