Kickl rechnet im ZIB2-Studio mit Regierung ab: „So kann es nicht weitergehen“
Nach langer ORF-Abstinenz meldete sich FPÖ-Chef Herbert Kickl mit einem politischen Rundumschlag im ZiB2-Studio zurück. Ein Jahr nach Angelobung der Regierung kritisierte er die „Verlierer-Ampel“ scharf. Besonders die Themen Migration, Ausgabenpolitik und die wirtschaftlichen Sorgen vieler Menschen standen im Zentrum seiner Kritik.
FPÖ-Chef Herbert Kickl nutzte seinen ZiB2-Auftritt für eine umfassende Kritik an Regierung, Migration und staatlicher Ausgabenpolitik.Screenshot ORF ON/ORF ON
Der Auftritt hatte es in sich: Zum ersten Mal seit dem viel beachteten ORF-Sommergespräch im September 2025 stellte sich FPÖ-Chef Herbert Kickl wieder den Fragen im ORF-Studio. Anlass war ein „ZiB2“-Interview mit Moderatorin Margit Laufer, genau ein Jahr nach der Angelobung der aktuellen Bundesregierung. Kickl nutzte die Bühne für eine scharfe Generalabrechnung mit der Regierung. Dabei sprach er über Migration, staatliche Ausgaben und die wirtschaftlichen Sorgen vieler Bürger sowie darüber, warum er davon überzeugt ist, dass sich die politische Stimmung im Land weiter zugunsten der FPÖ dreht.
Rückkehr ins ORF-Studio nach langer Pause
Lange hatte sich Herbert Kickl im ORF rar gemacht. Er ließ die traditionelle Jahresauftakt-Interviewserie mit den Klubobleuten aus und schickte stattdessen Generalsekretär Christian Hafenecker ins Studio. ORF-Moderator Armin Wolf kritisierte dies öffentlich und wies darauf hin, dass Kickl in den vergangenen Jahren Dutzende Einladungen ausgeschlagen habe.
Nun kehrte der FPÖ-Chef ins Studio zurück – und schickte damit ein deutliches politisches Signal.
Ein Jahr nach Beginn der aktuellen Dreier-Koalition sieht sich Kickl politisch im Aufwind. Laut aktuellem APA-Wahltrend liegt die FPÖ klar vor den anderen Parteien und konnte im Vergleich zur Nationalratswahl an Zuspruch gewinnen, während ÖVP, SPÖ und NEOS an Zustimmung verlieren. Mit diesem Rückenwind nutzte Kickl seinen Auftritt, um scharfe Kritik an der Bundesregierung zu üben, die er als „Verlierer-Ampel“ bezeichnete.
„Wir treffen hier wunde Punkte“
Auf die Frage, ob es ihn schmerze, trotz starker Umfragewerte nicht als Bundeskanzler, sondern als Oppositionspolitiker im Studio zu sitzen, reagierte Kickl gelassen. Demokratie funktioniere nur, „wenn es auch eine Opposition gibt“. Gerade in dieser Rolle habe die FPÖ viel bewegt. So viel, dass sich die Regierung dadurch „belästigt“ fühle. Zudem warf Kickl der Regierung vor, sich selbst mit dem Staat gleichzusetzen. Kontrollmechanismen würden als Angriff auf den Staat interpretiert. „Das zeigt nur, dass wir hier wunde Punkte treffen“, erklärte der FPÖ-Chef.
Als Beispiele nannte er problematische Ausgaben, wie etwa „Steuergeldverschwendung für NGOs“ oder medizinische Leistungen für Migranten. In den vergangenen zehn Jahren habe es „22 Millionen Behandlungen von Menschen auf der Flucht“ gegeben, sagte Kickl, „bis hin zu Schönheitsoperationen“.
Auch die Kanzlerschaft von ÖVP-Chef Christian Stocker kritisierte der FPÖ-Obmann. Stocker sei der dritte „nicht gewählte“ Bundeskanzler in Folge.
