Er trat am Ende nicht an – doch die Pläne sollen weit gediehen gewesen sein. Wochenlang habe Ex-Kanzler Christian Kern erwogen, beim SPÖ-Parteitag am 7. März gegen Parteichef Andreas Babler zu kandidieren. Daraus wurde nichts. Zurück bleibt jedoch eine Partei, in der einige bereits auf Kern gesetzt hatten.

Die Krone beruft sich auf „zahllose Gespräche“ und zeichnet das Bild eines detaillierten Comeback-Szenarios – intern „Plan C“ genannt, in Anlehnung an Kerns früheren „Plan A“. Ein politisches Luftschloss, das zwar nie umgesetzt wurde aber bereits auf breitem Fundament stand.

Treffen in der Hofburg – keine Bestätigung, kein Dementi

Brisant: Bereits Ende Jänner soll Kern in der Hofburg bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen vorstellig geworden sein. Auf Anfrage habe die Präsidentschaftskanzlei lediglich darauf verwiesen, man bestätige nur medienöffentliche Termine. Ein Dementi des Treffens erfolgte nicht.

Laut Bericht habe Kern bei einer „Zigarette und ein bis zwei Tassen Kaffee“ ein konkretes Szenario besprochen – in dem auch Österreichs First Lady Doris Schmidauer eine Rolle gespielt haben soll.

Ministertausch und Staatssekretariat für Schmidauer?

Nach Darstellung langjähriger Wegbegleiter habe Kern im Fall einer Machtübernahme selbst mit dem Finanz- oder Verkehrsministerium geliebäugelt, mit klarer Tendenz zum Verkehrsressort. Der amtierende Verkehrsminister Peter Hanke hätte demnach im Gegenzug das Medien- und Sportressort übernommen, das derzeit Babler verantwortet.

Die Kulturagenden wiederum sollten laut diesen Überlegungen Doris Schmidauer als Staatssekretärin angeboten werden. Schmidauer war Geschäftsführerin des Parlamentsklubs der Grünen.

Dass die First Lady in parteiinternen Umbauplänen einer anderen Partei aufscheint, wirft zumindest politische Fragen auf – auch wenn all das nie umgesetzt wurde.

Auch Parteizentrale im Visier

Nicht nur Ministerien, auch die Parteizentrale sollte neu besetzt werden. Bundesparteigeschäftsführer Klaus Seltenheim hätte mit Babler gehen müssen. Ihn hätte Thomas Drozda, ein enger Kern-Vertrauter und früherer Bundesgeschäftsführer, ersetzen sollen. Als Stellvertreterin wird Ruth Manninger genannt.

Offiziell blieb alles Spekulation – Kern trat nicht an. Doch die geschilderten Details zeichnen das Bild eines nahezu fertigen Schattenkabinetts, das weder Parteitag noch Wähler je legitimiert hätten.

Dass ein Ex-Kanzler parallel zu einem amtierenden Parteichef konkrete Ministerrochaden durchdenkt und sogar Gespräche in der Hofburg führt, wirft Fragen zur parteiinternen Loyalität und politischen Kultur auf.