„Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand“, sagt er. Was wie ein Sprichwort klingt, beschreibt für ihn einen sehr realen Kontrollverlust. Besonders zermürbend, so Kurz, seien nicht die Vorwürfe selbst gewesen, sondern der permanente Abwehrmodus. Ein erheblicher Teil seines Alltags bestand darin, sich gegen Anschuldigungen zu verteidigen, deren Haltlosigkeit nun durch das Gericht bestätigt wurde. Sein Rücktritt, erklärt er, war keine Folge von Zweifeln an der eigenen Integrität, sondern die Konsequenz aus einem zermürbenden Dauer-Infight, der nichts mehr mit dem zu tun hatte, wofür er Politik machen wollte.

Kurz spricht auch die Rolle der Justiz an und die Gefahr, dass Verfahren politisch instrumentalisiert werden – mit gravierenden Folgen für das Vertrauen in die Institutionen. Eine steile These, die jedoch eine grundsätzliche Frage berührt: Wie stabil bleibt ein System, wenn Strafverfahren und öffentliche Meinung sich gegenseitig verstärken, noch bevor ein Urteil gesprochen ist?

Am Ende wird das Gespräch leiser. Nach Ämtern, internationaler Bühne und Dauerkrise bleibt für ihn etwas anderes entscheidend: „Relevant ist, dass meine Kinder gesund sind.“ Nicht das Amt, nicht die Schlagzeile, sondern die persönlichen Werte geben den Halt.

Ein Gespräch über Führung unter Druck, öffentliche Verantwortung und die persönliche Standfestigkeit, die am Ende Recht behalten hat. Das vollständige Interview ist im Podcast FREYSPRUCH zu sehen.

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