Nazi-Schmierereien vor Holocaust-Gedenktag: „Juden raus“ auf Lokal in Wien
Hakenkreuze an einer Lokal-Fassade. Daneben die Parole „Juden raus“. In Wien-Währing sorgt ein antisemitischer Vorfall für Entsetzen – und das ausgerechnet unmittelbar vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag. Betroffen ist ein Lokal auf der Währinger Straße.
Besonders sensibel ist die Umgebung: Das Lokal befindet sich in unmittelbarer Nähe der Räumlichkeiten der Jüdischen Hochschülerschaft (JÖH). Die studentische Organisation reagierte bestürzt – und verweist auf eine Sicherheitslage, die längst zum Alltag geworden ist.
Die JÖH hält ihre genaue Adresse inzwischen nicht mehr öffentlich. Der Schritt ist ein Signal dafür, wie ernst die Lage eingeschätzt wird: Nicht nur als kurzfristige Aufregung, sondern als dauerhaftes Risiko.
Polizei ermittelt – Staatsschutz eingeschaltet
Wie Heute berichtete, ermittelt die Polizei gegen unbekannte Täter. Anzeigen wurden wegen Sachbeschädigung, Verhetzung sowie nach den Bestimmungen des Verbotsgesetzes erstattet. Zusätzlich wurde das Landesamt Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) in Kenntnis gesetzt. Die Ermittlungen laufen.
Bedrohungslage: „Die Angst ist real“
Die Tat steht im Kontext einer angespannten Stimmung. Jüdische Einrichtungen berichten seit Monaten von einer deutlich gestiegenen Bedrohungslage, besonders seit dem 7. Oktober 2023.
Die JÖH formulierte das drastisch und persönlich. In einem Statement heißt es:
„Erst vor wenigen Wochen wurde eine Granate vor einer Synagoge im zweiten Bezirk gefunden, wo wir ebenfalls ein Büro haben.“
Dazu kommt ein Satz, der hängen bleibt: Die Angst sei real, die Bedrohung spürbar.
Deutsch: „Vor dem Gedenken müssen wir uns mit der Gegenwart auseinandersetzen“
Auch der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, meldete sich zu Wort – und verknüpfte den Vorfall direkt mit dem historischen Datum.
Auf X (ehemals Twitter) erklärte er:
„Heute vor 81 Jahren wurde das KZ Auschwitz befreit. Doch vor dem Gedenken müssen wir uns mit der Gegenwart auseinandersetzen.“
Deutsch macht dabei klar, dass solche Taten nicht als Randnotiz weggewischt werden dürfen. Die Hakenkreuze und der Schriftzug „Juden raus“ seien „keine Einzelfälle“, sondern „eine reale Bedrohung für Jüdinnen und Juden in Österreich – und damit für unsere Gesellschaft insgesamt“. Er hofft „dass es der Polizei gelingt, den oder die Täter auszuforschen und dass die Justiz alle Möglichkeiten des Rechtsstaats ausschöpft“.
27. Jänner: Gedenken – und Verantwortung
Der Internationale Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Jahr 1945. Das Datum steht weltweit für das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.
Der Nationalsozialismus brachte Mord, Terror und die Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden. Auch Österreich ist Teil dieser Geschichte: Aus Österreich wurden zehntausende Juden deportiert und ermordet.
JÖH: „Wir werden nicht schweigen“
Die JÖH kündigt an, sich nicht einschüchtern zu lassen. In ihrem Statement betont die Organisation:
„Wir werden nicht schweigen, wenn antisemitische Hetze stattfindet. Wir werden diese Vorfälle benennen und uns ihnen entschieden entgegenstellen.“
Kommentare