Macron im Blues-Brothers-Look: Sonnenbrillen-Auftritt in Davos
Davos ist bekannt für graue Anzüge – nicht für Sonnenbrillen im Kongresssaal. Doch Emmanuel Macron erschien diesmal mit dunklen Gläsern. Frankreichs Präsident – plötzlich der coolste Mann im Raum? Nein: Es war keine Pose. Rebellion schon gar nicht.
Emmanuel Macron spricht beim Weltwirtschaftsforum in Davos – doch Hauptgesprächsthema ist sein Outfit, nicht der Inhalt seiner Rede.APA/AFP/Fabrice COFFRINI
Davos ist vieles: Machtzentrum, Eliten-Treffpunkt, Bühne für große Worte. Ein Ort für Sonnenbrillen im Kongresssaal ist es eigentlich nicht. Umso größer das Staunen, als Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos plötzlich mit Sonnenbrille auftauchte – mitten im Saal, vor laufenden Kameras. Der Auftritt erinnerte eher an die Blues Brothers als an klassische Davos-Diplomatie.
Die Erklärung ist allerdings deutlich weniger rockig, als viele vermuten würden.
'We're shifting to a world without rules. Imperial ambitions are resurfacing.'
— Sky News (@SkyNews) January 20, 2026
President Macron references "fundamentally unacceptable tariffs used as leverage against sovereignty' during his speech in Davos.
This comes after Trump shared a text between the two on his socials pic.twitter.com/6LxmWYZOjx
Kein Statement, keine Inszenierung – ein medizinischer Grund
Wie mittlerweile auch Macron selbst bestätigte, leidet er seit einiger Zeit an einer Augenverletzung, konkret an einem geplatzten Blutgefäß. Das sei harmlos, sehe aber unschön aus und gehe mit Lichtempfindlichkeit einher. Deshalb müsse er die Sonnenbrille „eine Weile“ tragen.
Wörtlich sagte der Präsident sinngemäß, man müsse ihn in dieser Zeit eben „so ertragen“. Ein seltener Moment von Selbstironie…
Gesprächsstoff trotz banaler Ursache
Dass Macron die Sonnenbrille dennoch auch im Inneren des Kongresszentrums trug, sorgte für Gesprächsstoff. In Davos, wo jedes Detail gedeutet wird, bleibt selbst ein medizinisches Hilfsmittel nicht ohne Symbolkraft.
Macron behielt die Brille auch, als er in der ersten Reihe Platz nahm und zahlreichen internationalen Entscheidungsträgern die Hand schüttelte. Vorgestellt wurde er schließlich von Larry Fink, dem Chef des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock.
Lob für Macrons Wirtschaftspolitik
Fink nutzte die Gelegenheit für ein politisches Lob. Die wirtschaftspolitische Debatte in Frankreich habe sich in den vergangenen zehn Jahren grundlegend verändert. Heute herrsche ein breiter Konsens darüber, dass wirtschaftliches Wachstum zentral sei – ein Wandel, den er maßgeblich Macron zuschreibt.
Besonders bemerkenswert war sein historischer Vergleich: Kein französischer Präsident habe sein Land seit dem Zweiten Weltkrieg in einer derart entscheidenden Phase geführt.
Applaus in Davos – Augenrollen daheim
Während Davos applaudiert, rollt man daheim nur noch das Auge. Macrons Zustimmungswerte sind seit Längerem niedrig – zuletzt trauten ihm laut Umfrage nur 25 Prozent zu, „gute Politik“ zu machen. Kritiker halten ihm vor, mehr Pathos als Nähe zu liefern.
In Davos sprach Macron über wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, geopolitische Herausforderungen und die Rolle Europas in einer sich rasch verändernden Weltordnung. Zumindest inhaltlich blieb die Sonnenbrille Nebensache – doch sie reichte aus, um weltweit Schlagzeilen zu produzieren.
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