Mandelson im Epstein-Skandal: Starmer gerät unter Druck
Der im Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal festgenommene ehemalige britische Botschafter in den USA, Peter Mandelson, wurde gegen Kaution wieder freigelassen. An zwei Adressen fanden Hausdurchsuchungen statt, die Ermittlungen laufen weiter, teilte die Polizei in London am Dienstagmorgen mit. Mandelson war am Montag festgenommen worden und setzt damit auch Premier Keir Starmer weiter unter Druck.
In der neuen Pressemitteilung der Polizei wurde Mandelson, nicht namentlich genannt, sondern lediglich als 72-jähriger Ex-Minister beschrieben, dem Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt vorgeworfen wird. Zu dem Fall würden bis auf weiteres keine zusätzlichen Informationen preisgegeben, hieß es weiter.
Mandelson war aufgrund seiner engen Beziehung zum inzwischen verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in den Fokus der Ermittlungen gerückt. Der Fall löste eine Regierungskrise in London aus, in deren Verlauf das Amt von Premierminister Keir Starmer zeitweise am seidenen Faden zu hängen schien.
Insider-Informationen an Epstein weitergegeben?
Hintergrund waren die jüngsten Veröffentlichungen aus den Epstein-Akten des US-Justizministeriums. Demzufolge scheint es, als sei Mandelson nicht nur enger mit dem Multimillionär Epstein verbandelt gewesen als bisher bekannt, sondern habe diesem während der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise auch sensible Regierungsinformationen zugespielt. Mandelson war von 2008 bis 2010 Wirtschaftsminister unter dem damaligen Premierminister Gordon Brown.
Den Akten zufolge soll er unter anderem die Entscheidung für einen 500-Milliarden-Euro-Rettungsschirm in der Eurokrise bereits einen Tag vor deren Verkündung an Epstein weitergegeben haben.
Starmer wusste von Freundschaft mit Epstein
Für Starmer wurde es brenzlig, weil er zugeben musste, von der Freundschaft zwischen Mandelson und dem zu diesem Zeitpunkt bereits rechtskräftig verurteilten Straftäter Epstein gewusst zu haben, als er Mandelson im vergangenen Jahr zum britischen Botschafter in Washington ernannte. Diesen Posten musste Mandelson nur wenige Monate später, im September, wegen des Skandals wieder räumen. Vor allem, dass er die Freundschaft zu Epstein auch nach dessen Verurteilung wegen erzwungener Prostitution einer Minderjährigen aufrechterhielt, wurde Mandelson zum Verhängnis. Auch das war Starmer bekannt.
Vor gut zwei Wochen traten mehrere Vertraute des Regierungschefs von der sozialdemokratischen Labour-Partei wegen der Ernennung Mandelsons zurück, darunter sein Stabschef und enger politischer Berater Morgan McSweeney. Mandelson selbst verlor seinen Sitz im britischen Oberhaus. Auch der Lord-Titel soll ihm nach dem Willen des Regierungschefs entzogen werden.
Ähnliche Vorwürfe gegen Ex-Prinz Andrew
Der 2019 in Haft gestorbene Multimillionär Epstein betrieb über Jahre einen Missbrauchsring mit einer bis heute nicht vollständig bekannten, aber offenkundig sehr großen Zahl an Opfern. Zugleich unterhielt er enge Kontakte zu höchsten Kreisen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Adel.
In Großbritannien hält der Epstein-Skandal seit Wochen Regierung und Palast in Atem. In der vergangenen Woche wurde der ehemalige Prinz Andrew wegen ähnlicher Vorwürfe zeitweise festgenommen.
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