Öffentlich-rechtliches Kinderformat zeigt Islam rein positiv, Christentum nur negativ
Lebensfroher Islam, finsteres Christentum: Ein Kinderformat des deutschen öffentlich-rechtliche Senders ZDF zeichnet ein positives Bild vom Islam, während es das Christentum ausschließlich negativ dargestellt. Ein ehemaliger ZDF-Korrespondent reagierte: Er reichte eine Programmbeschwerde gegen die Folge ein. Nun gesteht der Sender Fehler ein.
Im Zentrum steht eine Kinder-Sendung von Mitte März. Dort wurden zwei Beiträge direkt hintereinander ausgestrahlt: Zuerst ein Bericht über das Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan, danach ein Erklärvideo zur Geschichte des Christentums in Deutschland.
Islam: freundlich, geheimnisvoll und gemeinschaftlich
Über die islamische Fastenzeit, die am 19. März zu Ende ging, wird in dem Beitrag überwiegend objektiv, aber gänzlich unkritisch, berichtet. Das Fastenbrechen und das Zuckerfest wird in ein sehr positives Licht gerückt: Bilder von gemeinsamem Kochen und Essen, von Süßigkeiten und Schmuck, denn diese bekommen Kinder oft zum Ende des Fastenmonats geschenkt, wie die Erklär-Stimme aus dem Hintergrund berichtet.
Zum Schluss werden Frauen und Mädchen gezeigt, die sich die Hände mit Henna-Verziehrungen bemalen. „Das sieht nicht nur schön aus, sondern soll auch Glück bringen“, lautet der letzte Satz des Sprechers, bevor das nächste Thema eingeblendet wird: der Mitgliederschwund in den deutschen Großkirchen.
Christentum: Mittelalter, Ablass, Hölle
Mitte März wurde die Zahlen von 2025 veröffentlicht. Demnach sind im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Menschen aus der katholischen und evangelischen Kirche ausgetreten oder verstorben.
Dann folgt ein geschichtlicher Abriss über Entwicklungen der Kirchen. Dieser stellt die Kirchen rein negativ dar. Er beginnt nicht etwa mit Jesus Christus oder der Urkirche, die im römischen Reich unter Verfolgung litt, sondern mit dem Mittelalter. Die Menschen damals hatten „richtig Angst, dass Gott sie in die Hölle schicken würde, wenn sie sich nicht an die religiösen Regeln hielten“. Gleichzeitig wird eine angsteinflößende Höllen-Darstellung mit Feuer, Teufel und nackten, leidenden Menschen eingeblendet.
Dann kommen kurze Episoden zu Ablasshandel („das brachte der Kirche super viel Geld ein“), den Beginn der Neuzeit und dem immer geringer werdenden Einfluss der Kirche. Gründe werden aufgezählt, warum Menschen heute aus der Kirche austreten: Weil sie „das Gefühl haben, sie brauchen Kirche nicht in ihrem Leben“, Kirche nicht modern sei oder weil „Kirchenleute (…) schreckliche Verbrechen an Kindern begangen“ haben. Zum Schluss des Beitrags der Hinweis der Moderatorin: „Mehr zu diesen Verbrechen könnt ihr auf logo.de nachlesen“.
Ehemaliger ZDF-Korrespondent reicht Beschwerde ein
Auslöser der Debatte war eine formelle Programmbeschwerde von Thorsten Alsleben, einem ehemaligen ZDF-Hauptstadtkorrespondenten. Seine Kritik wiegt schwer.
Während der Ramadan-Beitrag laut seiner Beschwerde überwiegend positiv und lebensnah gestaltet gewesen sei – mit echten Menschen, Familien und Kindern – sei das Christentum im Anschluss ausschließlich negativ dargestellt worden. „Die Kindernachrichtensendung Logo hatte in einer mehrere Programmrichtlinien verletzenden Form einen einseitigen Hetzbericht über die Geschichte der christlichen Kirchen gebracht“, schreibt Alsleben in einem X-Beitrag am 19. März.
Alsleben erzählt in dem X-Eintrag, was er dem ZDF mitteilte: Es seien „bedrohlich wirkende historische Malereien sowie gezeichnete Figuren“ gezeigt worden. Dazu habe es ein „furchteinflößenden historischen Höllenbild“ sowie ein „bedrohlichem diabolischen Lachen im Hintergrund“ gegeben.
Die vielen positiven Seiten der Kirche verschweige der Beitrag
„Kein Wort zu der Botschaft der Erlösung durch den Kreuzestod Jesus, den so keine andere Religion bietet. Kein Wort zu den Reformen, die die Kirche durchlebt hat (und die große Teile des Islam noch vor sich haben), keine Wort zu den sozialen Diensten, die die Kirchen über alle Jahrtausende geleistet haben, kein Wort zu den Bildungseinrichtungen, zu den kulturellen Errungenschaften, kein Wort zur Seelsorge und kein Wort darüber, dass unser Grundgesetz auf christlichen Werten beruht“, schreibt er in dem siebenteiligen X-Beitrag.
Sein Fazit ist deutlich: „Der Eindruck, der sich gerade Kindern bieten musste: Ramadan/Islam fröhlich-freundlich; Kirchen strafend, angsteinflößend, unwissenschaftlich, voller Verbrechen“.
Verstoß gegen Programmgrundsätze?
Die Vorwürfe gehen über bloße Geschmacksfragen hinaus. In seiner Beschwerde sieht Alsleben mögliche Verstöße gegen zentrale ZDF-Programmrichtlinien.
Konkret nennt er die Pflicht zur „Achtung gegenüber religiösen Überzeugungen“ sowie das Gebot der Ausgewogenheit.
Die Wirkung auf junge Zuschauer scheint erheblich gewesen zu sein. Der ehemalige ZDF-Korrespondent berichtet, seine Tochter habe nach der Sendung entsetzt gefragt: „Stimmt das?“.
Was das ZDF sagt
Auf Anfrage des katholischen Onlinemediums CNA Deutsch betont das ZDF, dass keine bewusste Gegenüberstellung geplant war. Gleichzeitig räumt der Sender ein, dass die konkrete Umsetzung problematisch gewesen sein könnte.
„Rückblickend erkennen wir, dass diese Programmierung unglücklich war“, erklärt eine ZDF-Kommunikationsmitarbeiterin gegenüber CNA Deutsch.
Weiter heißt es: „Eine solche Wirkung war keinesfalls intendiert und die Redaktion wird den Vorgang intern kritisch prüfen.“
Auch das ZDF räumt ein, dass durch die Abfolge der Beiträge ein falscher Eindruck entstehen konnte. So erklärte Kommunikationsmitarbeiterin Mailin Erlinger: „die Kombination der Beiträge innerhalb einer Sendung [hat] den Eindruck einer beabsichtigten Gegenüberstellung vermittelt“.
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