Lamborghini, Palmen, Rolls-Royce: US-Skandal um Kinder-Essensgelder eskaliert
Was als Corona-Nothilfe für hunderttausende hungernde Kinder gedacht war, endete in Luxusresorts und Sportwagen. Neue Gerichtsakten belegen Betrug historischen Ausmaßes im Umfeld der somalischen Community in Minnesota. Der Skandal um veruntreute Kinder-Essensgelder entpuppt sich als Goldgrube für Betrüger.
Der Betrüger Liban Alishire kaufte mit seinen gestohlenen Geldern ein Resort in Kenia.Department of Justice/Karibu Palms Resort/Facebook
Strandresort mit Palmen und Pool. VIP-Suiten mit Kingsize-Betten. Privatkoch auf Abruf. Lamborghini und Rolls-Royce um 2.000 Dollar pro Tag. Luxuswohnungen in Nairobi und an der türkischen Mittelmeerküste. Millionen für Schmuck, Designer-Taschen und Vegas-Trips.
Bezahlt wurde all das nicht von Millionären – sondern mit Steuergeldern für hungernde Kinder.
Der größte Sozialbetrug der US-Geschichte, über den der exxpress bereits berichtet hat, weitet sich weiter aus. Neue Gerichtsakten zeigen, wie hemmungslos die Täter lebten, während sie dem Staat erfundene Essensausgaben präsentierten. Die Drahtzieher und Profiteure stammen überwiegend aus der somalischen Community in Minnesota. „Das sind die Lebensstile der Reichen – und Schamlosen“, kommentiert die New York Post.
Luxus, Protz und Machtfantasien – finanziert mit Kinder-Geldern
Während Behörden glaubten, tausende Kinder täglich mit Mahlzeiten zu versorgen, flossen Hunderte Millionen Dollar in einen Lebensstil, der selbst für Hollywood-Stars extravagant wäre. Einer der verurteilten Betrüger investierte 350.000 Dollar aus den veruntreuten Geldern in ein Luxus-Strandresort in Kenia. Swimmingpool, Palmen, voll ausgestattete Cottages, Highspeed-WLAN, Smart-TV mit Netflix – Gäste konnten sich sogar einen Privatkoch leisten. Eine Nacht in der VIP-Suite kostete umgerechnet rund 155 Dollar.
Ein anderer Täter errichtete mit dem Betrugsgeld ein vierstöckiges Luxus-Apartmenthaus in Nairobi. Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen, Fitnessstudio, großzügige Parkflächen – Baukosten rund eine Million Dollar.
Ein TikToker in Kenia zeigte sich in einem viral gegangenen Video fassungslos über die neu entstehenden Gebäude und sagte: „Die Somalier haben Geld. Diese Leute haben Geld. Somalier, verratet mir euer Geheimnis!“
Lamborghini, Rolls-Royce und ein Millionengehalt für den Freund
Besonders empörend ist der Lebensstil der mutmaßlichen Drahtzieherin des Systems. Während sie dem Staat gefälschte Abrechnungen über angeblich ausgegebene Mahlzeiten vorlegte, zahlte sie ihrem damaligen Freund ein Schein-Gehalt von einer Million Dollar. Gemeinsam mietete das Paar Lamborghinis, Rolls-Royce und andere Luxusautos – Kostenpunkt bis zu 2.000 Dollar pro Tag.
Dazu kamen regelmäßige Luxusreisen nach Las Vegas und Graceland, Designer-Handtaschen, Diamantketten, Luxusuhren. Allein für Schmuck und Autos soll der Mann 680.000 Dollar ausgegeben haben. Er prahlte in sozialen Medien offen mit dem gestohlenen Reichtum.
And here it is:
— 🇺🇸RealRobert🇺🇸 (@Real_RobN) October 28, 2025
NGO.
