Sebastian Kurz bewertet den Abgang von Nicolás Maduro als historischen Einschnitt: Mit Maduro sei „ein illegitimer und brutaler Diktator“ verschwunden – „nicht nur großartige Nachrichten für die Menschen in Venezuela, sondern für die gesamte freie Welt“, so Kurz (Übersetzung). Er räumt zwar ein, dass „viele über einzelne Handlungen und das Spektakel diskutieren“ würden – drängt aber darauf, das „größere Bild“ zu sehen: Trumps Außenpolitik werde gerade als strategisch erkennbar.

Konkret nennt Kurz zwei zentrale Punkte. Erstens, so seine These, zerbröckle „von Teheran bis Caracas die Achse ideologischer Fundamentalisten“. Damit verknüpft Kurz Trumps Kurs nicht mit Zufall oder Show, sondern mit einer Entwicklung, die er als geopolitische Verschiebung interpretiert. Zweitens argumentiert er ökonomisch: Der „wiedergewonnene Zugang zu Venezuelas Ölreserven – den größten der Welt“ werde „den Ölpreis wahrscheinlich unter 50 Dollar drücken“. Kurz betont ausdrücklich, dass das aus seiner Sicht gleich zwei Effekte hätte: Es setze „Moskau mehr unter Druck als jede Sanktion“ und stärke gleichzeitig die US-Wirtschaft.

Babler kritisiert

Auf dieser Grundlage weist Kurz den Vorwurf zurück, Trumps Außenpolitik sei unberechenbar oder rückzugorientiert. Sein Fazit fällt überraschend klar aus: Trumps Außenpolitik sei „weder erratisch noch isolationistisch“, vielmehr folge sie „einer klaren Strategie“ und sei „nach ihren eigenen Maßstäben tatsächlich ziemlich erfolgreich“. Kurz’ Kernaussage ist damit eine politische Kampfansage an all jene, die Trumps Linie reflexartig als Chaos abtun.

Während Kurz Trumps Vorgehen im Fall Maduro als „klare Strategie“ und „erfolgreich“ beschreibt, kommt aus der österreichischen Regierung scharfer Widerspruch. Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) verurteilte den bewaffneten Angriff der USA auf Venezuela und sprach von einer „schweren Verletzung des Gewaltverbots der UNO-Charta“. „Wir müssen die Flagge der internationalen Rechtsstaatlichkeit hochhalten“, schrieb Babler auf X. Er warnte zudem, die Welt bewege sich „im Rückwärtsgang“, internationale Strukturen lösten sich „vor unseren Augen“ auf – Europa müsse ein Gegenmodell bieten, „das das Recht des Stärkeren nicht zur politischen Methode macht“.

Stocker bleibt allgemein

Auch ÖVP-Kanzler Christian Stocker rief zur Deeskalation auf und schrieb auf X: „Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen müssen eingehalten werden.“ Kritisch daran ist weniger der Inhalt als die Leerstelle dahinter: Stocker bleibt bei einem allgemeinen Appell, ohne zu sagen, wie Österreich in dieser Lage konkret reagieren will – politisch, diplomatisch oder gemeinsam mit EU-Partnern. Parallel wurde im Außenministerium ein Krisenstab eingerichtet: wichtig fürs Krisenmanagement, aber kein Ersatz für eine erkennbare Linie gegenüber Venezuela.