Kriminalität ja – aber ohne Muslime? TV-Gast erklärt neue Islamophobie-Definition
Darf man über Kriminalität noch offen sprechen, wenn Milieu oder Religion eine Rolle spielen? In Großbritannien droht genau das zur roten Linie zu werden: Eine umstrittene Islamophobie-Definition soll „Stigmatisierung“ verhindern. Im TV verteidigt Kommentatorin Fahima Mahomed die geplanten Regeln – und zeigt, was künftig heikel wird.
Fahima Mahomed im TV: Über Kriminalität sprechen ja – aber ohne kollektive Zuschreibungen an Muslime.X/gbnews.com
Ausgangspunkt der britischen Debatte ist die sogenannte APPG-Islamophobie-Definition, die von der Labour-Partei übernommen wurde und nun politisch diskutiert wird. APPG steht für All-Party Parliamentary Group, parteiübergreifende Arbeitsgruppen im Parlament. Die 2018 von der APPG vorgelegte Definition stuft Islamophobie als eine Form von Rassismus ein, die sich gegen „Ausdrucksformen von Muslimsein“ oder „wahrgenommenes Muslimsein“ richtet.
In der Sendung betonte die britische TV-Kommentatorin Fahima Mahomed, über Straftaten müsse selbstverständlich gesprochen werden. Entscheidend sei jedoch, dass diese nicht einer gesamten religiösen Gemeinschaft zugeschrieben werden. Herkunft und Religion dürften nicht zum zentralen Erklärungsfaktor für Kriminalität werden. Sinngemäß: Die Definition erlaubt die Benennung von Verbrechen – untersagt aber deren kollektive Zuschreibung.
"The term 'grooming gang' is racist to Muslims" pic.twitter.com/fTW7ZvP4DN
— Peter Lloyd (@Suffragent_) December 27, 2025
Terrorismus: nüchterne Zahlen, heikle Debatte
Die Sicherheitsbehörden arbeiten allerdings mit Statistiken. Nach offiziellen Angaben der britischen Counter Terrorism Policing entfallen rund 60 Prozent der verurteilten Terroristen im Vereinigten Königreich auf islamistisch motivierte Täter. Gemeint ist dabei keine Religion als solche, sondern eine ideologisch definierte Tätergruppe.
Genau hier beginnt der politische Konflikt: Dürfen solche Zahlen öffentlich benannt und diskutiert werden, ohne dass dies bereits als stigmatisierend gilt? Oder geraten selbst nüchterne Behördenstatistiken unter Generalverdacht? Kritiker warnen vor Zensur.
Grooming-Gangs: ein besonders sensibles Feld
Besonders brisant ist die Debatte rund um sogenannte Grooming-Gangs – also gruppenbasierte Fälle sexueller Ausbeutung von Minderjährigen. In mehreren britischen Städten, darunter Rotherham, Rochdale und Telford, wurden schwere Missbrauchsskandale bekannt. In vielen Fällen griffen Behörden über Jahre zu spät ein.
Untersuchungen zeigen: Zahlreiche Täter stammen aus pakistanisch-muslimischen Milieus. Gleichzeitig räumen britische Stellen ein, dass Ethnizität und Religion vieler Täter statistisch nicht vollständig erfasst wurden. Diese Datenlücken machen jede Einordnung politisch hochsensibel – und tragen wesentlich zur Eskalation der Debatte bei.
Der Grooming-Skandal wurde auch in der TV-Sendung angesprochen: Mahomed warnte ausdrücklich davor, in diesem Zusammenhang pauschal von „Muslimen“ oder „Islam“ zu sprechen. Das schüre Spannungen gegenüber einer gesamten Gemeinschaft. Straftaten müssten benannt werden – aber nicht auf diese Weise.
Österreich: ähnliche Muster, andere Statistikprobleme
Auch in Österreich zeigt die Kriminalstatistik seit Jahren, dass Migranten – häufig aus muslimisch geprägten Herkunftsländern – bei bestimmten Sexualdelikten deutlich überrepräsentiert sind. Diese Feststellungen erfolgen deskriptiv, nicht anklagend.
Zugleich gilt auch hier: Religion wird offiziell nicht systematisch erfasst, sondern Staatsangehörigkeit. Die politischen Interpretationen unterscheiden sich – die statistischen Befunde sind eindeutig.
Analyse oder Tabu?
Mahomed plädierte dafür, Kriminalität stärker über soziale, psychische und sozioökonomische Faktoren zu erklären. Herkunft dürfe erwähnt werden, solle aber nicht im Zentrum stehen. Statt öffentlicher Zuspitzung brauche es mehr Forschung und Differenzierung.
Kurz: Straftaten dürfen benannt werden. Statistiken dürfen existieren. Doch die Verbindung zwischen Kriminalität und muslimischen Milieus wird von bestimmten Aktivisten und Parteien zunehmend problematisiert.
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