Er ist einer der erfolgreichsten Medienmanager des Landes: In der Zeit als Intendant vervielfachte Ferdinand Wegscheider die Marktanteile von ServusTV – dem heute mit Abstand größten österreichischen Privatsender – innert weniger Jahre von 1,8 Prozent auf den Rekordwert von 4,7 Prozent Marktanteil im abgelaufenen Jahr 2025.

Seine journalistische Laufbahn begann Wegscheider Ende der 1970er-Jahre im ORF-Landesstudio Salzburg. Dort habe er eine „sehr gute Grundausbildung“ erhalten und zentrale journalistische Prinzipien gelernt, etwa das Hinterfragen von Informationen und das Anhören beider Seiten.

Medienpionier: Der erste Privatsender

Besondere Anerkennung findet bis heute Wegescheiders mutiger Einsatz für das einst verbotene Privatfernsehen in Österreich: Wegscheider ließ im Jahr 2000 einen Piratensender am Untersberg in Salzburg in Betrieb nehmen, obwohl dafür noch keine rechtliche Grundlage bestand. Die Funküberwachung schaltete den Sender nach wenigen Tagen ab, ein Strafverfahren folgte. Als Reaktion trat Wegscheider in den Hungerstreik. Bereits zuvor sendete Wegscheider mit seinem Team von SalzburgTV – dem Vorgänger des heutigen ServusTV – im Kabel in der Stadt Salzburg.

Aufgrund des Engagements von Wegscheider und einer von ihm gestarteten Unterschriftenaktion trat in Folge in Österreich – als letztes Land in Europa nach Albanien (!) – im Jahr 2001 ein Privatfernsehgesetz in Kraft. „Der Ausdruck Medien-Albanien kommt ja nicht von ungefähr”, fügt Wegscheider an.

Erfolgsmodell ServusTV

2009 entstand dann aus SalzburgTV der heute größte Privatsender Österreichs, ServusTV, dessen Intendant Wegscheider später wurde. Als Erfolgsfaktoren für die deutlichen Reichweitensteigerungen nennt er neben den beliebten Sport-Übertragungen insbesondere auch die starke Informationsschiene und Diskussionsformate, in denen unterschiedliche Meinungen vertreten seien. Im Unterschied zum öffentlich-rechtlichen seien die Diskussionsformate bei ServusTV fair und ausgewogen zusammengesetzt. Ein Vergleich, dem viele Zuschauer zustimmen.

Mit Blick auf die heutige Medienlandschaft äußert Wegscheider deutliche Kritik. Aus seiner Sicht habe sich der Journalismus in den vergangenen Jahren verschlechtert. Besonders bemängelt er, dass unterschiedliche Positionen oft nicht mehr dargestellt würden. Dies habe auch zum Vertrauensverlust in klassische Medien beigetragen. Viele Menschen würden sich daher verstärkt über soziale Medien oder alternative Plattformen informieren.

Wegescheider zum ORF: Maximal zwei Kanäle

Der erfolgreiche Journalist aus Salzburg spricht sich zwar grundsätzlich für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus, sieht jedoch massiven Reformbedarf. Der ORF habe in den vergangenen Jahrzehnten teilweise „günstiges Programm“ angekauft, etwa amerikanische Serien und damit die Privaten massiv konkurrenziert. Das Programm des ORF, das teilweise nur der Quote und den Werbeeinnahmen diene bzw. gedient habe, habe zum Teil „nichts mit öffentlich-rechtlichen Inhalten“ zu tun. „So wie es derzeit läuft, haben die Privaten kaum Chancen zum Überleben“, so die TV-Legende.

Geht es nach Wegscheider, sollte sich der ORF stärker auf seine Kernaufgaben wie Kultur und Bildung konzentrieren. Seichte Unterhaltungssendungen oder eingekaufte Serien seien aus seiner Sicht kein klassischer öffentlich-rechtlicher Auftrag. Und: Ein oder maximal zwei TV-Sender würden zur Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags locker genügen. Langfristig plädiert er für ein duales System zwischen öffentlich-rechtlichem Sender und den Privaten, das sich seinen Namen auch verdient hat.

Medien im Umbruch

Mit seinem Lebenslauf zwischen zählt Ferdinand Wegscheider zu den prägenden Figuren der österreichischen Mediengeschichte. Seine kritischen Einschätzungen zeigen zugleich, wie stark die Diskussion über die Zukunft des Journalismus und die Rolle öffentlich-rechtlicher Medien weiterhin notwendig ist.

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