In einem Facebook-Posting erklärte Kern, er habe „kein Interesse an einer fortgesetzten Führungsdiskussion“ und begründete seinen Verzicht unter anderem mit an Medien weitergegebenen, vertraulichen Gesprächsinhalten.

Für Schütz greift diese Erklärung jedoch zu kurz. Ihrer Einschätzung nach habe Kern bereits im Vorfeld erheblichen Schaden angerichtet. „Ich glaube nicht, dass er rechtzeitig aufgehört hat“, sagt Schütz. „Er hat die SPÖ gespalten“, indem er Funktionäre, Landesparteien und Unterstützer wie Hergovich ausrücken ließ, um den linken Kurs von Andreas Babler öffentlich zu kritisieren.

Besonders problematisch sei das „permanente Gerücht“, Kern könnte zurückkehren, das immer wieder Journalisten zugespielt worden sei. Dadurch sei eine anhaltende Führungsdebatte am Köcheln gehalten worden. Auch Wiens Bürgermeister habe signalisiert, er wäre zwar nicht gegen eine Kandidatur Kerns, diese unterstützen würde er aber nicht.

Kern "ist nicht krisenfest"

Der nun erfolgte Rückzug zeigt laut Schütz ein bekanntes Muster: „Er hat damit gezeigt, was er immer schon gezeigt hat: Er ist nicht krisenfest und niemand, der in den Ring steigt.“ Dabei hätte Kern laut ihrer Einschätzung durchaus Chancen gehabt, eine Mehrheit am Parteitag zu organisieren – gerade weil es in der Wiener SPÖ zahlreiche Funktionäre gebe, die mit Babler unzufrieden seien.

„Hätte er verloren, hätte er den Ring ehrenhaft verlassen können. Er hätte es zumindest probiert“, so Schütz. Stattdessen bleibe die SPÖ mit einer monatelangen Führungsdebatte – aber ohne Entscheidungsschlacht.