Kein Scherz! Soap-Opera und „Soko Kitzbühel“ sind für ORF „anspruchsvolle Sendungen“
Der ORF-Zuschauer hat gemäß Gesetz einen Anspruch auf „anspruchsvolle Sendungen“ im Hauptabendprogramm. Der ORF schafft das mit teils skurrilen Tricks, wie sein eigener Jahresbericht zeigt.
Programmkritik ist so alt wie es Fernsehen gibt. So viel ist aber klar: Die Programmqualität im ORF hat wohl eher nicht zugenommen. Zwar hat der ORF einen gesetzlichen Auftrag, die Aufsicht ist aber sehr großzügig mit dem Staatsfunk. Und das obwohl der ORF über ein Milliardenbudget verfügt – 2024 bekam er alleine fast 900 Millionen Euro an öffentlichen Geldern zugeschanzt.
Im ORF-Gesetz sind die Aufgaben des ORF genau umschrieben. Unter anderem heißt es in § 4 Absatz 3 ORF-G, dass der ORF in seinem Hauptabendprogramm (20 bis 22 Uhr) „in der Regel anspruchsvolle Sendungen“ zur Verfügung zu stellen hat. Damit sind Dokumentationen, Informationssendungen zu komplexen gesellschaftlichen Themen oder Kultursendungen gemeint.
„Biester“ laut ORF „anspruchsvoll“
Doch was macht der ORF aus dieser Bestimmung? Teil der Aufgaben des ORF ist auch die Abgabe eines Jahresberichts, in dem der öffentlich-rechtliche Sender über seine Geschäftstätigkeit berichtet. Und dort schreibt der ORF auch über seine „anspruchsvollen Sendungen“ anhand einer „Musterwoche“. So sind etwa die eigens produzierte Soap-Opera „Biester“ und die Krimiserien „Soko Kitzbühel“ und „Soko Linz“ laut ORF „anspruchsvoll“. Auch der „Tatort“ befindet sich in der Liste.
Auch sonst ist der Ertrag des Programms des öffentlich durchfinanzierten ORF dürftig. Laut dem aktuellen Jahresbericht aus dem Jahr 2025 beträgt der Programmanteil von Sport und Unterhaltung 63 Prozent über alle vier ORF-TV-Sender hinweg. Das sind traditionell gut kommerzialisierbare Bereiche, die eigentlich auf den privaten Sendermarkt gehören. Die Anteile für Kultur und Information im ORF haben für den Zeitraum 2024 jeweils nur 19 Prozent betragen, machen also zusammen deutlich weniger aus als Hälfte des Gesamtprogramms des ORF aus.
In den nächsten Wochen erscheint der neue Jahresbericht des ORF. Man darf gespannt sein, was sich der ORF für 2026 einfallen hat lassen …
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