Kein Deutsch, kürzere Ferien: Pflicht-Sommerschule für Schüler geplant
Schlechte Deutschkenntnisse sollen künftig direkte Folgen haben. Kinder, die dem Unterricht sprachlich nicht folgen können, müssen verpflichtend eine Sommerschule besuchen.
Die Diagnose ist seit Jahren bekannt, nun zieht die Politik Konsequenzen. Fast jedes zweite Erstklässlerkind in Wien spricht zu wenig Deutsch, um dem Unterricht problemlos folgen zu können. Besonders brisant: Ein Großteil dieser Kinder ist in Österreich geboren.
Pflicht statt Empfehlung: Sommerschule wird verbindlich
Kern der geplanten Gesetzesänderung ist die verpflichtende Teilnahme außerordentlicher Schüler an der Sommerschule. Das Ziel besteht darin, Defizite in der deutschen Sprache gezielt abzubauen und somit bessere Voraussetzungen für den Regelunterricht zu schaffen.
Die Sommerschule findet üblicherweise in den letzten beiden Wochen der Sommerferien statt. Was bisher als freiwilliges Förderangebot konzipiert war, soll nun zur Pflicht werden. Die Maßnahme war bereits im vergangenen Sommer angekündigt worden und wird nun erstmals gesetzlich verankert.
Deutsch als Schlüssel – aber reicht der Ansatz?
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) bezeichnete Deutschkenntnisse als die „Eintrittskarte in unsere Gesellschaft“. Die Bundesregierung wolle daher einen weiteren Schwerpunkt auf die frühzeitige Stärkung der Sprachkompetenz legen – unter anderem durch Förderklassen, Deutschförderkurse und die verpflichtende Sommerschule.
Zusätzlich ist mehr Schulautonomie vorgesehen, etwa bei der Gestaltung von Lehrplänen und bei der Organisation der Deutschförderung. Es wird jedoch kritisch angemerkt, dass verpflichtende Ferienkurse zwar kurzfristig Lernzeit schaffen, strukturelle Probleme im Schulalltag aber nicht automatisch lösen.
Einführung in Etappen geplant
Aus organisatorischen Gründen soll die neue Verpflichtung schrittweise eingeführt werden. Im Sommer 2026 gilt sie zunächst nur für Schüler in Deutschförderklassen. Ab Sommer 2027 sollen auch Kinder in Deutschförderkursen verpflichtend an der Sommerschule teilnehmen.
Ob diese gestaffelte Einführung ausreicht, um die massiven Sprachdefizite tatsächlich zu reduzieren, bleibt offen.
Kopftuch-Debatte erneut auf der Agenda
Neben der Sprachförderung wurde im Ausschuss erneut über das Kopftuchverbot diskutiert. Dieses gilt derzeit für Schülerinnen unter 14 Jahren auf dem Schulgelände. Eine Ausweitung auf schulisches Personal wurde angesprochen, jedoch als rechtlich heikel eingestuft.
Die FPÖ möchte das Verbot auch auf das gesamte schulische Personal, insbesondere auf Lehrerinnen, ausweiten. Denn das Tragen eines Kopftuchs sei laut FPÖ ein „bewusst gesetztes Zeichen” sowie eine politische Ideologie, die „mit den Grundprinzipien unserer Gesellschaft unvereinbar” sei, so Christoph Steiner. Eine konkrete Änderung wurde dazu nicht beschlossen.
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