KI-Fach ab 2027/28, Latein wird gekürzt: Minister verteidigt Reform im TV
Mehr KI, weniger Latein: Die geplante Schulreform sorgt für Streitstoff – und Bildungsminister Christoph Wiederkehr liefert in der „ZIB2“ die Begründung. Während Kritiker die klassische Bildung unter Druck sehen, sprechen Befürworter von einer überfälligen Modernisierung.
Lehrplan im Umbruch: Mit neuen Digitalfächern und weniger Latein will das Ministerium den Unterricht neu ausrichten.APA/ROLAND SCHLAGER
Österreichs Schulen stehen vor einer deutlichen Umstellung: Ab dem Schuljahr 2027/28 soll das Thema „Künstliche Intelligenz” mit eigener zusätzlicher Unterrichtszeit offiziell im Lehrplan verankert werden. Gleichzeitig sollen traditionelle Fächer wie Latein deutlich weniger Stunden erhalten. NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr nahm am späten Donnerstagabend in der „ZIB2“ bei ORF-Moderator Martin Thür Stellung und argumentierte, warum aus seiner Sicht das Kürzen ebenso nötig sei wie das Einführen neuer Inhalte.
KI soll fix ins Klassenzimmer – mit zusätzlicher Stunde
Geplant ist, das Fach Informatik in „Informatik und Künstliche Intelligenz“ umzubenennen. Dafür ist eine zusätzliche Wochenstunde vorgesehen. Die Schüler sollen darin lernen, wie KI funktioniert und wie sie sinnvoll eingesetzt werden kann.
Zusätzlich plant das Ministerium das neue Fach „Medien und Demokratie“. Ziel ist es, dass junge Menschen besser durch die digitale Welt navigieren und Demokratie „leben“ können.
Der Preis der Reform: Latein verliert Stunden
Für diesen Ausbau sollen jedoch auch Inhalte reduziert werden. Besonders deutlich wird das beim Lateinunterricht: Statt bisher zwölf Stunden in vier Jahren sollen es künftig acht sein. Das ist vor allem für Gymnasien ein Einschnitt, an denen Latein verpflichtend ist. Damit verschiebt sich der Fokus im Stundenplan sichtbar von den klassischen Sprachen hin zu digitalen und gesellschaftspolitischen Kompetenzen.
Das Ministerium bezeichnet diesen Schritt als Modernisierung. Gleichzeitig bleibt jedoch ein Kernpunkt offen. Wer soll die neuen Fächer unterrichten? Über die nötigen Details wird noch verhandelt.
Wiederkehr in der „ZIB2“: „Man hatte früher nicht den Mut“
In der „ZIB2“ betonte Wiederkehr, dass ihm Latein weiterhin wichtig sei: „Latein ist mir noch immer wichtig, nämlich als humanistische Grundbildung.“ Gleichzeitig müsse die Schule Prioritäten setzen. Wenn andere Themen wichtiger würden, müsse man „den Mut haben, in der Schule manche Themen zu reduzieren“.
Die Reduzierung des Lateinunterrichts von zwölf auf acht Stunden begründete er unter anderem mit einem Vergleich: „Insgesamt haben wir dann immer noch mehr Latein als diese anderen Fächer.“ Auf die Frage, warum KI nicht einfach als Querschnittsthema in allen Fächern mitlaufen könne, meinte Wiederkehr: „Früher hat man sich nicht getraut, auch Sachen zu reduzieren.“
Dadurch sei es zu „Querschnittsmaterien“ gekommen, die Schulen und Lehrkräfte überfordern würden. Themen wie Informatik und KI seien bereits jetzt relevant und würden noch wichtiger werden. Dafür müsse man ihnen einen eigenen Raum im Unterricht geben. In einem eigenen Fach.
Dass durch die Kürzung von Latein oder einer anderen Fremdsprache entscheidender Unterricht verloren gehe, glaube er nicht, so Wiederkehr. Schulen könnten Schwerpunkte setzen. Unterstützung bekomme er nach eigenen Angaben von Lehrkräften und Schülern, die ihm sagen würden: „Man kann nicht immer nur etwas dazustopfen, das geht sich irgendwann nicht mehr aus.“ Es brauche eine „Güterabwägung“.
Auch zur Geschwindigkeit der KI-Entwicklung äußerte er sich: In der Schule müsse man „nicht jeden tagesaktuellen Wandel mitmachen“, da Lehrkräfte monatelang auf neue Inhalte vorbereitet werden müssten. Es gehe eher um Grundprinzipien und den grundlegenden Umgang mit der Technologie.
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