389 Tage nach dem Start der Dreierkoalition hat sich das Stimmungsbild deutlich verändert: Laut dem Meinungsforscher Peter Hajek ist die aktuelle Lage von „skeptischer Stimmung“ geprägt. Eine Umfrage von Heute zeigt: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung sieht Österreich auf dem falschen Weg, 87 Prozent sprechen sogar von einer negativen Entwicklung. In diesem Umfeld gelingt der FPÖ ein massiver Zugewinn, während die Regierungsparteien zunehmend unter Druck geraten.

FPÖ auf Höhenflug

Mit 35 Prozent erreichen die Freiheitlichen den höchsten jemals in den Heute-Umfragen von Unique Research gemessenen Wert. Damit rückt die Partei nicht nur klar an die Spitze, sondern gewinnt auch erheblichen politischen Einfluss.

Denn dieses Ergebnis würde ein Verfassungsdrittel bedeuten: Zentrale Gesetze könnten künftig nicht mehr ohne die Zustimmung von Herbert Kickl beschlossen werden. Eine Position, die die FPÖ strategisch massiv stärkt.

Auch Hajek sieht die Freiheitlichen im Vorteil: „Die FPÖ und Herbert Kickl führen klar das Feld an. Die politischen Rahmenbedingungen sind für die FPÖ wie gemacht.“

ÖVP stabil – Regierung insgesamt unter Druck

Die ÖVP erreicht derzeit 22 Prozent und bleibt damit vergleichsweise stabil, auch wenn sie unter ihrem Wahlergebnis von 2024 liegt. Parteichef Christian Stocker kann sich in der Kanzlerfrage sogar leicht besser positionieren als seine Partei insgesamt.

Die Gesamtlage der Regierung sieht anders aus: ÖVP, SPÖ und Neos erreichen gemeinsam nur 49 Prozent. Die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und internationalen Krisen schlagen sich offenbar zunehmend in der Stimmung nieder.

Hajek beschreibt die Situation deutlich: Die Regierung sei „nur noch Passagier“ – gefangen im „engen Budgetkorsett“, das die Vorgängerregierung hinterlassen hat. Zusätzlicher Druck komme von außen, so Hajek: „Kaum erscheint ein zarter Dämmerstreifen am wirtschaftspolitischen Horizont, setzt der Iran-Krieg mit all seinen Folgewirkungen ein.“

SPÖ schwach – Grüne legen zu, Neos treten auf der Stelle

Die Lage bleibt besonders bei der SPÖ angespannt: Mit 18 Prozent fällt sie sogar unter ihr historisch schwächstes Wahlergebnis von 2024. Parteichef Andreas Babler kann laut Umfrage kaum neue Impulse setzen und liegt auch in der Kanzlerfrage deutlich zurück.

Die Neos verharren bei 9 Prozent und zeigen aktuell keine Dynamik. Zudem verlieren sie den vierten Platz wieder an die Grünen. Diese hingegen profitieren von ihrer Oppositionsrolle: Unter Leonore Gewessler erreichen sie elf Prozent und können sich wieder klar im zweistelligen Bereich etablieren.

Auch die KPÖ sorgt für Aufmerksamkeit: Mit 4 Prozent liegt sie an der Schwelle zu einem möglichen Wiedereinzug in den Nationalrat – ein Szenario, das es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat.