Demzufolge werden die USA im Gegenzug das Kommando über die NATO-Seestreitkräfte mit Sitz in Großbritannien übernehmen.

Über die Umstrukturierungen hatte zuerst die französische Zeitung La Lettre berichtet. Wie die Nachrichtenagentur AFP am Montag aus Diplomatenkreisen erfuhr, wird die Umsetzung vermutlich mehrere Monate dauern. „Das ist ein gutes Zeichen für die praktische Verlagerung der Aufgaben“, hieß es.

„Prominentere Rolle“ für Europa – doch Details fehlen

Ein NATO-Vertreter erklärte offiziell: „Die Verbündeten haben sich auf eine neue Verteilung der Verantwortlichkeiten für höhere Offiziere innerhalb der NATO-Kommandostruktur geeinigt, in der die europäischen Verbündeten eine prominentere Rolle im militärischen Kommando des Bündnisses spielen werden.“ Einzelheiten nannte er nicht.

Hintergrund ist ein von US-Präsident Donald Trump forcierter Wechsel der Verteidigungsstrategie: Die USA wollen ihre Truppenpräsenz in Europa möglicherweise senken und sich auf andere Bedrohungen wie China konzentrieren.

Zentrale Rolle für die USA

Die militärische Supermacht wird jedoch auch künftig eine zentrale Rolle spielen: Die wichtigsten NATO-Kommandos in den Bereichen Luft, Land und See liegen weiterhin bei Washington. Auch der Posten des Oberbefehlshabers der alliierten Streitkräfte in Europa bleibt in US-Hand.

Angesichts des russischen Angriffskrieges in der Ukraine haben die europäischen Staaten ihren jeweiligen Verteidigungshaushalt bereits deutlich erhöht. Im vergangenen Jahr verpflichteten sich die NATO-Verbündeten zu Verteidigungsausgaben in Höhe von insgesamt fünf Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung.

Zuletzt drohte der Konflikt um Grönland, der durch Trumps Ansprüche auf die Arktis-Insel entstanden war, die NATO zu spalten. Der US-Botschafter bei der NATO, Matthew Whitaker, betonte jedoch am Montag, dass der US-Präsident das westliche Militärbündnis stärken und nicht etwa „zerstören” wolle, indem er Europa zu mehr Engagement dränge. „Wir versuchen, die NATO zu stärken, nicht sie aufzulösen oder abzulehnen”, sagte Whitaker. Vielmehr bemühe sich Washington darum, die NATO „so funktionieren zu lassen, wie sie als Bündnis von 32 starken und fähigen Verbündeten gedacht war”.