Krieg im Nahen Osten: Trump spricht von Sieg über Iran
US-Präsident Donald Trump erklärt den Iran nach massiven Luftangriffen der USA und Israels für „vollständig besiegt“. Doch die Lage bleibt explosiv: Eine Rakete traf das Gelände der US-Botschaft in Bagdad, in mehreren Ländern der Region kam es zu neuen Angriffen und Todesopfern.
Der Iran ist nach den Worten von US-Präsident Donald Trump zwei Wochen nach Beginn der US-israelischen Luftangriffe “vollständig besiegt”. “Die Fake-News-Medien berichten nur ungern darüber, wie erfolgreich das US-Militär gegen den Iran vorgegangen ist, der vollständig besiegt ist und ein Abkommen wünscht”, schrieb Trump am Freitag auf seiner Onlineplattform Truth Social. Die angeblich von Teheran gewünschte Vereinbarung sei aber “kein Abkommen, das ich akzeptieren würde”.
Unterdessen ist auf dem Gelände der US-Botschaft in Bagdad am Morgen eine Rakete eingeschlagen. Sie habe einen Hubschrauberlandeplatz getroffen, meldete die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf zwei irakische Sicherheitsbeamte. Über dem Gelände steige eine Rauchsäule auf.
USA greifen Öl-Exportinsel Kharg an
Die USA haben nach Angaben Trumps “jedes militärische Ziel” auf der iranischen Insel Kharg angegriffen. “Aus Gründen des Anstands habe ich darauf verzichtet, die Ölinfrastruktur auf der Insel auszulöschen”, schrieb Trump am Freitag auf der Online-Plattform Truth Social. Das Central Command habe “einen der heftigsten Luftangriffe in der Geschichte des Nahen Ostens ausgeführt”und “jedes militärische Ziel auf dem Kronjuwel des Iran, der Insel Charg, vollständig ausradiert”. Sollte der Iran oder jemand anderes jedoch die freie und sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus behindern, werde er diese Entscheidung sofort überdenken.
Außerdem kündigte er einmal mehr an, US-Kriegsschiffe wurden “bald” Tanker durch die Straße von Hormus begleiten. Derzeit blockieren die iranischen Revolutionsgarden wegen dem Krieg mit den USA und Israel die für den weltweiten Öltransport wichtige Meerenge. Der Schiffsverkehr ist nahezu zum Erliegen gekommen. Das Pentagon schickt laut Medienberichten jetzt weitere Kriegsschiffe und Marine-Infanteristen in den Nahen Osten.
Der Iran exportiert 90 Prozent seines Rohöls über die Insel. Die iranischen Streitkräfte erklärten am Samstag nach dem Angriff der USA, dass jeder Angriff auf die iranische Öl- und Energieinfrastruktur zu Angriffen auf die Energieinfrastruktur von Ölkonzernen führen werde, die in der Region mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten, wie iranische Medien berichteten. Die US-Armee hat aber nach Angaben Trumps die Ölinfrastruktur nicht bombardiert.
Ölpreise weiter hoch
Trotz der gelockerten Sanktionen für russisches Erdöl bleiben die Ölpreise auf dem höchsten Niveau seit Jahren. Die Maßnahme der USA löste bei europäischen Partnern Kritik hervor – und sorgte am Ölmarkt für keine Entspannung. Im Gegenzug ließen Äußerungen aus den USA und dem Iran die Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende schwinden.
Am frühen Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Mai rund 103 US-Dollar und damit etwas mehr als am Vortag. Zum Vergleich: Vor Kriegsbeginn lag der Preis noch bei rund 73 Dollar. Die Marke von 100 Dollar pro Barrel hatten die Ölpreise zuletzt im Sommer 2022 geknackt.
Bomben und Tote in vielen Ländern der Region
Die Kampfhandlungen und Bomben blieben aber einmal mehr nicht auf den Iran beschränkt. Der Iran griff Israel mit ballistischen Raketen an, dabei wurde aber nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes Magen David Adom nach ersten Erkenntnissen niemand verletzt. Die Polizei erhielt nach eigenen Angaben Hinweise auf Trümmerteile, die im Süden Israels gelandet seien.
In Katars Hauptstadt Doha wurden angesichts der anhaltenden iranischen Angriffe “mehrere wichtige Gebiete evakuiert, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, bis die Gefahr vorüber ist”, erklärte Katars Innenministerium am Samstag.
Im Südlibanon starben bei einem israelischen Angriff auf ein Gesundheitszentrum nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens zwölf medizinische Mitarbeiter. Es wird noch nach Vermissten gesucht, die Zahl der Todesopfer in der Stadt Borj Qalaouiya könnte noch steigen. Bereits am Donnerstag hat die israelische Armee nach eigenen Angaben ein Mitglied der pro-iranischen Hisbollah-Miliz getötet, wie sie am Freitagabend bekanntgab.
Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte sind bei zwei israelischen Angriffen im Gazastreifen vier Palästinenser getötet worden, darunter zwei 17-Jährige. Zudem sei ein Palästinenser bei dem Beschuss durch einen israelischen Panzer in der Nähe eines Polizeikontrollpunkts in Chan Junis im Süden des Gazastreifens getötet worden. Mehrere weitere Menschen seien verletzt worden. Eine Stellungnahme des israelischen Militärs liegt zurzeit nicht vor.
Bei einem Raketenangriff auf ein pro-iranisches Ziel in Iraks Hauptstadt Bagdad ist Sicherheitskreisen zufolge ein Mensch getötet worden. Bei dem Angriff wurde ein von der pro-iranischen Kataeb Hisbollah genutztes Haus getroffen, wie die Nachrichtenagentur AFP am Samstag aus irakischen Sicherheitskreisen erfuhr. Eine “Schlüsselfigur” der vom Iran unterstützten paramilitärischen Gruppe wurde demnach bei dem Angriff getötet, zwei weitere Mitglieder der Gruppe wurden verletzt. Kurz darauf waren in Bagdad weitere Explosionen zu hören. Wie später aus Sicherheitskreisen verlautete, wurde bei einem weiteren Angriff auf ein Auto ein Mitglied der Hasched al-Schaabi getötet. Hasched al-Schaabi ist ein vom Iran unterstütztes Netzwerk ehemaliger Paramilitärs, die jetzt der regulären irakischen Armee angehören. Ein Vertreter der Hasched al-Schaabi sagte AFP, bei dem Getöteten handle es sich um ein Mitglied der einflussreichen Miliz Kataeb Hisbollah.
Wechselseitige Drohungen
Nicht nur aus dem Iran kommen Drohungen gegen Israel und die USA. Die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz im Libanon hat Israel mit einer “langen Konfrontation” gedroht. “Wir haben uns auf eine lange Konfrontation eingestellt”, sagte Hisbollah-Chef Naim Kassem am Freitag in einer Fernsehansprache. Die Israelis müssten mit “Überraschungen auf dem Schlachtfeld” rechnen, warnte der Hisbollah-Chef, während er von einem “existenziellen Kampf” sprach.
Auf US-Seite kündigte Verteidigungsminister Pete Hegseth ein gnadenloses Vorgehen im Krieg gegen den Iran an. “Wir werden weiter Druck machen, weiter vorrücken, weiter angreifen”, sagt Hegseth vor Journalisten in Washington. “Kein Pardon, keine Gnade für unseren Feind.” Der Befehl, “kein Pardon” zu geben, also das Leben eines sich ergebenden Gegners nicht zu schonen oder damit zu drohen, ist nach dem humanitären Völkerrecht verboten.
Hamas: Iran soll Angriffe auf Nachbarstaaten einstellen
Die islamistische Hamas rief unterdessen den Iran auf, die Angriffe auf Nachbarstaaten einzustellen. Die Terrororganisation bekräftigte in einer Mitteilung, Teheran habe das Recht auf israelisch-amerikanische Attacken zu reagieren. Die “Brüder im Iran” sollten jedoch davon absehen, ihre Angriffe auf Nachbarländer fortzusetzen. Seit Beginn des Iran-Kriegs melden die umliegenden Golfstaaten zahlreiche iranische Raketen- und Drohnenangriffe.
Die Hamas rief die Staaten in der Region auf, “zusammenzuarbeiten, um diese Aggression zu stoppen und die brüderlichen Beziehungen untereinander zu bewahren”. Der Iran unterstützte die Hamas jahrzehntelang finanziell und militärisch. Die Hamas unterhält zudem enge Beziehungen zum Golfstaat Katar.
KI-Beauftragter von Trump für rasches Kriegsende
Der KI-Beauftragte des Weißen Hauses, David Sacks, fordert ein Ende des US-Krieges gegen den Iran. “Dies ist ein guter Zeitpunkt, um den Sieg zu erklären und auszusteigen”, sagt Sacks in seinem “All-In Podcast” in Washington. Die USA hätten die militärischen Fähigkeiten des Iran geschwächt. Nun sollten die USA einen Ausweg aus der Situation finden. Wenn eine Eskalation zu nichts Gutem führe, müsse man darüber nachdenken, wie man deeskalieren könne. “Deeskalation, denke ich, beinhaltet das Erreichen einer Art Waffenstillstandsabkommen oder einer Art Verhandlungslösung mit dem Iran.”
UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher warnt vor den Folgen des Iran-Kriegs für dringend hilfsbedürftige Menschen. “Die Auswirkungen auf unsere lebensrettende humanitäre Arbeit werden immens sein. Millionen Menschen sind in Gefahr”, wurde Fletcher in einer Mitteilung seiner Organisation zitiert. Neben den Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung habe der Krieg auch Folgen für Märkte, Schifffahrts- und Flugrouten sowie Lebensmittelpreise – nicht nur in der Region, sondern weltweit.
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