Träger, Jets, Raketenabwehr: Washington schafft militärische Fakten. Nach übereinstimmenden Medienberichten hat die US-Navy den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln samt Begleitschiffen in den Nahen Osten entsandt – zur Verstärkung der Präsenz angesichts der Iran-Spannungen. Ein solcher Trägerverband ist keine Symbolpolitik, sondern echte Kriegsfähigkeit: Dutzende Bordflugzeuge, Tomahawk-Marschflugkörper auf Begleitschiffen und deutlich verkürzte Reaktionszeiten.

Parallel dazu wurden zusätzliche F-15E-Kampfflugzeuge in die Region geschickt – ein klassisches Muster vor möglichen Präzisionsschlägen. Auffällig ist zudem die Zunahme von Transport- und Tankerflügen Richtung Nahost. Militärbeobachter werten das als Aufbau von Munition, Ersatzteilen, Personalreserven und Logistik für einen längeren Einsatz.

Besonders brisant: Die USA haben ihre Patriot- und THAAD-Raketenabwehr in der Region verstärkt, um US-Stützpunkte und Partnerländer vor iranischen Raketen und Drohnen zu schützen.

US-Trägerverband in Formation: Washington baut die Infrastruktur für einen längeren Einsatz auf. Es rechnet mit massiver Gegenwehr des Iran.GETTYIMAGES/Stocktrek Images

Kurz: Washington rechnet nicht mit einem sauberen Kurzschlag – sondern mit massiver Gegenwehr.

Geheime Abstimmung mit Israel: CENTCOM-Chef in Jerusalem

Ein weiteres Signal, dass Washington die Lage ernst nimmt: Der Chef des US-Zentralkommandos CENTCOM reiste zuletzt nach Israel. CENTCOM ist das Nahost-Kommando der USA – zuständig für die US-Einsätze und Militärplanung von der Golfregion bis zum Roten Meer.

Die USS Abraham Lincoln passiert die Straße von Hormus – ein strategisches Signal an Teheran.APA/AFP/US NAVY/Zachary PEARSON

Solche Besuche sind mehr als Höflichkeit: In Militärkreisen gelten sie als Hinweis auf konkrete Einsatzabstimmung – von gemeinsamer Luftverteidigung über die Koordination möglicher Ziele bis zur Vermeidung gefährlicher Zwischenfälle im Luftraum, falls US- und israelische Maschinen gleichzeitig operieren.

„Der Krieg mit dem Iran ist unmittelbar bevorstehend“

Warum das militärische Aufgebot der Amerikaner so massiv ist, machen die Ausführungen des israelischen Brigadier Generals (Res.) Amir Avivi, Gründer des israelischen Sicherheits-Think-Tanks Israel Defense and Security Forum (IDSF), deutlich. Er rechnet fest mit einem Krieg, in dem Teheran alle Register zieht.

In einem aktuellen Video-Briefing warnt Avivi vor einer direkten Eskalation mit dem iranischen Regime: „Ich denke, der Krieg mit dem Iran ist unmittelbar bevorstehend. Wir sprechen von Tagen oder Wochen.“

Noch brisanter ist, was er als Ziel und Konsequenz einer Eskalation skizziert: „Wir blicken auf den kommenden Krieg mit dem Iran mit dem Zweck, dieses Regime zu stürzen und einen Regimewechsel im Iran herbeizuführen.“

Netanyahu, Khamenei, Trump: Der geopolitische Showdown um den Iran spitzt sich dramatisch zu.APA/AFP/IRANIAN SUPREME LEADER'S WEBSITE/SAUL LOEB

Regime als schwach und illegitim

Avivi beschreibt das iranische Regime als massiv geschwächt: „Es hat seine Legitimität international und auch innenpolitisch verloren.“ Man wisse bereits: „Sie haben Zehntausende Iraner massakriert.“ Zugleich könne Teheran nicht mehr die Grundbedürfnisse der Einwohner sichern: „Sie können nicht einmal Wasser, Strom oder eine stabile Währung bereitstellen.“

Stattdessen flössen alle Ressourcen in Aufrüstung: „All ihre Energie, all ihr Geld, all ihre Technologie fließen in ballistische Raketen, Drohnen und nukleare Fähigkeiten.“ Avivis Fazit: „Dies ist ein historischer Moment. Diesmal kann sich wirklich alles verändern.“

US-Jets im Einsatz: Die militärische Option gegen Iran wird real.APA/AFP/Navy Office of Information/Dan SNOW

Drei Wege in den Krieg

Avivi skizziert drei Eskalationsszenarien:

1) Iran greift zuerst an
„Sie wollen Rache. Sie wollen Israel beschießen. Sie wollen amerikanische Stützpunkte beschießen.“ Israels Worst Case: „Sie könnten uns mit sehr, sehr vielen ballistischen Raketen überfluten.“

2) Israel schlägt präventiv zu
„Israel sagt: Wir können nicht auf die USA warten, wir müssen einen Präventivschlag durchführen.“

US-Trägerverband im Arabischen Meer: Das von Israel bevorzugte Szenario ist ein US-geführter Schlag gegen Iran.APA/AFP/Brian WILBUR/Navy Office of Information

3) US-geführter Angriff
„Das beste Szenario ist ein von den USA geführter Angriff auf das Regime – mit israelischer Unterstützung.“

Unabhängig vom Ablauf: „In jedem Szenario wird der Iran zurückschlagen.“

Ziel: Regimesturz durch Militärschlag

Anders als nach dem israelisch-iranischen Zwölf-Tage-Krieg im Juni 2025 rechnet Avivi diesmal fest mit einem Umsturz: „Ich hoffe, dass wir nach diesem unmittelbar bevorstehenden Angriff den Sturz des Regimes sehen.“ Er verweist auf die blutige Niederschlagung von Protesten: „Sehr mutige Männer und Frauen sind mit bloßen Händen auf die Straße gegangen – und wurden erschossen.“

Kriegsvorbereitung auf See: US-Trägerverband in Marschformation.GETTYIMAGES/Stocktrek Images

Ein US-Angriff könne die Revolte entfachen: „In dem Moment, in dem die USA einen Angriff durchführen, wird es einen Aufruf geben, die Machtzentren dieses Regimes zu stürmen.“ Avivi ist überzeugt: „Das wird passieren.“

Mehrfrontenkrieg: Hisbollah, Houthis, Cyber, Terror

Parallel droht eine regionale Explosion: „Der iranische Außenminister hat die Hisbollah im Libanon angewiesen, Israel zu beschießen, falls Iran erneut angegriffen wird.“ Teheran habe klargemacht: „Wir werden diese Realität kein zweites Mal akzeptieren.“

Avivi rechnet mit einer Mobilisierung aller iranischen Stellvertreter: „Die Iraner werden versuchen, all ihre Proxys zu mobilisieren – Hisbollah, Houthis, Milizen im Irak – dazu Cyberangriffe und Terroranschläge.“ Israels Drohung: „Wenn die Hisbollah Israel beschießt, wird diese Organisation an den Rand der Zerstörung gebracht werden.“

Globale Terrorgefahr: Mossad in Alarmbereitschaft

Auch außerhalb des Nahen Ostens droht Eskalation: „Die Iraner operieren weltweit.“ Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad überwache Hinweise auf Anschläge gegen jüdische Gemeinden und israelische Touristen: „Sobald der Krieg beginnt, müssen wir sehr wachsam sein.“

Startbereit für den Ernstfall: F/A-18 Super Hornet auf der USS Abraham Lincolne.APA/AFP/POOL/LEE JIN-MAN

Trump, USA – und ein neuer Naher Osten

Avivi sieht auch Washington klar positioniert: „Präsident Trump ist entschlossen, dieses Regime zu stürzen.“ Und weiter: „Gemeinsam werden die USA und Israel diesen Krieg entscheidend gewinnen und dieses Regime zu Fall bringen.“

Sein Ausblick: „Nach diesem Krieg wird es eine völlig andere Realität im Nahen Osten geben – und ganz sicher für Israel.“