Wie die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet, sieht der neue Lehrplan rund 130 verbindliche Themen für die Klassen fünf bis zehn vor. Unfassbar: Nur fünf davon beschäftigen sich unmittelbar mit Jesus Christus.

Statt eines klaren Schwerpunktes auf christlicher Theologie setzt der Lehrplan auf fünf sogenannte Kompetenzbereiche: „Identität“, „Gemeinschaft“, „Sinn und Glaube“, „Handeln“ sowie „Freiheit und Zukunft“. In diesen Bereichen sollen Schüler verschiedene religiöse und gesellschaftliche Perspektiven kennenlernen.

Sexuelle Orientierung auf einer Stufe mit dem Vaterunser

Im Zusammenhang mit Jesus geht es demnach etwa um das „Vaterunser als Spiegel menschlicher Grundbedürfnisse“ oder um „das Kreuz als Symbol“. Auf derselben Ebene stehen laut Lehrplan allerdings auch Themen wie „Meditationspraxis im Buddhismus“, die Scharia im Islam, ausgewählte Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen sowie „sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität als Entwicklungsaufgabe“.

„So weit ist man noch nie gegangen“

Das Ministerium begründet den Ansatz damit, dass der Unterricht nicht nur „religionskundliches Wissen über Religion“ vermitteln solle. Ziel sei es, „die Vielfalt christlicher und anderer religiöser Deutungsmöglichkeiten für Beobachtungen und Erfahrungen des Alltags“ sichtbar zu machen.

Der evangelische Religionspädagoge Andreas Kubik-Boltres von der Universität Osnabrück erkennt darin eine klare Verschiebung. Einen vollständigen Bruch sehe er zwar nicht, wohl aber „eine schleichende Gewichtsverlagerung“, sagte er gegenüber Bild. Zugleich stellt er fest: „So weit wie dieses Mal ist man damit bisher nicht gegangen.“

Ministerium: Bislang hat sich niemand beschwert

Hintergrund der fragwürdigen Entwicklung ist laut Kubik-Boltres der gesellschaftliche Wandel. Schulklassen seien heute religiös und weltanschaulich sehr heterogen – mit Katholiken, Protestanten, konfessionslosen Schülern und Angehörigen anderer Religionen.

Das niedersächsische Bildungsministerium erklärte gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung, ein zu geringer Stellenwert der Figur Jesu oder seiner christologischen Bedeutung sei bislang nicht kritisiert worden. Verbände können noch bis Ende März Stellung zum Lehrplan nehmen. Anschließend müssen Kirchen und Landtag zustimmen.

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