Ein Posting des Sozialministeriums am vierten Adventsonntag sorgt für politischen Wirbel: Auf Instagram und Facebook thematisierte das Ressort den „Orgasmus-Gap“ zwischen Männern und Frauen. Die Reaktionen reichen von Spott bis Kritik – und landen schließlich im Parlament.

Worum es überhaupt ging

Am 21. Dezember, dem sogenannten „Weltorgasmustag“, veröffentlichte das von SPÖ-Ministerin Korinna Schumann geführte Sozialministerium einen Beitrag zum „Orgasmus-Gap“, exxpress berichtete. Die Botschaft: Frauen kommen in heterosexuellen Beziehungen seltener zum Höhepunkt – und das sei kein Zufall.

Das Ziel laut Ministerium: Aufklärung, Stressreduktion und mehr Bewusstsein für sexuelle Gesundheit. Doch die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Kritik kam nicht nur von der Opposition, sondern auch aus den eigenen Reihen. Die FPÖ brachte daraufhin eine parlamentarische Anfrage ein – und wollte unter anderem wissen: Wie viel hat diese „Kampagne“ gekostet?

Ministerium verteidigt sich – und relativiert

Die Antwort aus dem Ministerium fiel deutlich aus: Es habe gar keine Kampagne gegeben, sondern lediglich „einen einzelnen Informationspost“. Kosten? Keine. Externe Agenturen? Keine.

Besonders spannend ist jedoch die Begründung für das Timing – immerhin fiel der Beitrag auf den vierten Adventsonntag.

Das Ministerium argumentiert, man orientiere sich an „Zuständigkeiten“ und „fachlich relevanten Publikationen“. Der Weltorgasmustag sei ein internationaler Aktionstag und daher ein legitimer Anlass gewesen. Grundlage sei der Gender-Gesundheitsbericht 2024.

Und weiter heißt es: Sexuelle Gesundheit werde „im Rahmen eines evidenzbasierten Public-Health-Verständnisses als präventions- und aufklärungsrelevantes Thema behandelt“.

Kritiker sehen darin eine erstaunlich technokratische Rechtfertigung für ein Thema, das viele eher im privaten als im staatlichen Verantwortungsbereich verorten. Oder anders gesagt: Hat das Gesundheitsministerium wirklich nichts Drängenderes zu tun?

Orgasmus-Gap: Komplexer als dargestellt

Wie der Sender SRF unter Berufung auf eine Studie der Universität Basel berichtete, ist die sogenannte Orgasmus-Lücke zwar real, fällt aber deutlich komplexer aus, als es vereinfachte politische Botschaften nahelegen. Demnach kommen rund 94 Prozent der Männer regelmäßig zum Höhepunkt, während es bei Frauen nur etwa 56 Prozent sind. Als zentrale Ursache gilt jedoch weniger ein strukturelles Problem im Sinne politischer Schlagworte, sondern vielmehr ein verbreitetes Missverständnis von Sexualität: Viele Menschen setzen Sex mit Penetration gleich, obwohl zahlreiche Frauen auf diesem Weg keinen Orgasmus erreichen. Entscheidend sei vielmehr zusätzliche klitorale Stimulation sowie eine bessere Kommunikation zwischen den Partnern. Studienleiterin Lenya Koechlin betont zudem, dass nicht mangelnde Aufklärung allein ausschlaggebend sei, sondern ein zu enges Verständnis davon, was Sex überhaupt umfasst. Auch der Einfluss von Pornografie wird differenziert betrachtet, da diese zwar ein einseitiges Bild vermitteln kann, aber nicht als alleinige Ursache gilt.