Die Debatte um den Frauenanteil in der Politik sorgt für neuen Zündstoff – und dass ausgerechnet im linken Spektrum. Durch den Einzug von Christoph Matznetter in den Nationalrat sinkt der Frauenanteil im SPÖ-Klub erstmals seit Langem wieder unter 40 Prozent. Während die Grünen dies zum Anlass für scharfe Kritik nehmen, sind auch aus der SPÖ selbst schroffe Töne zu hören. In linken Kreisen dürfte das Thema offenbar hohe Wellen schlagen.

Grüne sprechen von „Bankrotterklärung“

Für die Frauensprecherin der Grünen, Meri Disoski, ist diese Entwicklung mehr als nur eine Zahl. „Die SPÖ redet viel über Gleichstellung und Quoten – wenn es aber konkret wird, entscheidet sie sich gegen Frauen.“

Sie sieht darin ein strukturelles Problem und verweist auf die Parteistrukturen: „Unter SPÖ-Chef Babler ist die Partei in ihren Machtstrukturen männlicher geworden: Neun Landesparteien, neun Männer an der Spitze, dazu ein männlicher Klubobmann.“ Entsprechend deutlich fällt ihr Urteil aus: „Das ist eine frauenpolitische Bankrotterklärung.“

Kritik auch aus der SPÖ selbst

Interessant ist, dass auch innerhalb der SPÖ Unzufriedenheit herrscht. Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner zeigt sich über diese Entwicklung wenig erfreut. „Da kann ich als Frauenvorsitzende natürlich nicht zufrieden sein, wenn gesamthaft in unserer Partei der Frauenanteil abnimmt“, erklärt sie.

Gleichzeitig betont sie die grundlegende Bedeutung von Frauen in politischen Entscheidungsprozessen. Frauen müssten „an allen Schalthebeln der Macht und mit am Verhandlungstisch sitzen“. Der aktuelle Stand ist eindeutig: Sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene stehen Männer an der Parteispitze. Durch den Rückgang im Nationalratsklub fällt zudem eine entsprechende Förderung weg.

Forderung nach mehr Geld und Strukturreformen

Holzleitner sieht sowohl organisatorischen als auch finanziellen Handlungsbedarf. Die Frauenorganisation der Partei will das Parteistatut prüfen, um mögliche Lücken bei der Förderung von Frauen zu schließen.

Zudem drängt die Ministerin auf eine Aufstockung des Budgets. Für 2026 sind derzeit 34,1 Millionen Euro vorgesehen. Ein Sinken dieser Summe lehnt sie ab. Es gehe dabei oft „ganz unmittelbar um Beratungsleistungen“. Langfristig sollen auch Frauenberatungsstellen abgesichert werden, etwa durch mehrjährige Fördermodelle.