Aimee Bock, founder of Non-Governmental, Government Extorted Organization:
Feeding Our Future which was accused of conspiring to steal $250 MILLION in taxpayer dollars found guilty on 7 counts including wire fraud, federal programs bribery, and money… pic.twitter.com/reIMJaNAVy
Wofür die Gelder eigentlich gedacht waren – und warum der Betrug so perfide ist
Bei den veruntreuten Geldern handelte es sich nicht um allgemeine Sozialhilfe, sondern um zweckgebundene Bundesmittel aus Programmen des US-Landwirtschaftsministeriums. Der Staat erstattete Organisationen jede tatsächlich ausgegebene Mahlzeit für bedürftige Kinder – insbesondere während der Covid-Schulschließungen, als Millionen Schüler kein Schulessen mehr bekamen. Die Programme waren als Notversorgung gegen Kinderhunger gedacht.
Die Täter nutzten genau dieses System aus. Sie reichten gefälschte Listen, erfundene Essenszahlen und manipulierte Abrechnungen ein. Ermittler gehen davon aus, dass an vielen angeblichen Ausgabestellen kaum oder gar keine Mahlzeiten verteilt wurden.
Der Fall Liban Yasin Alishire
Einer der auffälligsten Profiteure des Skandals ist Liban Yasin Alishire. Der heute 43-Jährige bekannte sich 2023 wegen Überweisungsbetrugs und Geldwäsche schuldig. Mit den veruntreuten Geldern aus dem Kinderernährungsprogramm finanzierte Alishire einen Lebensstil, der mit dem eigentlichen Zweck der Mittel nichts mehr zu tun hatte: Rund 350.000 Dollar aus den erschwindelten Zahlungen investierte er in ein Luxusresort in Kenia.
Das Anwesen bot laut Angaben Bungalows und Studio-Apartments, einen Swimmingpool sowie die Möglichkeit, einen persönlichen Privatkoch zu engagieren. Während Behörden glaubten, Essensprogramme für bedürftige Kinder zu finanzieren, flossen die Mittel in Palmen, Pools und Komfort am Indischen Ozean.
Luxus-Immobilien in Nairobi – bezahlt mit erfundenen „18 Millionen Mahlzeiten“
Besonders krass ist auch der Fall Abdiaziz Shafii Farah: Er wurde bereits 2024 zu 28 Jahren Haft verurteilt und muss laut Urteil fast 40 Millionen Dollar zurückzahlen. Mit dem betrügerisch ergaunerten Staatsgeld stilisierte sich Farah zum Immobilien-Macher – als wäre er ein seriöser Investor.
Der damals 36-Jährige hatte Behörden dreist vorgespielt, er habe in Minnesota – dem „Land der 10.000 Seen“ – an über 30 Standorten insgesamt 18 Millionen Mahlzeiten an bedürftige Kinder ausgegeben. Tatsächlich floss ein Teil der Beute in ein Prestigeprojekt in Afrika: Gemeinsam mit weiteren Investoren ließ Farah in Nairobi die „Capital View Apartments“ errichten – ein luxuriöses vierstöckiges Wohnhaus im Wert von rund 1 Million US-Dollar. Laut Website umfasst der Komplex Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen, ein Fitnessstudio und „ausreichend Parkplätze“.
Millionen auch in der Türkei und an anderen Orten verprasst
Eine weitere verurteilte Betrügerin kassierte über fünf Millionen Dollar, nachdem sie behauptet hatte, in ihrem Restaurant 1,7 Millionen Mahlzeiten ausgegeben zu haben. Ein Teil des Geldes floss in eine 365.000-Dollar-Wohnung an der türkischen Mittelmeerküste.
Mehr als 250 Millionen Dollar weg – und das soll erst der Anfang sein
Offiziell wurden laut US-Justizministerium nachweislich mehr als 250 Millionen Dollar im „Feeding Our Future“-Skandal gestohlen. Doch Ermittler und Anwälte schlagen Alarm: Der Schaden könnte um ein Vielfaches höher liegen.
Ein führender Anwalt schätzt, dass allein im Bundesstaat Minnesota bis zu 9 Milliarden Dollar durch Sozial- und Förderbetrug verschwunden sein könnten – mit deutlichen Schwerpunkten im Umfeld derselben Community und Netzwerke.
Kinderhunger wurde zum Geschäftsmodell. Das System wurde zur wohl größten Betrugsmaschine mit Sozialgeldern in der US-Geschichte. Was als Corona-Nothilfe für bedürftige Kinder gedacht war, wurde zu einem Selbstbedienungsladen für Luxus, Protz und Macht.
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