„Der Wählerwille war klar“
Rückblickend auf die Nationalratswahl erklärte Kickl, der Wählerwille sei „ganz klar“ gewesen, eine „große Veränderung in Österreich herbeizuführen“. Er spreche dabei gerne von einem „Systemwechsel“. Mit diesem Angebot sei die FPÖ zur stärksten Kraft geworden.
In den Koalitionsverhandlungen habe er versucht, „diesem Willen“ zum Durchbruch zu verhelfen. Dabei habe er jedoch erkannt, „dass das der ÖVP nichts bedeutet“. Kickl machte deutlich, dass er nur unter klaren politischen Voraussetzungen bereit wäre, Regierungsverantwortung zu übernehmen. „Wenn ich keinen Partner habe, der Verständnis dafür aufbringt, sondern wenn jemand glaubt, ich sitze da drin und mache weiter wie bisher, dann entspricht das nicht dem Anspruch, den ich an die Position des Bundeskanzlers stelle.“
Entsprechend kritisch fällt sein Fazit zur aktuellen politischen Lage aus: Österreich nehme derzeit „eine Talfahrt hin, wie wir sie jetzt erleben müssen“.
„Es geht sich nicht aus“
Im Interview berichtete Kickl auch von zahlreichen Gesprächen mit Bürgern im ganzen Land. Er sei „unter dem Radar der Öffentlichkeit“ unterwegs gewesen.
Dabei habe er immer wieder denselben Satz gehört: „Es geht sich nicht aus und es zahlt sich nicht aus.“ Viele Menschen würden beim Blick auf ihren Lohnzettel merken, dass ihr Einkommen immer weniger werde. Gleichzeitig stiegen die Preise. „Ich gehe ja selbst einkaufen, und das nicht im Meinl am Graben, wie es vielleicht andere tun“, sagte Kickl. Für immer mehr Geld liege immer weniger im Einkaufswagen. Das sei das Empfinden vieler Menschen.
Wenn Regierung und Experten gleichzeitig von wirtschaftlichem Aufschwung sprechen, steht das für viele Bürger im Widerspruch zu ihrer eigenen Erfahrung. Dieses „subjektive Empfinden der Menschen“ könne man nicht mit „irgendeiner zusammenfrisierten Statistik“ widerlegen.
Milliarden sparen – und neue Prioritäten setzen
Inhaltlich skizzierte der FPÖ-Chef auch mögliche Maßnahmen für den Fall einer Regierungsverantwortung. So sprach er sich beispielsweise dafür aus, Zahlungen an die Ukraine einzustellen und Gelder zurückzufordern, deren Verwendung unklar ist.
Auch im Inland sieht Kickl großes Sparpotenzial. So sollten Förderungen für NGOs gestrichen werden, ebenso wie „All-inclusive“-Leistungen im Asylbereich. Asylwerber sollten stattdessen auf eine medizinische Basisversorgung reduziert werden.
Insgesamt gehe es darum, staatliche Ausgaben umfassend zu überprüfen. „Was dieses Land braucht, ist eine Durchforstung aller Ausgaben auf ihre Sinnhaftigkeit.“ Auch das Förderwesen müsse mit einem „eisernen Besen” durchforstet werden. Es gibt zahlreiche Projekte, „von denen die Mehrheit der Österreicher nichts hat“, etwa solche mit „ideologischem oder klimareligiösem Hintergrund“.
Kickl: „Die Bevölkerung entscheidet“
Trotz scharfer Kritik zeigte sich der FPÖ-Chef überzeugt, dass sich die politische Stimmung weiter zugunsten seiner Partei entwickeln werde. Seit der Nationalratswahl habe die FPÖ sowohl bei den Parteiwerten als auch bei seinen persönlichen Zustimmungswerten „noch ordentlich zugelegt“.
Aus seiner Sicht könnte sich die politische Landschaft weiter zuspitzen.
Immer mehr Menschen würden erkennen, dass es bei der nächsten Wahl nur noch zwei politische Lager gebe: Auf der einen Seite „die Einheitspartei“, auf der anderen Seite die FPÖ. Wer könnte ihn also künftig zum Kanzler machen? Kickls Antwort fiel knapp aus: „Die Bevölkerung, Frau Laufer, so einfach ist das.“
Kommentare