Die am 1. April in Kraft tretende Novelle des Bundesministeriengesetzes verhindere einen derartigen Fall aber nicht, sagen Rechtsexperten. Im Regierungsprogramm wurde festgeschrieben, dass dessen Inhalte gemeinsam zu vertreten seien – sowohl in der Bundesregierung, im Parlament “und als österreichische Positionierung in den Organen der Europäischen Union”. “Wichtige Entscheidungen der Koalitionspartner werden gemeinsam getroffen und gemeinsam in der Öffentlichkeit vertreten”, heißt es im ÖVP-SPÖ-NEOS-Programm. “Die im Rat der Europäischen Union und im Europäischen Rat vertretenen wichtigen Positionen werden rechtzeitig unter den Koalitionspartnern im Vorhinein abgestimmt.”

Die Salzburger ÖVP-Bundesrätin Andrea Eder-Gitschthaler sagte laut Parlamentskorrespondenz im Bundesrat, im Bundesministeriengesetz sei festgeschrieben, dass jede Abstimmung einer Ministerin oder eines Ministers auf EU-Ebene die vorherige Zustimmung der Bundesregierung brauche. Damit könnten Probleme, die in der vergangenen Legislaturperiode aufgetreten seien, künftig vermieden werden.

"Fall Gewessler" wird laut Juristen nicht verhindert

Laut den Verfassungs- und Europarechtsexperten Walter Obwexer und Franz Leidenmühler könne die jüngst verabschiedete Novelle des Bundesministeriengesetzes (BMG) einen neuen “Fall Gewessler” aber nicht verhindern. Laut Obwexer wurden mit dem neuen BMG eine Reihe Verbesserungen im Bezug auf die EU-Agenden vorgenommen, der relevante Paragraf fünf des BMG, der im Fall des EU-Renaturierungsgesetzes für Unklarheit gesorgt habe, sei aber unverändert geblieben.

Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen zwei Ministerien, wer zum Beispiel bei einem bestimmten EU-Gesetz zuständig ist, “kann” die Angelegenheit der Bundesregierung zur Beratung vorgelegt werden. Der Verfassungsexperte der Universität Innsbruck hätte hier empfohlen, den Paragrafen so zu ändern, dass die Angelegenheit der Bundesregierung vorgelegt werden muss. “Wäre das Gesetz so formuliert gewesen, dann hätte Leonore Gewessler das der Bundesregierung vorlegen müssen, bevor sie im Rat abstimmt”, so Obwexer.

Der Jurist spricht sich grundsätzlich dafür aus, das BMG, das in seiner ursprünglichen Form aus dem Jahr 1986 stammt, grundlegend neu aufzusetzen. Das sei aber kein Vorwurf an die Regierung, da diese das BMG unter Zeitdruck novellieren musste, um ihre Arbeit aufnehmen zu können. In dem Gesetz werden unter anderem die Zuständigkeiten der Ministerien festgelegt.

Keine Auswirkung auf EU-Ebene

Der Europarechtler der Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU), Franz Leidenmühler, weist aber darauf hin, dass das BMG nur die Regeln innerhalb der österreichischen Regierung festlegen könne. Auch bei einer strengeren Regelung gelte weiterhin, dass die Stimme einer Ministerin oder eines Ministers im Rat der Europäischen Union gilt. Auch wenn dies nicht der Position der Bundesregierung entspricht, werde das entsprechende EU-Gesetz dadurch nicht ungültig. Eine Ministerklage hätte aber dann eine bessere Aussicht auf Erfolg.

Leidenmühler warnt aber davor, den Ministerinnen und Ministern bei Abstimmungen im Rat (der EU) ein zu enges Korsett anzulegen, da hierdurch Verhandlungsspielräume eingeschränkt würden.

Regierung will Details in Koordinationsausschuss-GO klären

Im Büro der Europaministerin Claudia Plakolm (ÖVP) verweist man gegenüber der APA auf die noch ausstehende Geschäftsordnung (GO) des Koordinationsausschuss der Regierung. Darin solle auch die innerkoalitionäre Abstimmung in EU-Fragen genauer festgelegt werden. (APA/red)

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Kommentare

  • Uhu sagt:

    Die Demokratie restlos auszuhebeln war das klare Hauptziel des EU-Beitritts. Wahlen werden abgehalten, weil sie nichts bewirken. Notfalls würden Parteien verboten. Das ist nicht notwendig, weil die Mehrheit der Wähler am Stockholm Syndrom leidet.

  • Gültig „gegen“ Grün, ÖVP, SPÖ und NEOS wählen und Freundschaft mit Russland! 🤩 ÖXIT und der Weg wird frei für den Weltfrieden. ☮️ sagt:

    Gültig „gegen“ Grün, ÖVP, SPÖ und NEOS wählen.

    Das löst einige Probleme.

    ———

    »»»Achtung««« Hier treibt ein linker Spinner sein Unwesen. Er verbreitet unter fremde Profilnamen seine Linkspropaganda und spammt mit Kommentarkopien die Kommentarfunktion voll.

    Der „Linksfanatiker“ will hier die Kommentarfunktion stören.

    Den Profilnamenfälscher lache ich nur noch aus. 🤣️

    0× „kritischer Fehler“

  • GF 99 sagt:

    Keine Sorge. Diese Regierung wird eh immer so abstimmen wie es Brüssel wünscht.

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  • Spaghetti007 sagt:

    Lass uns in Ruhe und erspar und deine unbrauchbaren Analseufzer

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  • Dalons sagt:

    Haha, die “Europaministerin” aus Oberösterreich verweist auf irgendeine “Geschäftsordnung”. Nur ist die rechtlich nicht bindend und irrelevant. Lustig, dass die Versager-Partei noch immer glaubt, die Bürger täuschen und manipulieren zu können. Das funktioniert vielleicht bei einem Dorffest mit alkoholisierten Hascheeknödln, aber darüber hinaus schon längst nicht mehr.

  • Der Islam sagt:

    Egal, aus Österreich, die FPÖ “liebt” ja den Islam sehr, deswegen habe ich mich als “Der Islam” benannt!

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  • ganz wurscht sagt:

    die Regier.ung arbeitet auch als 3er Koalition gegen die Bürger.

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  • sakra sagt:

    Diese grüne “Person” ist gottseidank polit. Geschichte, und gehört eigentlich. selbst renaturi..t !

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    1. Jan sagt:

      Die Leonore Gewessler war für Grüne die beste Ministerin in Österreich! Sie soll wieder Klimaschutzministerin werden, die Autofahrer sind mir egal!

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  • Das Problem hätte es nie gegeben sagt:

    wenn der Schmähhammer sie “entlassen” hätte. Aber die ÖVP-Eliten haben es absichtlich zugelassen!

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    1. Epizentrum sagt:

      Es war so, die ÖVP-Eliten haben es sich falsch gedacht, dass Grün-Wähler sich über die Gewessler auch ärgern dürften und die Grünen abwählen täten, wie 2017, das war diesmal nicht der Fall, weil die Grünen, ein anderes und gutes Wahlprogramm haben, als die anderen Parteien, das Renaturierung-Gesetz und der Baustopp für den Lobau-Tunnel sind um Wahlprogramm der Grünen zu lesen und daher hatten Grün-Wähler sich über die Gewessler gefreut und die meisten Grün-Wähler von 2019, auch wegen der Gewessler 2024 wieder die Grünen gewählt!

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  • EU-Ablehnerin sagt:

    Ein Austritt aus der EU, wäre das Beste für Österreich! Diese EU hat über Jahre Österreich nichts gebracht, außer Probleme, den Verlust der eigenen Souveränität!

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