Neue Idee gegen Teuerung: SPÖ will Preis-App
Für Billa, Spar und Co. könnte das tägliche Melden von Preisen zur Pflicht werden. Die SPÖ fordert eine Preisplattform als Übergangslösung gegen die Teuerung. Ob dies die Preise wirklich senkt oder nur zu mehr Bürokratie führt, bleibt fraglich.
Während die Bundesregierung eine Preistransparenz-Datenbank ab 2026 plant, prescht die SPÖ mit einem Sofortvorschlag vor. Demnach sollen Supermärkte ihre Preise täglich digital an die Bundeswettbewerbsbehörde melden. Das klingt nach einem „gläsernen Einkauf“, wirft aber auch die Frage auf, ob damit tatsächlich die Preise sinken oder nur der staatliche Apparat wächst.
Regierung plant Datenbank – Statistik Austria bremst
Die Preise im Supermarkt sind für viele ein Ärgernis – selbst bei leicht sinkender Inflation. Deshalb hat die Bundesregierung den Aufbau einer zentralen Preistransparenz-Datenbank beschlossen, um die Preise entlang der Lieferkette von Lebensmitteln zu beobachten. Das Ziel ist, die Datenbank ab 2026 betriebsbereit zu haben.
Doch ausgerechnet die zuständige Statistik Austria bremst: Das Ziel sei „sehr ambitioniert“, da die notwendigen Daten derzeit noch nicht in ausreichendem Umfang vorlägen.
SPÖ-Vorstoß: Supermärkte sollen Preise täglich an Behörde melden
Jetzt setzt die SPÖ auf Tempo – und auf maximale Kontrolle. Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim unterstützt den Vorstoß von Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ): Bis die staatliche Datenbank steht, soll eine Preisvergleichsplattform als Übergangslösung dienen.
Der Plan sieht vor, dass Supermärkte ihre Preise täglich über eine digitale Schnittstelle direkt an die Bundeswettbewerbsbehörde melden. Daraus könnte eine App entstehen, die beim Einkauf sofort anzeigt, ob ein Produkt „nebenan“ billiger ist.
Seltenheim begründet das wie folgt: „Wir brauchen mehr Transparenz bei Lebensmittelpreisen, um ungerechtfertigte Preispolitik entlang der Wertschöpfungskette identifizieren zu können. Denn nach wie vor ist oftmals unklar, wo zwischen Produzenten, Verarbeitung, Großhandel und Supermärkten Preisaufschläge entstehen.“
Zusätzlich argumentiert er technisch: „Jedes Produkt hat einen Barcode und ist verfolgbar. Und jeder Supermarkt arbeitet mit digitalen Warenwirtschafts- und Kassensystemen, die Preise elektronisch speichern. Diese Preise sollen künftig über eine digitale Schnittstelle einmal täglich an die Bundeswettbewerbsbehörde gemeldet werden.“
Transparenz klingt zwar gut, doch eine tägliche Meldepflicht wäre auch ein massiver Eingriff in die Abläufe des Handels. Ob daraus automatisch sinkende Preise entstehen, bleibt abzuwarten.
Pressestunde-Debatte: SPÖ fordert tägliche Preis-Checks statt Wochenrhythmus
In der ORF-„Pressestunde“ vom 11. Jänner 2026 forderte Königsberger-Ludwig zur Bekämpfung der Lebensmittelteuerung auf – unter anderem durch tägliche Preiskontrollen. Sie sprach sich dafür aus, die Preisüberwachung durch Behörden zu intensivieren, um Preissprünge schneller zu erkennen und dagegen vorgehen zu können. Die bisher oft nur wöchentliche Kontrolle sei ihrer Meinung nach nicht mehr zeitgemäß.
„Österreich-Aufschlag“: AK-Daten liefern Zündstoff
Politisch besonders brisant ist der Vergleich mit Deutschland. Daten der Arbeiterkammer Wien (Erhebungszeitraum: Mai 2025) zeigen, dass Verbraucher bei Markenprodukten teilweise erheblich mehr zahlen. So müssen Konsumenten für Crunchips 80 Prozent, für Cremissimo-Eis 107 Prozent und für Maggi-Fix 76 Prozent mehr bezahlen als in Deutschland.
Diese Zahlen liefern der Debatte Sprengstoff und erklären, warum Forderungen nach Eingriffen beim Handel so schnell Zustimmung finden. Sie beantworten jedoch nicht die Detailfrage, wo genau die Aufschläge entstehen und ob eine tägliche Meldung dieses Problem löst.
Preis-Detektiv: Diese Tools gibt’s schon
Während die Politik über Plattformen streitet, gibt es bereits private Angebote. Preisrunter.at vergleicht über 350.000 Produkte tagesaktuell und verfügt über eine „Schrumpf-Warnung“ bei Änderungen der Packungsgröße. Supermarkt.at bietet einen Überblick über Aktions- und Regalpreise großer Ketten. Mit dem foodwatch Preisradar sollen Preisentwicklungen bei Rohstoffen und Endprodukten sichtbar gemacht werden.
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