Der Jubel kommt nicht aus der politischen Mitte, sondern aus dem radikal-progressiven Kern der US-Linken – und genau das macht diesen Start so explosiv.

Alexandria Ocasio-Cortez, Leitfigur des linken Flügels der Demokraten, spricht bei der Amtseinführung von einer „neuen Ära“. New York habe sich für „Mut statt Angst“ entschieden und für eine Politik, die Reiche stärker belastet und den Staat massiv ausbaut. Ihre Botschaft an Millionen Anhänger ist eindeutig: Mamdani ist ein Vorzeigeprojekt der amerikanischen Linken.

Zohran Mamdani wird von Bernie Sanders vereidigt, seine Frau hält den Koran – New York, 1. Jänner 2026.APA/AFP/ANGELA WEISS

Neben ihr steht Bernie Sanders, der politische Vater des amerikanischen Sozialismus. Er erklärt offen, Mamdanis Kurs sei „nicht radikal, sondern notwendig“. Sein Auftritt macht klar: Dieser Bürgermeister ist Teil eines nationalen linken Projekts – nicht bloß ein kommunaler Verwalter.

Bejubelt wird Mamdani auch von Aktivisten der demokratischen Sozialisten. Sie feiern ihn ausdrücklich dafür, dass er sich nicht von radikalen Positionen distanziert hat – auch nicht in der Israel-Frage. Für sie ist Mamdani der Beweis, dass man Wahlen gewinnen kann, ohne rote Linien zu ziehen.

Die Einführung: Unterirdisch – im wörtlichen Sinn

Noch bevor Mamdani öffentlich vor dem Rathaus erscheint, findet eine erste Vereidigung statt – in einer stillgelegten U-Bahn-Station unter dem Rathaus, kurz nach Mitternacht.

Er legt seinen Amtseid auf den Koran ab. Für Unterstützer ein Zeichen von Vielfalt. Für Kritiker eine bewusste Provokation: Religion als politisches Symbol, ins Zentrum gerückt – an einem Ort, der buchstäblich unter der Stadt liegt. Der Start wirkt nicht verbindend, sondern programmatisch und markierend.

Hamas-Umfeld: Der Skandal um den Ehrengast

Besonders brisant wird es mit Blick auf die Gäste der Amtseinführung. Nach übereinstimmenden Berichten war Mahmoud Khalil als Ehrengast im Rathaus anwesend. Khalil war zuvor eine zentrale Figur bei aggressiven pro-palästinensischen Protesten an der Columbia University, bei denen Hamas-nahe Narrative verbreitet wurden.

Khalil wurde in diesem Zusammenhang von US-Einwanderungsbehörden festgenommen, stand im Fokus von Ermittlungen wegen möglicher Aufstachelung im Umfeld dieser Proteste und wurde später von einem Richter freigelassen. Eine Verurteilung liegt nicht vor – doch die Symbolik bleibt. Die Kritik lautet: Warum erhält ein Mann mit dieser Vorgeschichte ausgerechnet am ersten Tag der neuen Amtszeit einen Ehrenplatz im Rathaus?

Hamas-Rhetorik: Mamdanis Muster der Grenzverwischung

Die Einladung Khalils ist kein Ausrutscher, sondern fügt sich in ein wiederkehrendes Muster. Mamdani hat sich in der Vergangenheit geweigert, den Slogan „Globalize the Intifada“ klar zu verurteilen – eine Parole, die weltweit als Aufruf zur Gewalt verstanden wird und historisch mit Terroranschlägen gegen Juden verbunden ist.

Statt einer eindeutigen Distanzierung sprach Mamdani von „politischem Ausdruck“ und warnte davor, Proteste zu kriminalisieren. Für Kritiker ist genau das der Kern des Problems: keine klare Trennung zwischen legitimer Kritik und gewaltlegitimierender Rhetorik.

