Öl-Schock: Trump beginnt Russland-Sanktionen zu lockern
Der Ölmarkt steht unter Schock: Der Weltmarktpreis für ein Fass Rohöl sprang zeitweise auf fast 120 Dollar. Jetzt reagiert Washington und beginnt, Sanktionen gegen russische Ölströme zu lockern, um mehr Öl auf den Weltmarkt zu bringen.
US-Präsident Donald Trump reagiert auf den Öl-Schock: Washington beginnt, Sanktionen gegen russische Ölströme zu lockernAPA/AFP/SAUL LOEB
Innerhalb weniger Tage sprang der Weltmarktpreis für Rohöl um rund 20 Prozent nach oben und erreichte im Tagesverlauf zeitweise rund 119 Dollar pro Fass. Auslöser sind massive Sorgen über die Stabilität der Ölversorgung aus dem Nahen Osten.
Besonders kritisch ist die Lage rund um die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Energierouten der Welt. Nach dem Preisschock am Morgen fiel der Ölpreis allerdings wieder deutlich zurück und schloss laut Reuters bei rund 99 Dollar, zeitweise sogar deutlich darunter. Händler reagierten damit auf mögliche Gegenmaßnahmen der USA und anderer Industriestaaten.
Washington beginnt Sanktionen zu lockern
Der Preisschock bringt nun auch die Regierung von Präsident Donald Trump zum Umdenken. Finanzminister Scott Bessent erklärte, Washington prüfe Möglichkeiten, zusätzliche Ölangebote auf den Markt zu bringen – auch durch Lockerungen bei Sanktionen gegen russische Energieexporte. „Es gibt Hunderte Millionen Barrel sanktionierten Rohöls auf See. Wir prüfen Möglichkeiten, das Angebot zu erhöhen“, sagte Bessent.
Tatsächlich hat Washington bereits erste Schritte gesetzt: Die USA gewährten eine 30-Tage-Ausnahme, damit Indien russisches Öl kaufen kann, das sich bereits auf Tankern befindet. Präsident Donald Trump bestätigte später zudem, dass bestimmte ölbezogene Sanktionen vorübergehend ausgesetzt werden könnten, um zusätzliche Mengen auf den Weltmarkt zu bringen. Damit könnten erstmals seit Beginn der Sanktionen wieder größere Mengen russischen Öls auf den Weltmarkt gelangen – eine Entwicklung, die Kreml-Chef Wladimir Putin wirtschaftlich entgegenkommt.
Hunderte Tanker sitzen im Golf fest
Wie angespannt die Lage tatsächlich ist, zeigt ein ungewöhnliches Bild auf den Weltmeeren. Derzeit sitzen hunderte Öltanker im Persischen Golf und südlich der Straße von Hormus fest, weil die Passage als unsicher gilt.
Solange diese Tanker ihre Ladung nicht ausliefern können, droht ein massiver Engpass auf dem globalen Ölmarkt.
Katar warnt vor Ölpreis von 150 Dollar
Die Warnungen aus der Golfregion sind drastisch. Der katarische Energieminister Saad al-Kaabi erklärte in einem Interview, dass der Ölpreis im Extremfall auf 150 Dollar pro Fass steigen könnte.
Katar hat bereits seine LNG-Produktion gestoppt und warnt: Energieexporte aus der gesamten Golfregion könnten innerhalb weniger Wochen teilweise zum Erliegen kommen.
Der Grund: Sollte sich die Sicherheitslage weiter verschlechtern, könnten Tanker die Straße von Hormus nicht mehr passieren.
Produktion bricht ein – mehrere Länder kürzen Förderung
Die Angebotsseite zeigt bereits deutliche Risse. Im Irak soll die Ölproduktion laut Marktberichten um rund 60 Prozent eingebrochen sein, weil Exportlogistik und Tankertransport massiv behindert werden. Auch Kuwait hat seine Förderung reduziert und „force majeure“ erklärt.
Saudi-Arabien reagiert ebenfalls: Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco drosselte laut Brancheninformationen die Förderung an mehreren Ölfeldern und leitet Exporte teilweise über Yanbu am Roten Meer um, um die riskante Passage durch den Persischen Golf zu umgehen.
Industriestaaten bereiten Notfallmaßnahmen vor
Angesichts der Turbulenzen beraten internationale Organisationen über Gegenmaßnahmen. Die Internationale Energieagentur drängt auf eine koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven. Auch die G7-Staaten signalisierten, im Ernstfall zusätzliche Mengen aus staatlichen Lagerbeständen auf den Markt zu bringen.
Allein die US Strategic Petroleum Reserve umfasst derzeit rund 415 Millionen Barrel, während die Industriestaaten insgesamt über mehr als 1,2 Milliarden Barrel an staatlichen Notfallreserven verfügen.
Während Washington umdenkt, wächst auch in Europa der Druck
Während die US-Regierung bereits Schritte zur Lockerung von Öl-Sanktionen prüft, gibt es aus Europa bislang keine vergleichbaren Signale. Doch der Druck wächst.
In Österreich fordert die FPÖ eine Neubewertung der Sanktionspolitik. Die Bundesregierung müsse auf EU-Ebene die Auslösung des Krisenmechanismus bei den Russland-Sanktionen verlangen, erklärten die Energiesprecher der Partei.
Sollten Lieferungen aus dem Nahen Osten weiter unter Druck geraten, könnte der aktuelle Öl-Schock nicht nur die Märkte erschüttern – sondern auch die Sanktionspolitik des Westens nachhaltig verändern.
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