Mit Unverständnis und Empörung hat die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni auf die Freilassung des Betreibers der Bar “Le Constellation” im Schweizer Skiort Crans-Montana reagiert, in dem der verheerende Brand mit 40 Todesopfern ausgebrochen ist. Meloni sprach am Freitagabend von einem “Affront” gegenüber den Angehörigen der Opfer.

“Ich bin empört über die Nachricht von der Freilassung des Eigentümers des Lokals Le Constellation in Crans-Montana. Ich betrachte dies als eine Beleidigung des Andenkens an die Opfer der Neujahrstragödie und als einen Affront gegenüber ihren Familien, die unter dem Verlust ihrer Angehörigen leiden. Die italienische Regierung wird von den Schweizer Behörden Aufklärung verlangen”, schrieb Meloni auf X.

Meloni ordneten Rückberufung von italienischem Botschafter in der Schweiz nach Rom an

Meloni und der Außenminister Antonio Tajani wiesen daraufhin italienischen Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, an unverzüglich Kontakt mit der Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Béatrice Pilloud, aufzunehmen, um ihr “die tiefe Empörung der italienischen Regierung und Italiens” über die Freilassung des Barbetreiber mitzuteilen.

“Ganz Italien fordert mit Nachdruck Wahrheit und Gerechtigkeit und verlangt, dass im unmittelbaren Zusammenhang mit dieser Tragödie Maßnahmen ergriffen werden, die von Respekt geprägt sind und den Leiden sowie die berechtigten Erwartungen der Familien in vollem Umfang berücksichtigen”, hieß es in einem Schreiben der Regierung am Samstag. Meloni und Tajani haben daher die Rückberufung von Botschafter Cornado nach Rom angeordnet, um die weiteren zu ergreifenden Schritte festzulegen.

Italienische Ermittler wollen sich an Untersuchung in der Schweiz beteiligen

Die Staatsanwaltschaft in Rom hat inzwischen beantragt, dass sich die italienische Kriminalpolizei an den Ermittlungen beteiligt. Darüber soll in den kommenden Tagen bei einem Treffen mit der Staatsanwaltschaft im Wallis entschieden werden.

Bei dem Feuer in der Bar “Le Constellation” kamen in der Silvesternacht 40 junge Menschen ums Leben, 116 weitere wurden verletzt. Sechs Tote und 14 Verletzte stammen aus Italien. Die römischen Ermittler fordern, bei künftigen Verfahrensschritten wie Durchsuchungen, Vernehmungen und Zeugenaussagen eingebunden zu werden, berichtete die römische Tageszeitung “Il Messaggero” am Freitag.

Hintergrund des Vorstoßes sind anhaltende Kontroversen über den bisherigen Verlauf der Ermittlungen in der Schweiz. Kritisiert wird insbesondere, dass keine Obduktionen oder weitergehenden forensischen Untersuchungen der Todesopfer angeordnet wurden. Die ausgestellten Sterbeurkunden enthalten demnach keine konkreten Angaben zur Todesursache. Nach der Überführung der Leichname nach Italien ließ die Staatsanwaltschaft in Rom eigene Obduktionen durchführen.

Unterdessen gibt es aus Italien vorsichtig positive Nachrichten über den Gesundheitszustand einiger Verletzter. Zwei der zwölf italienischen Jugendlichen, die nach dem verheerenden Brand von Crans-Montana an Silvester im Krankenhaus Niguarda in Mailand behandelt wurden, sind aus dem Spital entlassen worden, erklärte der Gesundheitsbeauftragte der Lombardei, Guido Bertolaso. Vier weitere Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren befinden sich weiterhin auf der Intensivstation. Laut Bertolaso könnten einzelne Patienten in den kommenden Tagen vom Spital entlassen werden.