Applaus vor dem Rathaus: Zohran Mamdanis umkämpfter Start als Bürgermeister.APA/AFP/ANGELA WEISS

Auch nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober fiel Mamdani durch Stellungnahmen auf, die zwar Leid beklagten, jedoch stark auf „Kontext“, „Zyklen der Gewalt“ und „beide Seiten“ fokussierten – ohne Hamas klar als Täter zu benennen. Früh forderte er Waffenruhen, während das Ausmaß der Massaker noch kaum thematisiert war. Dieses Muster der Grenzverwischung macht die Einladung Khalils politisch hochbrisant.

Der Chefjurist: Al-Kaida-Verteidiger an der Spitze der Stadtjustiz

Noch explosiver ist Mamdanis Personalentscheidung für die juristische Schaltstelle der Stadt. Zum Chefjuristen ernennt er Ramzi Kassem – einen Anwalt, der international bekannt wurde, weil er Al-Kaida-Terroristen, darunter einen Beteiligten der Anschläge vom 11. September, verteidigte.

Kassem trat zudem als Anwalt radikaler antiisraelischer Aktivisten auf und verteidigte Demonstranten aus dem pro-Hamas-nahen Protestmilieu. Für jüdische Organisationen ist das kein Zufall, sondern ein politisches Signal: Ein Al-Kaida-Verteidiger sitzt nun an der juristischen Schaltstelle der Stadt mit der größten jüdischen Bevölkerung außerhalb Israels.

Antisemitismus-Streit: Schutzregeln weg, Signal fatal

Parallel dazu hebt Mamdani per Erlass zentrale Maßnahmen seines Vorgängers auf. Konkret betroffen sind: die städtische Antisemitismus-Arbeitsdefinition, die Behörden als Orientierung diente, sowie Regeln gegen Israel-Boykotte (BDS) innerhalb der Stadtverwaltung, die im österreichischen Parlament einstimmig von allen Parteien als antisemitisch eingestuft wurden.

Kritiker warnen: Damit werde der institutionelle Schutz jüdischer Bürger geschwächt und Boykottkampagnen politisch aufgewertet. Zusätzlich wurden amtliche Beiträge zum Schutz jüdischen Lebens vom offiziellen Bürgermeisterkonto gelöscht.

Das Rathaus spricht von Verwaltung. Jüdische Organisationen sprechen von einem fatalen Signal – ausgerechnet am ersten Tag.

Sozialismus zum Nulltarif? „Gratis“-Angebote, finanziert vom Steuerzahler

Gleichzeitig treibt Mamdani seinen ideologischen Kurs voran. Er erklärt offen den Abschied vom Individualismus. Der Staat soll von nun an massiv eingreifen. Er verspricht: gratis Busse, kostenlose Kinderbetreuung, Mietendeckel, ausgeweitete staatliche Versorgungsangebote.

„Gratis“ ist das allerdings nur für die Nutzer. Bezahlt wird es vom Steuerzahler. Experten rechnen mit Milliardenkosten, warnen vor Steuererhöhungen, neuen Schulden und der Abwanderung von Unternehmen. Mamdani kontert: Widerstand komme von Reichen, die ihre Privilegien verteidigen.

Erst Provokation, dann Beschwichtigung im neunen Versuchslabor

Nach der Welle der Kritik versucht Mamdani zu beruhigen. Er betont, Antisemitismus werde bekämpft, jüdisches Leben geschützt, Sicherheit gewährleistet. Die Einladungen seien missverstanden, die Löschungen Routine, die Personalien juristisch motiviert. Doch der Eindruck bleibt: Erst die Symbolik, dann die Abrissbirne – und am Ende die Beruhigungspille.

Das ist kein Neuanfang. Das ist ein Bruch. Zohran Mamdani startet als ideologischer Brandbeschleuniger: mit Hamas-nahen Symbolen im Umfeld, „Globalize-the-Intifada“-Grenzverwischung, einem Al-Kaida-Verteidiger im Rathaus, sozialistischem Großumbau – und einem Antisemitismus-Streit, der New York spaltet. Die Linke jubelt – und New York wird zum Versuchslabor: religiös aufgeladen, sozialistisch überdreht, politisch brandgefährlich.